Festival Zurück zu den Wurzeln

Otto Paul Burkhardt 31.10.2016

In Tübingen, Stuttgart und erstmals auch wieder in Reutlingen gibt es jeweils eigene Eröffnungen. Die 33. Französischen Filmtage starten am 2. November (siehe auch Kommentar).  Und sie zeigen so viele Beiträge wie noch nie: 126 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme, davon 25 Deutschland-Premieren. Der Länderschwerpunkt ist die Schweiz.

33 Jahre hat es gedauert, bis die Französischen Filmtage an ihren Ursprungsort zurückkehren. Das 1983 von Pierre Achour in Reutlingen gegründete und ein Jahr später nach Tübingen abgewanderte Filmfestival für frankophone Filme findet dieses Jahr erstmals wieder in der Achalmstadt statt. Fester Bestandteil und vollwertiger Spielort des Festivals wird das seit gut einem Jahr bestehende Programmkino Kamino.

Zahlreiche Gäste werden hier erwartet, täglich mindestens drei Festivalfilme gezeigt und ein extra Empfang mit Werkschau-Gast Lionel Baier ausgerichtet: „Ich wollte schon immer ausprobieren, wie das Festival in Reutlingen ankommt“, sagt Festivalleiter Christopher Buchholz, „und mit dem Kamino haben wir endlich einen idealen Partner gefunden“.

Der Empfang wird, wie schon berichtet, am Sonntag, 6. November, im Anschluss an eine Film-Matinee mit dem Streifen „Les grandes ondes“ steigen. Christopher Buchholz begrüßt den aus Polen stammenden Schweizer Lionel Baier im Kamino, der seinen Film persönlich vorstellt. Dem 41-jährigen Regisseur, der in seinen Arbeiten virtuos mit Techniken und Genres spielt und zwischen Kunst und Kitsch hin und her laviert, ist auch die diesjährige Retrospektive des Festivals gewidmet.

Zwischen Kunst und Kitsch

Des Weiteren sind die jungen Regisseure David Nicolas Parel und Sacha Wolff, die noch jüngere Schauspielerin Raph, Christine Gendre von Uni­France und der senegalesische Rapper Cyril Oumar Touré für Reutlingen angekündigt.

Überhaupt präsentieren die Französischen Filmtage bei ihrer 33. Ausgabe einige hoffnungsvolle Newcomer und Talente. Politische Themen werden ebenfalls wieder im Fokus stehen: So wird sich am 3. November der deutsch-französische Publizist Daniel Cohn-Bendit den Fragen von SWR-Landessenderdirektorin Stefanie Schneider zum Thema „Frankreich – Nachbar in Not?“ stellen.

Der Freund von Joschka Fischer hat sich zwar aus der aktiven Politik zurückgezogen, demonstrieren und sich wehren will er aber weiterhin. Spannend versprechen auch die Diskussion mit Lionel Baier zur Schweizer Filmkunst (7. November, 18 Uhr, Brechtbau), die Debatte zum „Fokus Afrika“ (7. November, 20 Uhr Café Haag) und das Gespräch mit Festivalgast François Margolin über seinen brisanten und schockierenden Streifen „Salafistes“ zu werden.

Insgesamt kommen mehr Gäste als bei den jüngsten Festival-Ausgaben. Und es werden mehr Filme gezeigt. Insgesamt 126 flimmern in Tübingen (Kino Museum, Arsenal und Atelier), Reutlingen, Mössingen, Rottenburg und Stuttgart über die Leinwände und das, obwohl „die Kosten gestiegen sind und es immer schwieriger wird, prominente Gäste her zu holen“, so Buchholz. Dafür können sich die Festivalmacher über den Status quo bei den Sponsorengeldern freuen: Neben dem mit 5000 Euro dotierten Filmtage-Preis „Fliegende Kamera“ für den besten Nachwuchsfilm und dem Publikums-, Drehbuch- und Kurzfilm-Preis wird auch wieder der Verleih-Förderpreis von Unifrance und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg über 20 000 Euro vergeben. Daneben gibt es den bewährten Mix aus insgesamt neun Wettbewerbs-Sektionen, Überraschungskurzfilmen, Cineslam und Schulkino.

Länderschwerpunkt Schweiz

Auch das Festival-TV wird es wieder geben, das auf drei großen Leinwänden in der City und auf www.filmtage-tuebingen.de verfolgt werden kann.  Nicht zu vergessen die legendäre  Filmtageparty, diesmal mit der Schweizer Band Macao (4. November, 21.30 Uhr, Schlachthaus), das Cinekonzert mit dem Streifen „Les Mondes Futurs“ (4. November, 20.30 Uhr, Sparkassen Carré) und die Tübinger Eröffnung am 2. November, 19.30 Uhr im Museum. Der französische Regisseur und Drehbuchautor Bruno Dumont wird erwartet und „Ma Loute“ als Deutschland-Premiere präsentieren.

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