Sonne, draußen, und dazu Musik. Es ist jetzt wieder Festival-Zeit. Auch hier in der Region Neckar-Alb. Wir haben uns umgehört und gefragt: Wo spielt die Musik?

Fangen wir mit einem Festival an, das nicht nur Musikfreunde anspricht: Kultur vom Rande. „Hast du Töne?“ So heißt das Motto dieses Treffens, das alle drei Jahre in Reutlingen und nur in Reutlingen stattfindet – für Menschen mit und ohne Handicap. Kultur vom Rande bietet von 24. Juni bis 2. Juli wieder Gastspiele international renommierter, inklusiver Ensembles mit Straßentheater, Musik und Aktionen. Wo? Auf dem Festivalgelände, im Bürgerpark, in der City und im franz.K. 16 Gruppen aus Europa, USA und Kanada werden auftreten – ein echtes Ereignis. Neben Workshops und Hip-Hop-Jam steigt am 2. Juli wieder ein Marktplatz-Finale. Thema: „Das große Singen“. Da werden dann Hunderte Menschen unter Leitung von Patrick Bopp (Füenf) und Susanna Valvanne (USA) ihre Stimme erheben – zu einem großen, vielstimmigen Evergreen-Singen, auf dass der Marktplatz wackelt.

Wenig später steigt dann in Reutlingen von 13. bis 15. Juli open air im Bürgerpark an der Stadthalle wieder das KuRT-Festival mit Hip-Hop, Rap und Independent. Dieses Umsonst & Draußen-Happening, das im vorigen Jahr einen neuen Rekord von 16 000 Besuchern aufstellte, gibt es seit zehn Jahren. Das Line-up steht inzwischen fest. Zu den Hauptacts zählen der Rapper Eko Fresh („König von Deutschland“), die mexikanische Rockformation Panteón Rococó, die Rave-Punk-Band Egotronic und der polnischstämmige Rapper Bartek, der sich als – nun solo – „Erdbeere im Orsons-Obstsalat“ bezeichnet. Daneben bringt die Combo Neweva  schwedischen Poprock mit, und die Wahl-Münchner  Band Blackout Problems ordnet sich im weiten Feld zwischen britischem Trancecore à la Enter Shikari und Bruce Springsteen ein.

Eigensinnige Weltmusik

Derweil wird zeitgleich die Heavy-Metal-Fraktion wieder zum jährlichen Balinger Bang-Your-Head-Festival pilgern, das vom 13. bis 15. Juli auf dem Messegelände stattfindet. Die Band-Liste dürfte die Fans schon jetzt in Ekstase versetzen: Angesagt sind Vince Neil (die Stimme von Mötley Crüe), die Schweden Hammerfall, die britischen Acts Saxon und Venom, die Norweger Satyricon und viele andere mehr. Das Balinger Marktplatz-Open-Air allerdings, was zu Größen wie Jethro Tull oder Sportfreunde Stiller meist Ende Juli oft bis zu 5000 Leute zog, muss dieses Jahr ausfallen – Grund sind Bauarbeiten.

Etwas später, von 21. bis 23. Juli, ebenfalls unter freiem Himmel, geht das Festival „inter:Komm!“ am Reutlinger Kulturzentrum franz.K über die Bühne, ein Musik-Treffen, das sich als „herkunfts-, generations- und orientierungsübergreifend“ versteht und eigensinnige Weltmusik präsentieren will. Im Mittelpunkt stehen am Freitag Foltin (Emigrant-Cabaret aus Mazedonien), Gypsy Sound System Orchestra (die Schweizer Antwort auf Balkan Beat Box) und Limanja (Oriental Fusion), am Samstag Tamikrest (Tuareg-Blues-Rock aus Mali), Karikatura (Mestizo-Soul aus New York City) und Kommando Feire fiz (Bunt-Core). Für alle, die es immer noch wissen: Das franz.K hat sich zu einem überregional attraktiven World-Music-Zentrum entwickelt, zieht jährlich 50 000 Besucher an und ist für seine Musikprogramme auch schon preisgekrönt worden.

Irgendwas gegen die Stille

Parallel dazu steigen in der Nachbarstadt Tübingen zwei große Pop-Acts, Die Fantastischen Vier treten am 21. Juli open air beim Sparkassen Carré auf. Zur Erinnerung: 2015 trat dort die Folkrock-Legende Bob Dylan auf, was für 8000 Leute trotz strömenden Regens zu einem unvergesslichen Ereignis wurde. Jetzt also, 2017, kommen Fanta 4. Smudo, Thomas D, Michi sowie And.Y werden unter anderem ihr Album „Vier und Jetzt!“ vorstellen. Tags darauf, am 22. Juli, ist dort der italienische Soulrocker Zucchero unter freiem Himmel zu erleben. Der Ausnahmesänger, der sich mit Hits wie „Senza Una Donna“ ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat, gibt mit seiner Band nur elf Konzerte in Deutschland, eins davon in Tübingen.

Am 23. Juli wiederum kommt ein schwer angesagter Newcomer ins Reutlinger Kreuzeiche-Stadion: Wincent Weiss. Der 24-jährige Pop-Poet aus Eutin hat sich mit Titeln wie „Regenbogen“, „Musik sein“, „Feuerwerk“ und „Irgendwas gegen die Stille“ in die Herzen vieler Fans gesungen.

Hochkarätig besetzt ist das Rottenburger Sommer Open Air 2017, das sich jetzt „Rock.Pop am ZOB“ nennt und vier Konzerte umfasst. Für Hardcore-Rock bewährter Machart stehen Status Quo am 31. August. Die Söhne Mannheims um den nach wie vor umstrittenen Superstar Xavier Naidoo kommen am 1. September und stehen eher für modernen Soul-Pop. Cypress Hill am 2. September machen Latino-Hip-Hop. Und das große Finale in Rottenburg bestreitet Nena am 3. September, die sich von der Hagener NDW-Göre („99 Luftballons“) längst zur anerkannten Pop-Diva entwickelt hat.