Konzert Zwei Leben für eine Musik

International renommiertes Klavierduo mit Wurzeln in der Region: Der aus Bad Urach stammende Götz Schumacher (rechts) und der gebürtige Reutlinger Andreas Grau spielen am Montag beim Neujahrskonzert der Philharmonie in der Reutlinger Stadthalle auf.
International renommiertes Klavierduo mit Wurzeln in der Region: Der aus Bad Urach stammende Götz Schumacher (rechts) und der gebürtige Reutlinger Andreas Grau spielen am Montag beim Neujahrskonzert der Philharmonie in der Reutlinger Stadthalle auf. © Foto: Johannes Grau
swp 11.01.2018

Galaktisch!“ „Voll abgespaced!“ – der Jubel nach dem Konzert der beiden Pianisten 2013 in der damals neu eröffneten Stadthalle war einhellig. Jetzt, fünf Jahre später, am 15. Januar, kommen Andreas Grau und Götz Schumacher wieder – als Gastsolisten beim Neujahrskonzert der Württembergischen Philharmonie. Die beiden stammen aus der Region (der eine aus Reutlingen, der andere aus Bad Urach) und gelten international längst als „das führende Klavierduo“. Solches Lob nehmen sie mit Humor: Vielleicht, flachsen sie, wäre die Formulierung „eines der führenden Klavierduos“ besser - damit „niemand beleidigt“ ist.

Aber im Ernst: Sogar das Hamburger Wochenmagazin „Die Zeit“ spricht von einer „Telepathie des Zusammenspiels“. Tatsächlich haben sich die beiden Pianisten in den mittlerweile 35 Jahren, in denen sie als Tandem unterwegs sind, einen unglaublichen Verschmelzungsgrad erarbeitet. Kein Wunder, dass sie dies auch in ihrem Künstlerlabel nachvollzogen haben: GrauSchumacher – ein Doppelwort. Zwei Persönlichkeiten, eine gemeinsame musikalische Aussage.

Klavierduos, so scheint es, sind überproportional oft Zwillinge, Geschwister oder Ehepartner. Nicht so Grau und Schumacher: Sie sind weder verwandt noch verschwägert. Gibt’s da auch mal zwei verschiedene Meinungen zur Musik? Ja, sagt Grau, „unser Duo lebt sicher von einer Art Polarität.“ Aber darin sehen die beiden eher etwas „Befruchtendes“, ein „Entwicklungspotenzial“. Schumacher beschreibt es so: „Mit dieser Unterschiedlichkeit einen gemeinsamen Gedanken zu formen“, das ist das Ziel.

Seit längerem lebt Schumacher in Berlin, Grau in Tübingen. Heißt das: Üben per Videokonferenz? Nein, schmunzelt Grau. „Wir sind trotzdem sehr, sehr viel zusammen und arbeiten dann gemeinsam.“ Früher war das anders. Die ersten zwanzig Jahre haben sie „Tür an Tür gewohnt und mehrmals täglich geprobt“ – eine notwendige Phase, „um als Klavierduo überhaupt zusammenzuwachsen“.

Was macht ihn nun aus, den ganz speziellen Charme dieses Klavierduos? Ganz sicher das Miteinander von klangfarblichem Reichtum und technischer Brillanz. Aber es kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: ungewöhnliche, bezugsreiche, klug zusammengestellte Programme. Von Bach bis Zappa, von Mozart bis Schnittke reicht ihr Horizont. Schuberts f-Moll-Fantasie und Stockhausens „Mantra“ liegen zwar Welten auseinander – und doch gehören diese beiden Werke gleichermaßen zur DNA des Klavierduos. GrauSchumacher, beide inzwischen Anfang fünfzig, sind gefragt bei Top-Festivals in Salzburg, Schwetzingen oder Luzern, aber eben auch bei zeitgenössischen Treffs wie Eclat in Stuttgart oder Ultraschall in Berlin. Sie spielen vierhändig, an zwei Klavieren, in kleineren Besetzungen oder mit großem Orchester. Sie performen aufsehen­erregende Uraufführungen mit perkussiver Live-Elektronik und können genauso mit Musik von Rachmaninow in faszinierende Klang-Traum-Sphären entführen. Oder sie gestalten mit Bühnenstar Klaus Maria Brandauer Mozart- und Shakespeare-Programme. Namhafte Komponisten der Gegenwart haben dem Klavierduo GrauSchumacher Werke zur Uraufführung gewidmet – die Reihe reicht von etablierten Neutönern wie Wolfgang Rihm oder Peter Eötvös bis hin zu Exponenten der jungen Avantgarde wie Brigitta Muntendorf.

Vor fünf Jahren, da unternahmen Andreas Grau und Götz Schumacher in der Stadthalle mit Detlev Glanerts Doppelkonzert eine musikalische Reise durchs Weltall, mit interstellarem Donner und mystisch wabernden Nebeln, inspiriert von Bildern der Voyager-Sonde. Jetzt, am kommenden Montag, spielen sie Francis Poulencs Doppelkonzert für zwei Klaviere. Das sei „einer der Leuchtpunkte, eine der Perlen unseres Repertoires“, schwärmt Schumacher, „fantastisch“, rhythmisch „ansteckend“ und „wunderbar leicht“. Zudem „spektakulär, virtuos und witzig“, wie Grau ergänzt. Mozart, Ravel, Strawinsky, sogar eine Prise Varieté – das alles biete dieses populäre Konzert. GrauSchumacher spielen es seit vielen Jahren – und spüren immer wieder: „Alle haben eine unglaubliche Freude an diesem Werk.“

Und was meinen die beiden zur Stadthalle? „Ein Riesengewinn“ für Publikum und Philharmonie, sagt Grau. Den Saisonstart des neuen Chefdirigenten, Fawzi Haimor, fand er „toll“: „ein Glücksfall fürs Orchester“. Wie der 34-jährige US-Dirigent nun genau buchstabiert wird, darüber gibt es einen kleinen, amüsanten, höchst beliebten Videoclip. Können GrauSchumacher den Namen schon unfallfrei aussprechen? „Noch nicht ganz“, lacht Schumacher, „aber ich werd’s üben bis dahin!“

Philharmonie und GrauSchumacher: Mit Gershwin & Co. ins neue Jahr

Konzert Am Montag, 15. Januar, 20 Uhr, steigt in der Stadthalle Reutlingen das Neujahrskonzert der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (WPR).

Zu Gast ist das Piano-Duo GrauSchumacher mit dem Doppelkonzert für zwei Klaviere von Francis Poulenc.

Andreas Grau und Götz Schumacher stammen aus der Region und treffen nun erstmals auf den neuen WPR-Chefdirigenten Fawzi Haimor.

Zur Aufführung in der Reutlinger Stadthalle kommen außerdem das Orchester-Scherzo „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas nach Goethes Ballade sowie die Orchesterwerke „Le boeuf sur le toit“ von Darius Milhaud und „Ein Amerikaner in Paris“ von George Gershwin. Wenige Restkarten für das Konzert gibt es an allen Vorverkaufsstellen, bei der WPR (0 71 21) 82012-26, online unter www.wuerttembergische-philharmonie.de sowie an der Abendkasse.