BZ-Schulpreis „Einfach Singen“ verbindet Kulturen

Die Kirbachschule Hohenhaslach erzielte mit dem Projekt „Einfach Singen“ einen ersten Platz beim Schulpreis der BZ.
Die Kirbachschule Hohenhaslach erzielte mit dem Projekt „Einfach Singen“ einen ersten Platz beim Schulpreis der BZ. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Michaela Glemser 13.06.2018

Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise zu ermöglichen, dies war schon immer der große Wunsch und das Ziel von Christiane Hähnle. Ihre Brieffreundschaft zu France Vanel legte einst den Grundstein für die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Sachsenheim und dem französischen Valréas. Christiane Hähnle hatte aber auch die Idee zum Projekt „Einfach Singen!“, das Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Generationen vereint und das in diesem Jahr mit dem BZ-Schulpreis ausgezeichnet wurde.

Jeder kann mitmachen

„Mir liegt die Begegnung der Menschen sehr am Herzen, und wie geht das besser als beim Singen. Jeder kann mitmachen, ganz egal, ob jemand alt oder jung ist, die deutsche Sprache beherrscht oder nicht“, betont die engagierte Chorleiterin, die im Juni 2016 erstmals zu einer Probe dieses besonderen interkulturellen Chors einlud.

Von Anfang an mit dabei war der Rektor der Hohenhaslacher Kirbachschule, Rainer Graef. „Ich war schon zu Beginn begeistert von dieser Idee. Singen trägt zu einem friedlichen Miteinander bei. Eventuelle Vorurteile und Ängste werden abgebaut, es findet ein intensiver Austausch statt. Die Menschen lernen sich gegenseitig wirklich kennen“, lobt Graef.

Da Christiane Hähnle als Jugendbegleiterin auch die Chor-AG  und die Percussion- sowie Trommelgruppe an der Kirbachschule leitet, wurden bald auch die Schülerinnen und Schüler in das Projekt „Einfach Singen!“ integriert. Waren am Anfang nur wenige geflüchtete Menschen mit von der Partie, wurden sie schnell immer mehr, da die Schüler der Vorbereitungsklasse an der Kirbachschule ihre Eltern mitbrachten und ihnen stolz zeigten, wie gut sie schon die deutsche Sprache beim Singen beherrschten.

„Manche geflüchtete Menschen singen am Anfang nur wenig mit und lassen einfach die Atmosphäre auf sich wirken. Nach unseren Proben gehen sie mit einem guten Gefühl nach Hause. Sie empfinden den Chor als echte Bereicherung in ihrem Leben“, schildert Christiane Hähnle. Inzwischen sind 50 bis 60 Prozent der Chormitglieder Männer, viele auch aus der Flüchtlingsunterkunft im Hohenhaslacher „Steigle“. Sie kommen regelmäßig zu den monatlichen Proben, die im Musiksaal der Kirbachschule stattfinden.

Unter den rund 70 bis 80 Teilnehmern sind aber nicht nur geflüchtete Menschen, sondern auch rund zehn Bewohner des Seniorenzentrums „Spitalhof“ aus  Korntal-Münchingen. „Unsere älteste Sängerin ist bereits stolze 86 Jahre alt. Aber sie alle, ob sie im Rollstuhl sitzen oder unter Demenz leiden, sind mit einer unglaublichen Freude dabei“, erzählt Chorleiterin Christiane Hähnle.

In den Pausen der Proben sorgt ein international besetztes Caterer-Team für Spezialitäten aus vielen unterschiedlichen Ländern. „Diese Kommunikation der  Sänger untereinander ist ganz wichtig. Jeder trägt ein Namensschild, und es ist ein breites Netzwerk entstanden, von dem alle Seiten profitieren. Vor allem den geflüchteten Menschen eröffnen sich auf diese Weise neue Chancen für ihre Zukunft“, macht Rainer Graef deutlich. Daher war es auch schnell klar, dass nach einem viel umjubelten Konzert im Großsachsenheimer Kulturhaus im Februar 2017, das eigentlich den Abschluss des Projekts darstellen sollte, eine Fortsetzung kommen musste.

Tränen in den Augen

„Die Stimmung damals im Kulturhaus war ganz besonders. Nicht nur die Sängerinnen und Sänger, sondern auch die Besucher hatten bei Liedern wie ‚Alle Menschen sind Brüder‘ oder ‚We are the world‘ Tränen in den Augen. Also ging es weiter mit den Proben, und es folgte ein Auftritt beim Sommerfest der Kirbachschule“, erinnert sich Christiane Hähnle, die mit ihren Mitstreitern derzeit schon für einen neues Matinee-Konzert am 1. Juli in der Kirbachtalhalle probt.

Welches internationale Liedgut dann vorgetragen wird, von afrikanischen Weisen über Rap oder deutschen Hits können die Mitglieder des Chors  selbst mitbestimmen.

„Wir wollen als offene Schule ein Teil der Gesellschaft sein. Daher passt das Projekt so gut zu uns. Außerdem nimmt in unserem Schulprofil Musik und Bewegung einen ganz wichtigen Stellenwert ein. Musik ist ein verbindendes Element, das den Schülern große Freude bereitet und sie den Lernort Schule ganz neu erfahren lässt“, sagte  Rektor Rainer Graef.

Und Christiane Hähnle ist überwältigt vom Erfolg. „Viele kleine Schritte können Großes bewegen“, schwärmt sie.

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