Das Phänomen des sich Berauschens gebe es seit der Steinzeit: Darüber waren sich die Podiumsteilnehmer des ESB Business School auf dem Reutlinger Campus einig. Nur: Wie soll man mit Cannabis umgehen? Sollen die Konsumenten in Deutschland weiterhin dafür bestraft werden. Oder sei es nicht besser und sinnvoller – wie in zahlreichen anderen Ländern auch – diese Droge zu legalisieren, sodass den illegalen Händler die „Geschäftsgrundlage“ entzogen wird?

In einer Sache waren sich alle in der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde einig: „Wir sollten hier die polemische Spreu vom sachlichen Weizen trennen“, wie es der ESB-Dekan Prof. Andreas Taschner eingangs formuliert hatte. Bereits vor acht Monaten hatten die Studierenden der ESB damit begonnen, diese Veranstaltung zu organisieren. Das machen die Studierenden selbst, und das schon seit 20 Jahren.

„Geld, Gesundheit, Gewissen“ lautete das Thema. Bei dem Treffen in der Aula trafen dann so unterschiedliche Leute aufeinander wie der Chef des Deutschen Hanfverbandes, Georg Wurth, oder der Strafrichter Dr. Helmut Wlasak aus Graz. Moderiert von Dr. Andrea Despot war in der Debatte eine klare Linie auszumachen: Konsumenten von Cannabis sollten nicht mehr durch das Strafrecht sanktioniert werden.

In vielen Ländern ist das bereits so, in Colorado (USA) ebenso wie in Österreich oder der Schweiz; während in manchen Staaten Südostasiens der Besitz von mehr als einem Pfund der Droge mit dem Tode bestraft wird. Rechtsanwalt Jürgen Scholz indes sagt mit Blick auf Deutschland: „Das Verbot verstößt gegen das Grundgesetz“. Das spricht in Artikel 2 schließlich von der Freizügigkeit, von der freien Entfaltung des Menschen. Schließlich würden durch den Konsum andere Leute nicht geschädigt, so Scholz, der dafür sogleich Applaus erhielt.

Keine Frage: „Legale Drogen“ wie Alkohol oder Tabak unterliegen dem Strafrecht nicht, es sei denn, man fährt betrunken Auto. Cannabis indes schädigt nachweislich das Gehirn junger Menschen – bis mindestens zum 21. Lebensjahr. Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel von der europäischen Drogenbeobachtungsstelle führte zudem ins Feld, dass viele Konsumenten wegen ihrer Psychosen Drogen nehmen – oder sich diese dadurch erst entwickelten.

Die Apotheken, die seit kurzem Kranken Cannabis abgeben dürfen, seien allerdings aus anderen Gründen gegen die Legalisierung: Es würde ihre hohen (Monopol)-Preise kaputt machen, mutmaßt Pfeiffer. Wer den Drogenmissbrauch bekämpfen will, solle den Cannabis-Konsum erlauben. „Dann wären diese Drogen auch nicht mehr interessant für die organisierte Kriminalität“, sagt der Düsseldorfer Ökonom Prof. Justus Haucamp. Überdies würde ein freier Markt für eine höhere Qualität des Stoffs sorgen. „Und die Polizei könnte sich dann um wirklich wichtige Dinge kümmern“, so Haucamp.

Überzeugt ist davon der langjähige Strafrichter Wlasek nicht. Mit der Straffreiheit hat er kein Problem, wie überhaupt seine „Mickymaus-Republik Österreich“ den Konsumenten nicht nachstelle. Aber es gebe Suchtprobleme, die zu Straftaten führten. Und er hätte weniger Probleme, sagt Wlasak, wenn er sicher sein könnte, „dass nur noch verantwortungsbewusste Menschen Cannabis konsumieren“, so wie beispielsweise das studentische Publikum im Saale, sagte der Grazer Jurist – und schmunzelte.