Man hatte ja mit vielem gerechnet, als man mit der sogenannten Baulandfreimachung auf dem Süderweiterungsgelände des Gewerbeparks Eichwald begonnen hatte. Seit Wochen schon sind sowohl ein Team des Landesdenkmalamtes als auch des Kampfmittelbeseitigungsdienstes auf dem Areal zugange. Das Landesdenkmalamt sucht nach Historischem, der Kampfmittelbeseitigungsdienst nach Explosivem. Das Eichwald-Gelände ist ein ehemaliger Militärstandort. Schon 2005 wurde beim Bau der Umgehungsstraße auf Sersheimer Gemarkung ein Blindgänger entdeckt, später auf der Eichwald-Nordseite.

Tatsächlich sind beide Teams fündig geworden. Die Archäologen sind auf Funde aus der Steinzeit und der Keltenzeit gestoßen, resümierte Steffen Schurr, der Geschäftsführer des Zweckverbands Eichwald, am Donnerstag in der Sitzung des Sachsenheimer Gemeinderats. Der Erhaltungszustand der Funde, darunter zum Beispiel Urnen, sei aber so schlecht, dass weitere größere Maßnahmen nicht zu erwarten seien.

Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat das Gelände Stück für Stück mit Eisendetektoren abgesucht und unter anderem Munition und Metallteile zutagegefördert. Bomben hat er bislang nicht gefunden, allerdings, so Steffen Schurr, bestehe an zwei, drei  Stellen der Verdacht, dass Blindgänger in der Erde schlummern könnten. Bodentrichter, die auf der Luftbildauswertung zu sehen sind, legen dies nahe. Nun müsse noch gebaggert werden. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, müssen wir eventuell auch evakuieren“, sagte er im Gemeinderat. Betroffen wären dann die Eichwald-Nordseite, möglicherweise auch das Wohngebiet. Klar sei aber noch nichts. „Wir hoffen, dass nichts Größeres notwendig wird.“

Groß ist die Angelegenheit indes bereits an anderer Stelle geworden. Auf der Fläche unter der ehemaligen Hunderennbahn sind Altlasten gefunden worden, und zwar massig und „mehr als erwartet“, so Steffen Schurr. Bauschutt, Metalle, sogar ein altes Auto sind als wilde Mülldeponie in der Vergangenheit illegal verbuddelt worden, um die 60er Jahre herum sei das nicht unüblich gewesen. Öl und Teer seien in den Boden eingetragen worden. Und diese böse Überraschung kommt den Zweckverband nun richtig teuer.

Die bislang vorgesehenen 1,5 Millionen Euro für die Beseitigung von Altlasten werden bei Weitem nicht reichen, musste der Zweckverbandsgeschäftsführer in der Sitzung bekennen. Bis zum Doppelten könnten sich die Kosten auswachsen. Die Krux: Die Erkenntnis erreichte den Zweckverband in der Sommerpause, in der entscheidende Gremien nicht verfügbar waren, erklärte Horst Fiedler, der Zweckverbandsvorsitzende und Sachsenheimer Bürgermeister, am Donnerstag. Daher habe man in der Bürgermeister-Versammlung sich folgende Krücke gebaut: Um den Zeitplan nicht zu gefährden – der Zweckverband ist vertraglich verpflichtet, das fertig geräumte Gelände am 31. Oktober zu übergeben – wurde nur eine Teilleistung bis 1,5 Millionen vergeben. Der Rest des schädlichen Materials wird zwischengelagert. Das weitere benötigte Geld wird in den Haushalt 2017 eingestellt. Der soll schon in der nächsten Zweckverbandssitzung aufs Tapet kommen. Und danach gibt es für die weiteren Arbeiten gesonderte Neubeauftragung. Dann werden die Halden abgetragen und weiterverwertet oder entsorgt.

Für diese Entscheidung erntete Horst Fiedler in der Sitzung des Gemeinderats Kritik. Den heftigsten Beschuss setzte es vonseiten der Grünen Liste vom Fraktionsvorsitzenden Günter Dick. Der warf ihm vor, grob fahrlässig ohne eine Finanzierung mit den Arbeiten begonnen zu haben. Außerdem hätte der Bürgermeister zumindest auf der Gemeinderatsfahrt nach Valréas Anfang August das Gremium in Kenntnis setzen müssen, was im Eichwald los ist. Stattdessen hätte er das Vertrauen missbraucht.

Ein Vorwurf, den Horst Fiedler sich so nicht bieten lassen wollte. Eine Ausflugsfahrt mit einem zufällig ausgewählten Teil des Gremiums sei keinesfalls der richtige Rahmen, um solche Themen zu erörtern. Er räumte ein, dass die Entscheidung, die Entsorgungsarbeiten vor einer weiteren Gremiumsentscheidung zu vergeben, „nicht ganz okay“ gewesen sei, „aber wo waren meine Alternativen? Ein Baustopp hätte enorme weitere Schäden gebracht“. Jetzt fließe nicht mehr Geld als freigegeben, der Rest werde 2017 finanziert.

Was in dem ganzen Zoff um die Altlasten fast zur Nebensache geriet: Der Teilbebauungsplan „Süd­erweiterung“ ist in der Sitzung des Gemeinderats als Satzung mehrheitlich beschlossen worden – bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Info Der Sachsenheimer Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung überdies dem Verkauf eines 4300 Quadratmeter großen Grundstücks zum Preis von 140 Euro pro Quadratmeter inklusive Erschließungskosten an die Firma Pfeiffer zugestimmt. Das Unternehmen auf der Eichwald-Nordseite will erweitern. Mit der Zustimmung des Gemeinderats sind dessen Vertreter im Zweckverband angewiesen, diese Entscheidung mitzutragen.