Reutlingen / Carola Eissler

Die evangelische Landeskirche in Württemberg hat zusammen mit weiteren zehn Landeskirchen und drei katholischen Bistümern zum „Klimafasten“ in der Passionszeit aufgerufen. Es gelte, das „eigene Handeln im Alltag zu überdenken“ heißt es in einer Einführung. Das ist ja grundsätzlich nicht abzulehnen. Nur fragt man sich schon, ob denn den Kirchen angesichts der weiter zunehmenden Verfolgung der Christen in der Welt nichts Drängenderes einfällt. Im Nahen Osten sind in den vergangenen Jahren fast sämtliche christliche Kulturgüter vernichtet worden, ganze christliche Dörfer wurden zerstört und Mitglieder der ältesten christlichen Kirchen wurden ermordet, versklavt oder vertrieben. Wo bleibt der Aufschrei angesichts dieses Genozids. Gerade die Fastenzeit gäbe doch Gelegenheit, an das Schicksal der orientalischen Christen (und der asiatischen und afrikanischen Christen) zu erinnern. Stattdessen herrscht Schweigen. Vielleicht auch deshalb, weil es einfacher, ungefährlicher, bequemer ist, sich dem derzeit allgegenwärtigen Klima-Hype anzuschließen. Dabei gebietet doch die Bibel, die Kirche und die Gläubigen mögen Salz der Erde sein. Und der Evangelist Matthäus gibt zu bedenken: „Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten werde.“ Mit dem „Klimafasten“ mögen die Kirchen die Herrschenden beeindrucken, aber ob das auch für ihre Mitglieder gilt? Da braucht man sich dann auch nicht mehr zu wundern, dass die Kirchen Jahr für Jahr einen wahren Aderlass an Mitgliedern zu beklagen haben. Allein der evangelische Kirchenbezirk Reutlingen hat in den vergangenen zehn Jahren fast 14 Prozent seiner Mitglieder verloren. Wer, um alles in der Welt, will von Kirchen dasselbe hören, was bereits von einem schwedischen Teenie propagiert wird. Vielleicht sollten sich die Kirchenoberen ja wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Den Menschen das Evangelium sowie Hoffnung und Glaube zu bringen. Falls die Kirchenleitungen so gar keine Idee mehr haben, womit man sich in der Fastenzeit beschäftigen könnte, vielleicht ein Buchtipp von der Kirchenbasis: „Die 21“ von Martin Mosebach, eine „Reise ins Land der koptischen Märtyrer“. Der Autor besuchte in Ägypten die Familien der 21 koptischen Männer, die von IS-Terroristen an einem Strand in Libyen ermordet worden waren.