Osmanen Richter plaudert mit Vizepräsident

Kreis Ludwigsburg / Bernd Winckler 07.11.2018

Er hat geredet, aber dennoch nichts gesagt. Der 35-jährige selbst ernannte Stuttgarter Vize-Präsident und Bestrafungsmeister der Osmanen Germania BC, Levent Uzundal, angeklagt wegen Mordversuch, Erpressung,  Zuhälterei und vieles mehr, gab sich jetzt die Ehre, mit dem Vorsitzenden Richter zu reden. Die Geschehnisse in Ludwigsburg, Asperg und Bietigheim bleiben dennoch unklar.

Sieben Monate lang hat der 35-Jährige vor der 3. Großen Strafkammer im Stammheimer Gerichtssaal geschwiegen. Ebenso wie seine sieben Mitangeklagten, darunter der „Welt-Präsident“ der Osmanen-Rocker, Mehmet Bagci. Sieben Monate haben die Richter versucht, mittels Zeugenvernehmungen herauszufinden, was an den Anklagevorwürfen der Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für das organisierte Verbrechen dran ist: Die brachialen schwer bewaffneten Überfälle auf ein Bahoz-Mitglied in Ludwigsburg, das Zusammenschlagen eines weiteren Kurden in Asperg und in Bietigheim, wie auch die schreckliche Folterung eines abtrünnigen Osmanen-Mitglieds im Landkreis Böblingen (die BZ berichtete). Es scheint, so die bisherigen Erkenntnisse der Richter, dass die Anklage korrigiert werden muss. Dennoch hat die Strafkammer Unzundal eine Strafe im Bereich bis neun Jahren signalisiert.

Vorwürfe relativiert

Jetzt hat Levent Uzundal alle ihm angelasteten Vorwürfe relativiert. Mehr noch, er gibt sich als Sozialmensch, der nichts anderes getan habe, als in die Kriminalität abgerutschte Jugendliche auf den richtigen Weg zu bringen. Mit Boxen, was die jungen Männer so gerne praktizieren. Der Staatsanwalt geht dazwischen: Was mit den Schlachten  und dem Mordversuch an einem Kurden im Januar 2017 in der Ludwigsburger Innenstadt? Es stimme, so Uzundal, aber die Anklage gegen ihn sei nicht richtig, er habe alles viel zu spät mitbekommen.

Was die angeklagten Waffeneinkäufe betrifft und der dafür notwendige Geldfluss, der laut Medienberichten sogar von höchsten türkischen Regierungskreisen stammen soll, dazu sagt Uzundal nichts. Und er weist auf seinen Entlastungszeugen Mustafa Kilinc hin, der Mann, der sich rechtzeitig vor seiner Festnahme in die Türkei absetzte. Kilinc könne alles erklären – und sich dabei selbst als den eigentlichen Täter bezeichnen. Der 39-Jährige ist von der Stuttgarter Justiz als Zeuge geladen und hat freies Geleit zugesichert bekommen. Und das soll am 26. Februar nächsten Jahres der Fall sein. Bis dahin hält das Gericht den Prozess künstlich am Leben – mit kurzen Fortsetzungen.

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