Reutlingen Wo der Pfaffe Wasser speit

Von Evelyn Rupprecht 25.08.2018

Das Dasein des Pfaffen ist ein einziges Auf und Ab. Kaum kommt ein Kind vorbei, zerrt es auch schon an ihm herum, setzt seinen Schwengel in Bewegung und erwartet von ihm, dass er in satten Fontänen Wasser ausspeit. Und nicht nur der Reutlinger Nachwuchs ist es, der sich an ihm zu schaffen macht. In dieser Woche waren es überdies noch zwei städtische Mitarbeiter, die einen ganzen Tross Journalisten zu ihm lockten, um zu zeigen, wie kreativ und chillig die Spielräume für die Kleinen und Kleinsten in der Innenstadt gestaltet sind. Arno Valin, seines Zeichens Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, und Andrea Sliwka, Fachgebietsleiterin Grünflächenplanung, setzten den Pfaffen mit vollem Körpereinsatz in Szene. Das Wasserspiel-Element, das der Kunstschmid Paul Zimmermann 1996 erschaffen hat und das die Technischen Betriebsdienste gerade erst restauriert haben, ist der Star des Kinderspielplatzes Pfäfflinshofstraße, der etwas in die Jahre gekommen war und der deshalb für 80 000 Euro auf Vordermann gebracht worden ist.

Der Spielplatz mit seinen Dreh- und Balanciermöglichkeiten, mit den Sitzbänken und Holzpodesten soll, so das Ansinnen der Stadt,  ein Paradebeispiel dafür sein, wie verschiedene Generationen und Nationalitäten miteinander „in Kommunikation“ kommen können, wie Spiel- und Aufenthaltsgelegenheiten in Reutlingens Zentrum so eingestreut werden, dass sie praktisch „en passant“ (Sliwka) genutzt werden können und sich „wie eine Perlenschnur“ (Valin) durch das dicht bewohnte Areal ziehen, in dem es wuselt vor Menschen – und in dem die Kinder trotzdem ihre Freiräume finden sollen. Und das vielleicht am Besten auch noch so, dass die Eltern gleich daneben im Café sitzen können. So wie am Nikolaiplatz, wo direkt an der Kirche eine Kletterwand und ein Sandspielelement für Abwechslung im Kinderleben sorgen sollen. Beide Angebote sind zwar derzeit hinter einem Bauzaun verschwunden, werden aber, seit sie vor vier Jahren ihrer Bestimmung übergeben worden sind, normalerweise emsig genutzt vom Reutlinger Nachwuchs.

Die Spielflächen an der Pfäfflinshofstraße und am Nikolaiplatz sind indes nur zwei von bis zu 36 Bausteinen des Spielraumkonzeptes, das die Stadt im Jahr 2013 zusammen mit dem Frankfurter Büro Schelhorn erarbeitet hat. Ein Sechstel dieser Bausteine ist bereits manifestiert in der Innenstadt: Denn auch die Grünfläche am Tübinger Tor mit dem  Hantschke-Brunnen und den Trampolinen, der Spielplatz Nürtingerhofstraße, der Weibermarkt mit seinem Wasserlauf und den Attraktionen vor dem Naturkundemuseum, der Parkour und auch die Skateanlage im Bürgerpark  gehören zu dem Konzept, das Schritt für Schritt realisiert wird und „in das auch Orte wie der Marktplatz, die Oberamtei- und die Kanzleistraße noch integriert werden“, wie Arno Valin erklärt.

Vieles ist noch in der Planungsphase, wird aber nicht ohne die Beteiligung der Kinder umgesetzt werden, die „mittendrin dabei sein sollen“, so Andrea Sliwka, die bei der Gestaltung vor allem auf die informellen Bereiche setzt.

Nicht nur in abgegrenzten Arealen sollen die Jungen und Mädchen aktiv werden können. „Denn auf Spielplätzen ist das ja manchmal ein bisschen wie im Zoo“, hat die Fachgebietsleiterin schon erkannt, die weiß, dass Kindern oft ganz einfache Angebote reichen. So wie der Wasserlauf am Weibermarkt: „Da legen die Kinder Steine rein und sehen, dass das zu Turbulenzen führt“.

Wie viele der 36 Bausteine in welcher Geschwindigkeit umgesetzt werden können, steht zwar noch nicht fest, als Erfolg verbuchen die Planer die ersten Schritte aber durchaus. Was sich am bestens frequentierten Spielplatz Nürtingerhofstraße zeigt, in dessen Umbau die Stadt vor wenigen Jahren 320 000 Euro gesteckt hat, aber auch daran, so Slikwa, „wenn die Kinder am Tübinger Tor auf dem Schulweg vorbeikommen und einfach ihre Ranzen mal ablegen, um sich am Brunnen gegenseitig nasszuspritzen und dann aufs Trampolin zu springen“.

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