Reutlingen / Carola Eissler  Uhr

Die Kriminalität in der Stadt Reutlingen ist im vergangenen Jahr um 10,2 Prozent gestiegen. Den höchsten Anstieg verzeichnet der jetzt im Finanz- und Wirtschaftsausschuss vorgestellte Kriminalitätslagebericht beim Widerstand gegen Polizeibeamte (131,2 Prozent), bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (67,5 Prozent) sowie bei Sexualdelikten (22,1 Prozent). 116 Sexualdelikte sind im vergangenen Jahr angezeigt worden, davon zwölf Vergewaltigungen, allesamt Beziehungstaten, wie Kriminaldirektor Michael Simmendinger, Revierleiter in Reutlingen, ausführte.

Brennpunkt am ZOB

Bürgerpark und Zentraler Omnibusbahnhof ZOB bleiben Brennpunkte in der Stadt, wie Simmendinger sagte. Im vergangenen Jahr wurden dort 178 Straftaten, vor allem Körperverletzungen und Rauschgiftdelikte, registriert, eine Zunahme um erneut 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CDU-Fraktionschef Rainer Löffler verwies diesbezüglich darauf hin, dass die CDU seit Langem eine Video-Überwachung für ZOB und Bürgerpark fordere. „Bislang hieß es doch immer, dort sei kein Brennpunkt.“ Das könne man jetzt ja wohl nicht mehr behaupten. „Es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen.“ Ein Ansinnen, dem Simmendinger widersprach. Zum einen reiche die Anzahl der Straftaten für eine Überwachung nicht aus, zum anderen sei eine Überwachung nicht unbedingt effektiv. „Wir setzen lieber auf verstärkte Präsenz vor Ort.“

7331 Delikte registrierte die Polizei in Reutlingen im Jahr 2018. Die Aufklärungsquote liegt mit 63,6 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt. Neben den bereits erwähnten Delikten wie eine deutliche Zunahme der  Körperverletzungen bereitet den Polizeibeamten die zunehmende Aggression gegen Polizeikräfte Sorgen. „Es ist noch viel mehr als ­angezeigt wird“, beklagt Simmendinger. „Die Kollegen sind jeden Tag damit konfrontiert.“ Gleichzeitig wisse man auch, dass dieses aggressive Verhalten sich nicht nur gegen die Polizei richte, sondern zunehmend auch gegen Feuerwehrleute und Notärzte, so Simmendinger weiter.

657 Straftaten wurden im vergangenen Jahr von Flüchtlingen begangen, darunter vor allem Körperverletzungen und Diebstähle sowie Rauschgiftdelikte. Im Fokus der Polizei sind derzeit in Reutlingen 24 Personen aus dieser Tätergruppe, die innerhalb von sechs Monaten fünf Mal straffällig wurden. Ziel sei es, gegen diese Personen zeitnahe Sanktionen und aufenthaltsbeendende Maßnahmen durchzusetzen, so Simmendinger.

Dass Kriminalstatistiken mitunter Kuriositäten aufweisen, zeigt sich auch heuer wieder. So zum Beispiel eine 500-prozentige Zunahme der Straftaten im Stadtteil Bronnweiler. Was ist da passiert? Nichts, was die Sicherheit der Bronnweiler Bürger bedroht. Ein Internetbetrüger, der in zahlreichen Fällen im Internet Waren bestellte und diese nicht bezahlte, hat die Statistik nach oben getrieben.

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Drogen: ZOB, Bahnhof, Volkspark und Zelle

Der Rauschgifthandel in der Stadt  bleibt nach wie vor ein großes Problem, auch wenn ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist. Heutzutage müsse man nicht mehr nach Amsterdam fahren, um Rauschgift zu besorgen, sondern könne über das Internet leicht an Drogen, Anabolika oder verschreibungspflichtige Medikamente in großen Mengen kommen, sagte Kriminaldirektor Michael Simmendinger, Revierleiter in Reutlingen, bei der Vorstellung des Kriminalitätslageberichts. Hauptumschlagsplätze in Reutlingen sind das Gelände um das autonome Zentrum Zelle sowie die Bereiche Bahnhof, ZOB, Pomologie und Volkspark. 545 Fälle hat die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt registriert, die Dunkelziffer des tatsächlichen Rauschgifthandels dürfte um ein Vielfaches höher liegen, wie Simmendinger durchblicken ließ. Denn Drogenhandel wird in der Regel nicht angezeigt, wie zum Beispiel Diebstahl. Vielmehr muss die Polizei kontrollieren und durch verstärkte Personaleinsätze an die Händler kommen. Das Rauschgiftdezernat der Kriminalpolizei Esslingen unterhält eine Ermittlungsgruppe am Standort Reutlingen.