Sersheim / Von Mathias Schmid

Der Fußball schmückt sich gerne mit seiner völkerverständigenden Wirkung. Nicht nur die Verbände Deutschlands und Europas werben für Respekt und Toleranz. Auch das Demokratiezentrum in Sersheim setzt auf eine integrative Wirkung beim Treten des runden Leders und hat ein Handbuch zur Organisation demokratiestärkender Fußballturniere herausgegeben. Was es damit auf sich hat, erklärt Sinja Wernz von der Fachstelle „kompetent vor Ort. gegen Rechtsextremismus“ im BZ-Interview. Die 27-Jährige studierte Politik- und Sozialforscherin (Master of Arts) wohnt in Stuttgart und arbeitet seit Oktober 2016 im Demokratiezentrum.

Demokratiestärkende Fußballturniere – um was genau geht es?

Sinja Wernz: Bei „Kicken gegen Rechts“ beziehen wir uns auf Werte wie Fairplay und Respekt, welche im Fußball alltäglich gelebt werden, um mit Jugendlichen im Bereich der Demokratiestärkung zu arbeiten. Beim Fußball spielt es keine Rolle, welcher Religion oder Nationalität die Spielerinnen und Spieler angehören, oder welche Hautfarbe sie haben, alleine die Leistung und der Spaß zählen. Schnell merken die Spielerinnen und Spieler, dass ein Zusammenspiel über alle Grenzen hinweg auf dem Platz gut funktioniert. Diese positiven Erfahrungen lassen sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen.

Im Sport klappt dieses Miteinander der Kulturen aber doch ohnehin ganz gut. Braucht es da wirklich so ein Handbuch?

Wir wollen das Projekt „Kicken gegen Rechts“, das im Ostalbkreis entstanden ist, einer breiteren Öffentlichkeit bekanntmachen. Es bringt auch außerhalb von Vereinsstrukturen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nicht über den Weg laufen. Hierbei verfolgen wir den Ansatz regionaler Strukturstärkung. Wir wollen, dass die Angebote vor Ort durchgeführt werden. Das Handbuch soll eine Unterstützung sein, um mit geringem Aufwand ein solches Turnier organisieren zu können. Neben dem reinen Fußballspiel bieten wir auch Infostände zum Thema Rassismus, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder Erinnerungskultur, die die Teilnehmer in der Pause nutzen können.

Der Wunsch ist also, dass das Projekt „Kicken gegen Rechts“ möglichst oft kopiert wird?

Ja und erste Institutionen haben sich auch schon rückgemeldet, die solche Turniere durchführen wollen. Gerade sind wir in Gesprächen mit dem Kreis-Jugend-Amt im Rems-Murr-Kreis und der Partnerschaft für Demokratien in Herrenberg, die im nächsten Jahr ein solches Turnier durchführen wollen.

An wen richtet sich das Handbuch?

Die Zielgruppe ist breit aufgestellt. Hauptsächlich richtet sich das Buch an Institutionen wie Kreis-Jugend-Ringe oder Menschen in der Extremismus-Prävention, sowie Jugendgruppen und Jugendverbände, die eine Tagesveranstaltung planen.

Warum hat man sich bei der Broschüre auf Fußball beschränkt?

Zum einen, weil das Vorreiter-Projekt ein Fußball-Turnier ist. Ich kenne ähnliche Turniere aber beispielsweise auch aus dem Basketball oder Handball. Zum anderen, weil Fußball die Breitensportart in Deutschland ist, die bei jedem präsent ist. Für den ersten Aufschlag ist der Fußball ein sehr gutes Medium, die Ziele des Projektes zu transportieren. Allerdings sind andere Sportarten nicht ausgeschlossen. Mit ein wenig Anpassung ist es auch denkbar, das Projekt auf andere Mannschaftssportarten zu übertragen.

Welche Hilfestellungen kann das Demokratiezentrum über die Broschüre hinaus liefern?

Auf unserer Webseite können zum Beispiel Formulare heruntergeladen werden. Darüber hinaus sind wir auf Wunsch mit einem eigenen Stand vertreten. Es ist auch möglich, dass wir Teile der Organisation übernehmen. Wir verfügen über ein Netzwerk von Partnern, die wir mit einbringen können. Auch eine finanzielle Beteiligung ist möglich.

www.demokratiezentrum-bw.de