Bereits 1938 befasste sich der Großsachsenheimer Gemeinderat mit dem Gedanken, ein Freibad zu bauen. Ein erster Kostenvoranschlag machte damals diese Ideen rasch zunichte. 80 000 Reichsmark sollte ein Schwimmbecken kosten, dies lies die Finanzlage der Stadt Großsachsenheim nicht zu. Das berichtet Axel Griesbaum. Gemeinsam mit anderen hat er die Geschichte des Freibads für die neue Ausgabe des Geschichtsbands Mörin des Vereins für Heimatgeschichte aufgearbeitet.

Bei einer Bürgerversammlung 1952 kam abermals der Wunsch nach einem Freibad auf. Bürgermeister Paul Roller wurde damals mit zwei Wünschen aus der Bevölkerung konfrontiert. Eine Turn- und Festhalle oder ein Freibad. Beides konnte sich die Stadt nicht leisten. Also machte Roller den Vorschlag, einen dieser Wünsche in Gemeinschaftsarbeit zu erstellen. Das Freibad machte das Rennen.

Gemeinderat Reinhold Spiess war von der Freibad-Idee begeistert und regte die Gründung einer Schlossbad-Baugemeinschaft an. Für 48 Arbeitsstunden oder 50 Mark Geldspende sollte jeder Bürger eine Sechs-Jahres-Karte erhalten. Die Stadt stellte das Grundstück und Baumaterial. Baubeginn war bereits im November 1952.

7390 Arbeitsstunden geleistet

Auf der Großsachsenheimer Nike-Raketenbasis stationierte US-Soldaten führten die Grabungs- und Planierungsarbeiten aus. Die Baufirmen Schlotterbeck und Wonner stellten ihre Baumaschinen zur Verfügung, berichtet Gerhard Schweizer in der Mörin. Über 7390 Arbeitsstunden leisteten die Großsachsenheimer. 771 Liter Bier und 104 Liter Traubensaft stellte ein Gastwirt der Schlossbad-Baugemeinschaft nach Ende der Arbeiten in Rechnung. Ein Beleg dafür, wie schweißtreibend die Arbeit auf der Freibad-Baustelle war. Rund 40 Prozent der Gesamtkosten brachte die Bevölkerung auf.

Bereits am 15. August 1953 wurde das Freibad mit einem Kopfsprung von Reinhold Spiess, der sozusagen die treibende Kraft hinter dem Freibad-Projekt war, eingeweiht. „So war unsere Stadt im Besitz eines der ersten nach dem Krieg gebauten Schwimmbäder, ein Bad, das durch eine Bürgerinitiative verwirklicht und in Eigenleistung gebaut worden war“, so Schweizer in der aktuellen Mörin. 1957 eröffnete die neue Schwimmbad-Gaststätte. Regelmäßig wurde in die Technik investiert. So wurde 1979 eine Solaranlage zur Wasser-Erwärmung installiert. 1989 war eine umfassende Modernisierung für 1,3 Millionen Mark notwendig. 2002 wurde die Freibadgaststätte erneuert.

Trägerverein wird gegründet

Armin Geiger beleuchtet die Entwicklung des Freibads ab 2003. Angesichts der schwierigen Haushaltslage gab es damals Pläne seitens der Stadt, das bei der Bevölkerung sehr beliebte Freibad zu schließen. Als dies bekannt wurde, sprachen sich 1500 Besucher in einer Protestaktion für den Erhalt aus.

Eine Projektgruppe unter der Leitung von Axel Griesbaum und Armin Geiger erstellte eine Machbarkeitsstudie und kam zu dem Schluss, dass die beliebte Freizeiteinrichtung mit einem Trägerverein erhalten bleiben könne. Der Gemeinderat segnete dieses Vorhaben ab. Am 5. Februar 2004 wurde die Satzung des Vereins genehmigt und unterzeichnet. Vorsitzende des neuen Vereins wurden Armin Geiger, Axel Griesbaum und Jürgen Kaeber.

Am 15. Mai 2004 eröffnete der neue „Trägerverein Schlossfreibad Sachsenheim e.V“. so die offizielle Bezeichnung, das nun ehrenamtlich in Bürgerhand geführte Freibad. Beinahe 600 Mitglieder hatte der Verein nach kurzer Zeit. In den Folgejahren wurde das Freibad renoviert, die Heiztherme modernisiert. Wieder stemmten freiwillige Helfer einen Großteil der Arbeiten. Inzwischen zählte der Verein beinahe 1300 Mitglieder. 2008/2009 wurde ein neues Kinderbecken gebaut, 2012 die Solaranlage erneuert und 2013 eine Abdeckung für das Sportbecken gekauft und eingebaut.

Info Das 99. Heft der „ Mörin“ ist im Stadtmuseum Sachsenheim und bei der Firma Bader zum Preis von vier Euro erhältlich. Die Ausgabe enthält darüber hinaus eine umfangreiche Chronik des Jahres 2019. Walter Christ und Rainer Glos haben die Ereignisse der vergangenen 12 Monate in chronologischer Reihenfolge aufbereitet.