Reutlingen Zeitlose Irrungen und Wirrungen der Liebe

Minna (Anne Horn) ist verzweifelt und versteht die Welt nicht mehr: Ihr Major von Tellheim (Jan-Marc Metschar) ist beim Wiedersehen nach langer Zeit schroff und abweisend - wenngleich aus edlen Gründen. Am Ende klärt sich jedoch alles auf.
Minna (Anne Horn) ist verzweifelt und versteht die Welt nicht mehr: Ihr Major von Tellheim (Jan-Marc Metschar) ist beim Wiedersehen nach langer Zeit schroff und abweisend - wenngleich aus edlen Gründen. Am Ende klärt sich jedoch alles auf. © Foto: Jan Zawadil
Reutlingen / JAN ZAWADIL 06.12.2014
Wirrungen in Sachen Liebe sind zeitlos. Die Theatertruppe "Frideridolex" des List-Gymnasiums hat sich des großen Lessing'schen Klassikers "Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück" angenommen.

Die Liebe scheint wie selbstverständlich Irrungen und Wirrungen mit sich zu bringen. Bei Gotthold Ephraim Lessing war das mit der Fertigstellung des Lustspiels "Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück" im Jahr 1767 nach Ende des Siebenjährigen Krieges sicherlich nicht anders.

Weil das Stück trotz seines Alters eine gewisse Zeitlosigkeit versprüht, ist es nicht nur eines der meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen. Das aus der Theatertruppe "Frideridolus" des Friedrich-List-Gymnasiums hervorgegangene Ensemble "Frideridolex" mit aktuellen und ehemaligen Schülern brachte am Donnerstagabend nun ebenfalls das zu den wichtigsten deutschsprachigen Komödien zählende Lustspiel auf die Bühne des Tonne-Theaters im Spitalhof.

In der Inszenierung, die den Originaltext zugrundelegt, sind es die Darsteller, die in ihren Rollen brillierten. Unter den Mitwirkenden waren es vor allem Anne Horn als gefühlvolle und doch kämpfende Minna sowie Jan-Marc Metschar als fast schon übertrieben edler Major von Tellheim, die überzeugten und mit Stimmgewalt und Mimik begeisterten. Doch auch Fine Heuser als redseliger, aufgeweckter Kammerjungfer Franziska, Daniel Bauder als brummeligem und durchweg lautem Majorsdiener Just sowie Christoph Horn als eifrigem, geschäftstüchtigem Wirt schien das Stück wie auf den Leib geschrieben zu sein. Sie ließen keine Zweifel aufkommen, dass das Stück genau die richtig Wahl war.

Doch was hatte Lessing in seinem rund 250 Jahre alten Lustspiel überhaupt geschehen lassen? Major von Tellheim war seiner Minna im Siebenjährigen Krieg mehr oder minder verlorengegangen. Weil er aber unehrenhaft entlassen worden war, fühlte er sich nun nicht mehr gut genug für eine Hochzeit mit dem Fräulein aus wohlhabendem Hause. Ergo fiel die erste Begegnung nach dem überstandenen Krieg und Wiederfinden in einem Berliner Gasthaus von Seiten des stolzen Majors kühl und abweisend aus, so dass Minna an der vermeintlich großen Liebe zweifeln musste. Weil aber die Bediensteten auf manchem Umweg trotzdem noch einige Missverständnisse aufklären konnten, siegte die Liebe über manch falsch verstandenes Ehrgefühl, was zum glücklichen Ende führte.

Nachdem die Premiere am Donnerstag unterhaltsam und kurzweilig war, sollte es nicht bei einer Aufführung bleiben. Der Premiere sowie dem Spiel gestern Abend folgt heute die dritte und letzte Aufführung der Minna von Barnhelm mit den Darstellern von "Frideridolex". Beginn ist erneut um 20 Uhr im Tonne-Theater im Spitalhof.

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