Reutlingen Zurück in der Gewinnzone

Eberhard (rechts) und Hubert Reiff stellten gestern gemeinsam mit Finanzvorstand Dr. Immanuel Kohn (nicht im Bild) die Geschäftszahlen der Reiff-Gruppe im vergangenen Jahr vor.
Eberhard (rechts) und Hubert Reiff stellten gestern gemeinsam mit Finanzvorstand Dr. Immanuel Kohn (nicht im Bild) die Geschäftszahlen der Reiff-Gruppe im vergangenen Jahr vor. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / RALPH BAUSINGER 01.04.2015
Die Reiff-Gruppe ist nach dem "schwierigen Jahr 2013" wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Bei einem Umsatz von 525,8 Millionen Euro stand unter dem Strich ein Gewinn von 400 000 Euro.

Die Reiff-Gruppe habe sich 2014 "in schwierigem Marktumfeld positiv entwickelt und sich in ihren Branchen gut behauptet", sagte Geschäftsführer Eberhard Reiff bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag. So legte die Gruppe beim Umsatz gegenüber 2013 um 3,3 Prozent auf 525,8 Millionen Euro zu. Der im Ausland erwirtschaftete Umsatz betrug 124 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2014 mit 13,7 Millionen exakt 9 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Nach Steuern erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Gewinn von 400 000 Euro - 2013 hatte Reiff einen Rekordverlust von 8,7 Millionen Euro ausgewiesen.

Zum positiven Ergebnis haben alle drei Segmente beigetragen. Der mit Abstand größte Geschäftsbereich der Gruppe, "Reifen und Autotechnik", wuchs um 1,2 Prozent auf 367,4 Millionen Euro. Reiff profitierte von der Kehrtwende im Sommerreifengeschäft - hier zeigte sich der deutsche Markt stabil und sorgte für ein Plus von drei Prozent. Insbesondere das Segment der SUV-Reifen wuchs überdurchschnittlich - wie auch der Bereich der Hochleistungsreifen. Gut gestaltete sich auch das Geschäft mit Motorradreifen. Weniger positiv entwickelte sich das Geschäft mit den Winterreifen - hier ließ der überaus milde Winter die Umsätze im vierten Quartal schrumpfen.

Im Fachhandel für PKW und LKW legte Reiff großen Wert auf die Standardisierung in der Niederlassungsorganisation und schaffte es, dass trotz verschärfter Wettbewerbssituation die Reifenroherträge konstant blieben. Speziell bei den Dienstleistungen und besonders im Autoservice wuchs Reiff. Die Nutzfahrzeugreifensparte profitierte ebenfalls von der guten Konjunktur im ersten Halbjahr 2014. Am Standort Reutlingen wurde vergangenes Jahr ein Neuaufbau der hochmodernen Bandag-Reifenrunderneuerungs-Produktion abgeschlossen.

Im Discountbereich konnte Reiff seine Absatzmengen durch zwei Neueröffnungen in Stuttgart und Frankfurt weiter steigern. Der Dienstleistungsbereich entwickelte sich positiv. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt der E-Commerce: Hier wurde der Online-Shop für Endkunden auf die Schweiz und Österreich erweitert. Hervorragende Test-Bewertungen sorgten für steigende Zugriffszahlen.

2014 lag der Schwerpunkt für den Reifenbereich mit seinen vier Marken R.Tec, Reifen und Räder, Hanse-Trading und Reifen Krupp auf der Reorganisation des Großhandels. Das bisherige Zentrallager in Reutlingen konnte erfolgreich am Standort Bautzen integriert und das Reifen- und Räder-Lager von Karlsbad nach Schifferstadt verlagert werden. Durch die Schließung des Reutlinger Lagers bis zum Jahresende ließen sich, so Eberhard Reiff, Kosten von einer Million Euro jährlich einsparen.

