Reutlingen Zu viel Bioabfall im Restmülleimer

Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 05.05.2012
Deutlich mehr Restmüll als vergleichbare Kreise, dafür ebenso viel weniger Bioabfall - diesen Widerspruch präsentierte Thomas Leichtle in seiner letzten Abfall- und Wertstoffbilanz in Diensten des Landkreises.

Thomas Leichtle hat ein letztes Mal genau in die Zahlen des Landkreises geschaut. Der Leiter des Amts für Abfallwirtschaft und Verkehr verlässt im Juni bekanntlich das Landratsamt und wechselt zum Abfallzweckverband Reutlingen/Tübingen. Als Geschäftsführer dort wird er Nachfolger von Thomas Meyer-Knufinke.

Doch zuvor muss noch die Lage auf dem Abfallsektor im Kreis in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Im Prinzip ist die Bilanz des vergangenen Jahres in Ordnung, berichtete Leichtle. Im Entsorgungsgebiet des Kreises ohne die Städte Metzingen, Pfullingen und Reutlingen nahm die Hausmüllmenge geringfügig um ein Prozent ab. Pro Kopf produzierte jeder Einwohner in diesem Gebiet 111 Kilogramm Hausmüll im Jahr, ein Kilo weniger als im Vorjahr.

Bei der absoluten Menge sank das Aufkommen von 14 311 auf 14 165 Tonnen im Jahr 2011. In den Städten Metzingen, Pfullingen und Reutlingen waren dagegen leichte Steigerungen zu verzeichnen: Metzingen plus zwei Prozent (138 Kilogramm pro Einwohner und Jahr), Pfullingen plus 0,8 Prozent (131 Kilogramm/Einwohner/Jahr) und Reutlingen plus zwei Prozent (140 Kilogramm/Einwohner/Jahr).

Damit ergibt sich für den gesamten Landkreis ein Pro-Kopf-Aufkommen im Jahr 2011 von 126 Kilogramm, ein Kilo mehr als 2010. Das absolute Hausmüllaufkommen summierte sich auf 35 427 Tonnen (2010: 35 122). Hier liegt der Kreis im Vergleich mit anderen durchaus im Bereich des Landesdurchschnitts von 124 Kilogramm/Einwohner/Jahr.

Im Entsorgungsgebiet des Kreises sank die Sperrmüllmenge 2011 um acht Prozent auf 1749 Tonnen. Das über die Sperrmüllabfuhr eingesammelte Holz ging um vier Prozent auf 1435 Tonnen zurück.

Auffällig ist der mit 30 Prozent starke Rückgang beim Schrott. Dass hier nurmehr 221 Tonnen eingesammelt wurden, liegt laut Leichtle an den - wegen höherer Rohstoffpreise - verstärkten gewerblichen und Vereins-Sammelaktivitäten.

Um ein Prozent zugenommen hat die Bioabfallmenge auf nun 2863 Tonnen (22Kg/E/a), ähnlich ist der Trend in den Städten. Sprunghaft um 21 Prozent gestiegen ist 2011 hingegen die Grüngutmenge auf 26 530 Tonnen (208 Kg/E/a). Dies ist eindeutig mit besserem Wachstum in den Gärten und intensiverer Pflegearbeit der Gärtner zu erklären. Dabei wird zunehmend weniger Material bei den Häcksel- und Grüngut-Sammlungen abgegeben, vielmehr ziehen es die Gartenfreunde vor, selbst ihr Material auf die Häckselplätze zu fahren - plus 34 Prozent (19 263 Tonnen).

Erst der Vergleich mit anderen, ähnlichen Landkreisen zeigt aber einen Knackpunkt im Entsorgungssystem des Kreises: "Unsere Restmüllmenge liegt erheblich über der anderer Kreise", sagt Leichtle. Im Gegenzug weist das Entsorgungsgebiet des Kreises den absolut niedrigsten Wert bei der Bioabfall-Entsorgung auf. Für Leichtle ist klar: Zu viel Biomüll landet im Restmüll.

Bislang können Eigenkompostierer gegen Nachweis (bei nur gelegentlichen Stichproben) von der Biotonne befreit werden. "Das halbherzige Kompostieren ist das Problem", sagt Leichtle, der weiß, dass "auch der Nachweis Lücken hat".

Am 21. Mai will der Kreistag nun Lösungen suchen, um den Restmüll vom Bioabfall "zu säubern", auch ohne Kontrollblick in die Tonne.