Woher kommt der Name?

Fantasiedarstellung der Ritterburg Achalm - Zeichnung von Katrin Henning, Michael H. Gross, Eningen.
Fantasiedarstellung der Ritterburg Achalm - Zeichnung von Katrin Henning, Michael H. Gross, Eningen.
SWP 13.08.2013

Zu den Mythen und Sagen, die es zur Achalm gibt, gehört auch das Rätsel um die Namensherleitung. Dazu gibt es verschiedene Deutungen.

Eine wenig prosaische Erklärung besagt, dass es zur Zeit der alemannischen Landnahme im fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus neben dem Stammesfürsten Rutilo (=Rudolf), dem Rutelingin, das heißt Reutlingen seinen Namen verdankt, einen weiteren Stammesfürsten namens Archo gegeben haben soll, auf den der Name des Berges zurückzuführen sei.

Andere Interpretationen gehen von einer Belagerung der Burg aus, bei der es den Angreifern gelang, die Burg einzunehmen und den Burggrafen mit einem Lanzenstich tödlich zu verletzen. Im Bewusstsein des nahen Todes habe dieser noch sagen wollen: "Ach Helm, ich muss dich verlassen!" oder "Ach, alles muss ich zurücklassen!", andere sagen, er habe noch Gott anrufen und "Ach, Allmächtiger!" ausrufen wollen. Bei seinem letzten Stoßseufzer habe er aber nur noch die ersten beiden Silben herausgebracht und daraus sei dann der Name "Achalm" entstanden.

Wenn man bedenkt, dass sich das Grafengeschlecht, das die Burg errichtete, den Namen des Berges zulegte, dann wird klar, dass der Name des Berges älter ist als der Bau der Festung und dann ist die Theorie des Pfarrers und Schriftstellers Gustav Schwab (1792 bis 1850) - der dies in einem Gedicht festgehalten hat - von der Herleitung des Namens nicht haltbar. Eine andere Herleitung des Namens erscheint uns erheblich plausibler. Lange bevor die Al(a)emannen unsere Gegend erobert und besiedelt haben, dürften die Römer, vielleicht sogar die Kelten, die Achalm wegen ihrer herausragenden Lage als Kultstätte benutzt oder zumindest als den markantesten Berg der näheren und weiteren Umgebung geschätzt und benannt haben.

Es erscheint naheliegend, den Namen aus dem Lateinischen abzuleiten. Betrachtet man die topografische Form der Achalm, so wird man unwillkürlich an den geschwungenen Verlauf der menschlichen Schulter und dem sich anschließenden Kopf erinnert. Der äußere Teil der Schulter heißt im Lateinische "Axilla"; daraus ist das deutsche Wort "Achsel" entstanden und im Schwäbischen bezeichnet man die Schulter als "Achsel"; man denkt auch an die "Achselklappen" bei Uniformen.

Der Chronist Martin Crusius spricht 1587 von der "Achel" und in der von Braun und Hogenberg aus dem 16. Jahrhundert stammenden Stadtansicht von Reutlingen wird der Berg als "Agel" bezeichnet. Diese Belege können als Indiz für die Entstehung des Namens "Achalm" angesehen werden.

Auf eine ähnlich pragmatische Weise lässt sich auch der Name "Scheibengipfel" ableiten. Dazu bemerkt die Oberamtsbeschreibung von 1893: Der Name lässt sich "nicht etwa, wie man schon gefabelt hat, von einem Scheibenschießen herleiten, das auf diese Höhe stattgefunden hätte, sondern wie der Name des Scheibenberges und des Scheibenwasens beim Roßberg von der uralten Sitte des Funken- und Scheibenschlagens, das zu Ehren Donars oder des Sonnengottes geübt wurde, und das heute noch in manchen, besonders katholischen Gegenden am ersten Fastensonntag und auch am ersten, so genannten Weißen Sonntag nach Ostern geübt wird. Es war das heidnische Frühlingsfest, das die Kirche durch das Osterfest verdrängte, und es steht im Zusammenhang mit dem Johannisfeuer (24. Juni) der Sommersonnenwende, bei welchem man brennende Strohräder, Bilder der am Himmel hinabrollenden Sonne, vom Berge laufen ließ".

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