Polizei Zeit der Enge bald vorbei

Der Neubau des Polizeipräsidiums Reutlingen, im Rechteck zwischen Kaiserstraße, Bismarckstraße und Urbanstraße, kann im April bezogen werden, die offizielle Einweihung ist im Juni geplant.
Der Neubau des Polizeipräsidiums Reutlingen, im Rechteck zwischen Kaiserstraße, Bismarckstraße und Urbanstraße, kann im April bezogen werden, die offizielle Einweihung ist im Juni geplant. © Foto: Eissler
Carola Eissler 03.01.2018

Die Zeiten der Enge dürften für die Polizei in Reutlingen bald vorbei sein. Im Frühjahr soll das neue Präsidium zwischen Bismarckstraße und Kaiserstraße, im hinteren Teil des jetzigen Präsidiums eingeweiht werden. „Wir liegen in den letzten Zügen“, sagt Waldemar Ripberger, Abteilungsleiter Gebäudemanagement beim Bauherrn Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Tübingen. Eigentlich war die Fertigstellung für Ende 2017 anvisiert, doch beim Bau gab es Verzögerungen, was an den öffentlichen Ausschreibungen lag. Einige Gewerke konnten nicht aufs erste Mal vergeben werden und mussten erneut ausgeschrieben werden, beklagt Ripberger. „Im Baubereich haben wir eben im Moment einen total überhitzten Markt. Das schlug voll auf uns durch.“

Im April soll der Neubau nun fertig sein und in Betrieb gehen, die offizielle Übergabe ist allerdings erst für Juni geplant. Dann kann auch die Polizeiverwaltung, die derzeit noch in Tübingen logiert, in den Altbau nachrücken, die Wege werden für die Polizeibeamten und die Angestellten kürzer. Vor allem dürfte dann die Zeit der Provisorien endgültig der Vergangenheit angehören.

In dem Erweiterungsbau wird auch das neue Führungs- und Lagezentrum des Reutlinger Polizeipräsidiums eingerichtet. Rund elf Millionen Euro kostet der Neubau. Zwei Jahre ist es her, dass die Baufreigabe erteilt wurde, im Dezember 2016 hatte man Richtfest gefeiert.

50 Meter lang ist der Neubau, der sich in das Rechteck zwischen Kaiserstraße, Bismarckstraße und Urbanstraße schmiegt. Der Haupt­eingang soll in Zukunft an der Bismarckstraße liegen. Die Nutzfläche beträgt knapp 1800 Quadratmeter, drei Geschosse und ein Dachgeschoss sollen reichlich Raum bieten, um die Polizeistrukturreform von 2014 im Land auch räumlich umzusetzen. Insgesamt werden 70 Arbeitsplätze für die Leitung des Präsidiums, die Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit, Teile des Führungs- und Einsatzstabes einschließlich Führungs- und Lagezentrum und die Leitung der Direktion Polizeireviere geschaffen. Das zweite Stockwerk wird nahezu komplett für das neue Führungs- und Lagezentrum genutzt. Von dieser Stelle aus werden in Zukunft die Einsätze im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Esslingen koordiniert und die Reviere angeleitet. Eine technisch hoch komplexe Einrichtung wird dort eingebaut, die vor der Inbetriebnahme noch umfangreich getestet werden muss. „In der Technik stecken die Fehler im Detail“, weiß Ripberger aus Erfahrung. Sozusagen das Herzstück des Neubaus wird dieses Führungs- und Lagezentrum, von dem aus immerhin zwischen 500 und 600 Einsätze täglich koordiniert werden. In Zukunft könnten es noch mehr werden, betrachtet man die steigenden Fallzahlen im Land und im Bundesgebiet.

Für die Architektur des neuen Gebäudes gab es bereits beim Richtfest viel Lob. Es passe sich an die in der Oststadt vorherrschende Villen-Architektur an, so die Meinung der Planer und Bauherren.

Seit der Polizeistrukturreform in Baden-Württemberg im Jahr 2014 ist das Polizeipräsidium Reutlingen für drei Landkreise zuständig. Mit der Umsetzung der Reform ist die Polizei des Landes mit einer neuen Aufbauorganisation gestartet. Die Führungs- und Lagezentren wurden und werden in diesem Zuge ausgebaut oder erneuert. Für die Planung und Umsetzung werden eigenständige Projektgruppen eingerichtet.

Polizeipräsidium Reutlingen für drei Landkreise zuständig

Reutlingen ist einer von zwölf Standorten für regionale Polizeipräsidien im Land. Das Polizeipräsidium Reutlingen sorgt für Sicherheit und Ordnung in den drei Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen. Neben elf großen Kreisstädten sowie 85 Städten und Gemeinden mit über einer Million Einwohnern zählen auch der Landesflughafen und die Landesmesse Stuttgart zum Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums. Der Präsident mit seinem Stab zeichnet verantwortlich für die Koordination und Leitung der Sicherheitsarbeit der Direktion Polizeireviere, der Kriminalpolizeidirektion und der Verkehrspolizeidirektion.

Mit über 2100 Mitarbeitern gehört das Polizeipräsidium zu den fünf größten und personalstärksten Präsidien des Landes. Insgesamt wurden im Jahr 2016 über 48 000 Straftaten und rund 30 000 Verkehrsunfälle (die Bilanz 2017 liegt erst im Frühjahr vor) von den Beschäftigten an den verschiedenen Standorten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums bearbeitet.