Die Stadt Sachsenheim geht auf Hermann von Sachsenheim zurück. Doch wer war er? Das schildern wir im ersten Teil der BZ-Serie zum diesjährigen Jubiläum 525 Jahre Sachsenheim.

Hermann von Sachsenheim wurde um das Jahr 1430 geboren. Sein Vater war der Minnedichter Hermann von Sachsenheim. Seine Mutter Agnes starb 1431. Im Wintersemester 1446/1447 begann Hermann von Sachsenheim ein Studium an der Universität Heidelberg. Was genau, weiß man nicht. In Heidelberg gab es damals die Studiengänge Medizin, Theologie und Jura. Aufgrund von Hermanns späterer Tätigkeit wird vermutet, dass er mit Letzterem das nötige Rüstzeug für seine durchaus beeindruckende politische und diplomatische Laufbahn erwarb.

Damit wandelte Hermann von Sachsenheim zunächst auf den Spuren seines gleichnamigen Vaters, der im hohen Alter als Minnedichter bekannt wurde und von 1419 bis 1442 bereits als Rat des württembergischen Grafenhauses tätig war. 1458 starb der Minnedichter, ein Jahr später auch Hermanns Stiefmutter.

Zu Beginn der 1460er-Jahre stand Hermann in Diensten des Grafen Ulrich von Württemberg. Dieser  schloss sich einer Allianz von Kaiser Friedrich III. und Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg an. Gegner waren der Bruder des Kaisers, Herzog Albrecht IV. von Österreich, Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz und Herzog Ludwig IX von Bayern-Landshut. 1460 kam es zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen diesen Allianzen. Auch Hermann von Sachsenheim war involviert.

Zum Ritter geschlagen

Anschließend  trat er in die Dienste von Eberhard V. im Barte ein. Am 10. Mai 1468 machte sich der 23-jährige Eberhard mit einem 40-köpfigen Gefolge auf die Reise ins Heilige Land. Am 8. Juli traf die Gruppe in Jerusalem ein, machte einen Abstecher nach Bethlehem und besuchte am  12. Juli 1468 abermals Jerusalem. Graf Eberhard und sein adeliges Gefolge wurden am Heiligen Grab zu Rittern geschlagen.

Auf dem Heimweg gelangte die Gruppe am 19. September nach Korfu. Lediglich mit sechs Gefolgsleuten besuchte Graf Eberhard am 22. September von dort aus Rom. Einer davon war Hermann von Sachsenheim. Das übrige Gefolge schickte Eberhard nach Venedig. Als Dank für seine treuen Dienste erhielt Hermann 1472 von Graf Eberhard das Schloss Blankenhorn als Lehen. Zwischenzeitlich war Hermann im Dienst der verwitweten Erzherzogin Mechthild zu Rottenburg als deren Rat und Landvogt.

1482 kehrte Hermann in den Dienst der Stuttgarter Linie der württembergischen Grafen zurück, und wurde am 23. April 1482 von Eberhard V. zum Landhofmeister bestellt – eine Vertrauensstelle. Der  Landhofmeister stand an der Spitze der Verwaltung, war sozusagen der erste Beamte für Staatsangelegenheiten. Der Dienstvertrag ist noch erhalten und lagert im Staatsarchiv Stuttgart. Demzufolge hat Hermann 15 Jahre lang als Landhofmeister gedient und wurde dafür reich entlohnt (siehe Infobox).

Vermögende Sachsenheimer

Die Sachsenheimer galten damals als durchaus vermögend. Gelegentlich halfen sie sogar ihren württembergischen Herren mit Darlehen aus. Vermutlich deshalb gab es eine kleine, für Hermann offensichtlich verschmerzbare Einschränkung: Solange Hermann sein Stuttgarter Haus besaß, einen überaus stattlichen Bau  an der Schmalen Straße 3 direkt an der Stadtmauer, solle er für den Aufenthalt in der Stadt kein Wohngeld bekommen. Der Vertrag sollte auch gelten, falls Hermann aus dem Amt scheiden sollte.

Tatsächlich sollte diese „Kündigungsklausel“ überraschend schnell greifen, zumal im Münsinger Vertrag vom 14. Dezember 1482 Erbstreitigkeiten im Hause Württemberg beigelegt wurden, und die bis dahin bestehende Teilung Württembergs in einen Stuttgarter und Uracher Teil aufgehoben wurde. Ein pikantes Detail des Münsinger Vertrages war, dass nur noch ein Landhofmeister walten sollte. Ein Landhofmeister war dadurch übrig, und Hermann von Sachsenheim war offiziell seinen Job los.

Eberhard wollte jedoch nicht auf die bewährten Dienste des Sachsenheimers verzichten und hielt den Vertrag aufrecht. Hermann vertrat Eberhard in der Folgezeit bei etlichen wichtigen Verhandlungen. Beispielsweise verhandelte er 1486 zusammen mit dem Kanzler Dr. Johann Vergenhans und dem Humanisten und Juristen Johannes Reuchlin auf dem Reichstag zu Frankfurt über die Wahl Maximilians zum Deutschen König. Ein Engagement, das sich noch Jahre später auszahlen sollte: Hermann erhielt von ebendiesem Maximilian das Stadtrecht für Sachsenheim.

Info In der Serie „525 Jahre Sachsenheim“ berichtet die BZ in loser Reihenfolge über die Entwicklung der Stadt. Teil zwei handelt davon, wie Sachsenheim das Stadtrecht erlangte und wie es mit Hermann von Sachsenheim zu Ende ging.

Knapp 1800 Liter Wein pro Jahr


Als Landhofmeister sollte Hermann von Sachsenheim jährlich 15 Gulden, ein Fuder Wein (entspricht etwa 1761 Liter), 20 Scheffel Roggen, 40 Scheffel Dinkel und 40 Scheffel Haber erhalten (ein Württemberger Scheffel entsprach einem Raummaß von etwa 177,8 Liter). Ferner wurden Hermann fünf Pferde mit den notwendigen Dienern, Heu, Stroh, Geld und Beholzung zugestanden. mh