Mit einem Umsatzwachstum von 4,2 Prozent auf 140,2 Millionen Euro ist der Geschäftsbereich Technischer Handel stärker als der Markt gewachsen. Geschäftsführer Hubert Reiff sprach von einer "zufrieden stellenden Ertragsentwicklung dank eines konsequenten Kostenmanagements".

Ein zentraler Punkt war in Mark West die Erweiterung des Logistikzentrums, das jetzt 7500 Palettenplätze bereitstellt. Im März dieses Jahres wurde das automatische Kleinteilelager in Betrieb genommen. Zudem führt Reiff in diesem Jahr ein OCR-System zur automatischen Dokumentenerkennung ein. Durchaus positiv hat sich das Auslandsgeschäft entwickelt: In Luxemburg und Belgien ist Reiff-Tochter Roller weiter auf Expansionskurs. Und auch in Shanghai hat Reiff Fuß gefasst. Der Umsatz ist hier im zweistelligen Bereich gewachsen - wenn auch mit einer Million Euro bescheiden. Insgesamt trug das Auslandsgeschäft ein Siebtel zum Umsatz des Technischen Handels bei.

Für den dritten Geschäftsbereich, die Elastomertechnik, war 2014 "ein erfolgreiches Jahr und nach einer schwierigeren Phase ein Jahr mit guten Fortschritten", wie Hubert Reiff sagte. Die R.E.T. steigerte den Umsatz um 17,5 Prozent auf 18,5 Millionen Euro. R.E.T ist mit einigen Projekten in der E-Mobility und im Bereich des autonomen Fahrens engagiert und konnte langjährige Lieferverträge platzieren. Auch im wachsenden E-Bike werden für Bosch Bauteile produziert.

Trotz positiver Entwicklung ist die Geschäftsführung mit dem Ergebnis nicht zufrieden: "Der Turnaround ist geschafft, wenn wir wieder bei einem auskömmlichen Ergebnis sind", sagte Finanzvorstand Dr. Immanuel Kohn und nannte als Richtwert eine Ebitdaquote zwischen drei und vier Prozent - derzeit sind es 2,5 Prozent. Dieses Ziel soll, hofft Eberhard Reiff, noch in diesem Jahr erreicht werden.

Im Mai 2016 läuft auch die Anleihe aus. Noch sei unklar, sagte Kohn, ob es eine neue geben wird. Aber: "Wir sind bemüht, nicht alle Eier in einen Korb zu legen." Soll heißen: Ihre Finanzierung will die Reiff-Gruppe auch weiterhin auf mehrere Säulen stellen.

Reiff-Gruppe in Zahlen

Die Reiff-Gruppe ist ein Unternehmensverbund, der in den Branchen Reifen, Autoservice, Technischer Handel und Elastomerverarbeitung tätig ist. Reiff wurde 1910 gegründet. 2014 beschäftigte die Gruppe in 20 Unternehmen an über 80 Standorten in Europa und China insgesamt 1620 Mitarbeiter, darunter 100 Azubis. In Reutlingen beschäftigt Reiff derzeit rund 750 Mitarbeiter.

Das Reutlinger Familienunternehmen erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von 525,8 (2013: 509) Mio. Euro. Das Ebitda lag 2014 bei 13,7 (Vorjahr: 4,7) Millionen Euro. Nach Steuern erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Gewinn von 400 000 Euro - 2013 waren es 8,7 Millionen Euro Verlust gewesen.

Aufteilung Der Geschäftsbereich Reifen und Autotechnik steuerte 2014 mit 367,4 (Vorjahr: 358,7) Mio. Euro 69,7 Prozent des Umsatzes bei, gefolgt vom Technischen Handel mit 26,6 Prozent, was 140,2 (134,4) Mio. Euro entspricht.

Die Reiff Elastomertechnik erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 18,4 (15,6) Mio. Euro - das entspricht 3,7 Prozent des Gesamtumsatzes.

RAB

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