Reutlingen Zukunftsthema Inklusion

Reut_Kreisbesuch, Dr. Jörg Schmidt.jpg, RN
Reut_Kreisbesuch, Dr. Jörg Schmidt.jpg, RN © Foto: Valerie Eberle
Reutlingen / VALERIE EBERLE 13.05.2016
Einen Tag lang war Regierungspräsident Schmidt gemeinsam mit Landrat Reumann im Kreis unterwegs. Unter anderem in der Geschäftsstelle Inklusion.

Sieben Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Behinderung. 95 Prozent davon haben diese erst im Laufe ihres Lebens erhalten. Landrat Thomas Reumann hatte bei der Vorstellung der Reutlinger Geschäftsstelle für Inklusion mit harten Fakten begonnen.

„Es geht jeden etwas an, und jeder von uns wird irgendwann in Berührung mit dem Thema Behinderung kommen“, sagte Reumann. Seit drei Jahren versucht er gemeinsam mit dem Team der Inklusionsstelle von Susanne Blum, Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebenslagen gleichzustellen. Zwei Mal im Jahr tagen sie unter dem Vorsitz des Landrats in einer öffentlichen Sitzung, um Handlungsempfehlungen für Gemeinden zu erarbeiten. Die Entscheidung ob Angedachtes umgesetzt wird, liegt dann bei den Gemeinden. „Eigenes Geld, um selbst Barrierefreiheit zu schaffen, ist nicht da. Im Moment“, so Blum weiter, „haben wir sieben kreisweite Projekte. Und zwei sehr erfolgreiche Modellgemeinden – Münsingen und St. Johann.“

In einer Sache ist sich Reumann sicher, weder in St. Johann noch in Münsingen gebe es Veranstaltungen, bei denen nicht an Inklusion gedacht wird. So stehe zum Beispiel bei jeder Veranstaltung eine behindertengerechte Toilette bereit. Nach den erfolgreichen Modellprojekten werden nun auch die Gemeinden Lichtenstein und Römerstein in das Vorhaben Inklusion einsteigen.

„Dass, das Projekt Inklusion Zukunft hat und sich bis jetzt bemerkbar entwickelt, ist vor allem dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken“, betonte Reumann. Regierungspräsident Schmidt zeigte sich beeindruckt: „Sie sind mit ihrem Projekt weit vor den anderen Landkreisen. Wenn ein solches Netzwerk im ganzen Land entsteht, wäre das super.“

Zu Beginn des Inklusionsprojektes musste die Kreisverwaltung erst einmal selbst Barrieren abbauen. „Nicht nur bauliche Maßnahmen wurden getroffen, auch unsere Homepage wurde überarbeitet und zu den Kreissitzungen kann jetzt auf Nachfrage ein Dolmetscher hinzugezogen werden“, erläuterte Blum die ersten Schritte.

Das Team von Blum arbeitet eng mit dem Kreisbehindertenbeauftragten Marc-Oliver Klett zusammen. Er steht in direktem Kontakt mit den Betroffenen, zeigt ihnen ihre Rechte und versucht, Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Für den Regierungspräsidenten hat sich der selbst Sehbehinderte Klett etwas Besonderes ausgedacht. Mit einer Simulationsbrille durfte Schmidt selbst Erfahrungen als Sehbehinderter sammeln.

Das neueste Projekt des Inklusionsteams zielt darauf ab, 100 Menschen mit Schwerbehinderung in Beschäftigung zu bringen. „Eine schwere Aufgabe, zahlen die meisten Arbeitgeber lieber die Ausgleichsabgabe, als einen Menschen mit Behinderung einzustellen“, berichtet Blum.

„Es wird einen Paradigmenwechsel geben. Nicht die Menschen müssen sich an Strukturen anpassen, sonder die Strukturen an die Menschen. Und Inklusion haben wir erst dann geschafft, wenn nicht mehr darüber geredet wird“, blickte Reumann in die Zukunft.

Nach der Geschäftsstelle Inklusion besuchten Schmidt und Reumann die Firma DSR in Pfullingen. Unter dem Thema Gesundheit, stellte die Firma ihr Projekt „Betriebliches Gesundheitsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen vor. Weiter ging es dann in die Ermstalklinik nach Bad Urach. Dortiges Thema: Zukunftsfähigkeit der Krankenhäuser.

Am Nachmittag wurde bei der Firma Hugo Boss in Metzingen das Job- und Integrationsprogramm „JIP“, bei welchem Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, in der Praxis vorgestellt. Letzter Stop für den Regierungspräsidenten war Dettingen. In der Brennscheuer Strasser ging es um die Themen Nachhaltigkeit und regionale Produkte.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel