Betzingen Wo der Wein perfekt zur Suppe passt

Olaf Schopf, Chefkoch des Restaurants Karlshöhe, kochte zusammen mit Azubi Mico Magarewitsch ein Süppchen.
Olaf Schopf, Chefkoch des Restaurants Karlshöhe, kochte zusammen mit Azubi Mico Magarewitsch ein Süppchen. © Foto: Norbert Leister
Von Norbert Leister 09.10.2018

Von Apfelmus über Apfelgsälz, Apfelwaffeln, Apfelkuchen bis hin zu Apfelkrapfen und sogar Apfelschmuck sowie Zieräpfeln wurde nahezu alles zu dem Thema beim mittlerweile siebten Betzinger Apfelfest präsentiert. Die Einkaufsstraße in Reutlingens größtem Stadtteil wurde dabei zur Flanier- und Erlebnismeile, auf der insgesamt 40 Stände mit allerlei Besonderheiten lockten und zum Gucken, Kosten und Kaufen einluden.

„Das sind zwar etwas weniger Aussteller als beim sechsten Apfelfest vor zwei Jahren, aber auch dieses Mal sind wieder viele neue Sachen dabei, offensichtlich ist der Apfel eine fast unerschöpfliche Geschichte“, sagte Gewerbevereinsvorsitzender Georg Nestel am Samstag und ließ seinen Blick über die Menschenmassen in der Steinachstraße schweifen. „Und das Wetter heute ist der Hammer“, sagte Nestel.

Natürlich hatten die Läden länger geöffnet als sonst. Und natürlich war der Andrang groß – auch wenn der Umsatz geringer sei als an anderen Samstagen, wie Georg Nestel betonte. „Aber das macht nichts, das Apfelfest ist eine super Marketingmaßnahme, weil heute viele Auswärtige kommen, sich mal umschauen, die meisten nichts kaufen, sie aber irgendwann wieder auftauchen.“ Am Samstag war ab 11 Uhr „richtig Attacke“, sagte der Vereinsvorsitzende zum Andrang in der Flaniermeile.

Aber es war ja auch einiges geboten – und das nicht nur an den Ständen: Eine Tombola lockte mit drei Hauptpreisen, es waren jeweils 1000-Euro-Einkaufsgutscheine. „Dazu gibt es noch 500 Sachpreise von den Betzinger Gewerbetreibenden“, so Nestel. Zum zweiten Mal nach 2016 wurden am Samstag auch Versteigerungen von zehn Betzinger Einkaufstaschen durchgeführt – da fanden sich in jeder Tasche Waren der Läden drin, im Wert zwischen 40 und 60 Euro. „Der Erlös geht ans Jugendhaus Style“, sagte Georg Nestel.

Neben den zahlreichen Köstlichkeiten, die an den Ständen angeboten wurden, mit und ohne Apfel, gab es zudem einiges fürs Auge: Ropeskipper zeigten ihre außerordentlichen Fähigkeiten, eine Kindertanzgruppe tanzte „die Apfelfee“ und Pfarrer Christoph Zügel berichtete über das Asylcafé. Und weil Kochsendungen im Fernsehen wahre Quotenbringer sind, wurde am Samstag auf der Bühne in der Mitte der Steinachstraße ebenfalls eine Koch-Show präsentiert: Olaf Schopf zeigte als Chefkoch des Restaurants Karlshöhe den Zuschauern vor der Bühne zusammen mit Koch-Azubi Mico Magarewitsch, wie man eine leckere Kürbis-Apfel-Suppe herstellt. Ute Schall vom gleichnamigen Weinhaus empfahl den dazu passenden Weißwein. Und der Clou war natürlich: Die Gäste vor der Bühne konnten sogar probieren – das gibt’s in keiner Koch-Show im Fernsehen. Die Moderation beim Apfelfest hatte Patrick Blum übernommen – „ich mach das schon seit 30 Jahren“, verriet er am Samstag auf der Bühne zwischen Suppe und Wein. Ratschläge konnten sich die Besucher bei der Baumschule Schlotterbeck holen: Dort wiesen Martin Großmann und Ludwig Schmidt darauf hin, dass zum einen die alten Apfelsorten wieder größere Bedeutung gewinnen. „Weil viele Leute bewusster regional einkaufen und gucken, wo die Produkte herkommen“, betonte Großmann.

Schmidt wies indes auf die Bedeutung der Insekten für die Früchte hin: „Ich will hier nicht auf die Bäume klettern müssen und die Blüten von Hand bestäuben, wie das in China schon passiert.“ Deshalb empfehle er insektenfreundlichen Anbau im Garten – und natürlich auch auf den Feldern. „Dabei widersprechen sich Biogasanlagen und Insekten massiv“, so Schmidt. Denn: „Der dafür angebaute Mais interessiert die Bienen und anderen Insekten kein bisschen.“

Stattdessen rät er etwa zum Anbau der durchwachsenen  Sylphie, einem blühenden Gras, das Insekten anlockt und auch in der Biogasanlage gute Werte erziele. Ansonsten werde es irgendwann keine Bestäuber von Blüten mehr geben. Und damit auch keine Äpfel mehr.

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