Die Produktion in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in den Regionen Neckar-Alb und Nordschwarzwald ist immer noch weit entfernt vom Niveau vor der Corona-Krise und dem vorangegangenen Abschwung des Jahres 2019. Nach einer aktuellen Umfrage des Arbeitgeberbands Südwestmetall rechnet die Mehrzahl der Firmen nicht vor 2022 mit einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung.
Zudem stecken viele Unternehmen in einem tiefgreifenden, kostenintensiven Wandel – oder stehen unmittelbar davor. „Deshalb müssen wir jetzt alles einsetzen, um unsere Betriebe wieder auf die Beine zu bringen, sie wettbewerbsfähiger machen, damit der Wandel gelingt und Arbeitsplätze erhalten werden“, sagte der Vorsitzende der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen, Martin Holder, am Donnerstag dieser Woche anlässlich eines Pressegesprächs in Reutlingen: „Das klappt nur, wenn wir ihnen in der laufenden Tarifrunde keine weiteren Kosten zumuten, ihnen Luft für die notwendigen Investitionen lassen.“
Nach Jahren des Wachstums ging es in der Metall- und Elektro-Industrie bereits 2019 bergab. Die Corona-Pandemie bescherte der Branche dann einen Absturz von historischem Ausmaß. Bundesweit hat die M+E-Industrie gegenüber 2018 fast ein Fünftel der Produktion verloren.  Die Automobilindustrie etwa produzierte so wenige Fahrzeuge wie seit 45 Jahren nicht mehr. „Seit Mitte des Jahres geht es zwar für viele Firmen wieder aufwärts. Aber die ordentlichen Ergebnisse sind meist nicht nachhaltig, sondern die Folge harter Sparmaßnahmen“, sagte Holder.
Nun kämen aufgrund des Infektionsgeschehens und der aktuellen Lockdown-Maßnahmen neue Unsicherheiten hinzu: „Wir müssten in diesem Jahr um rund 20 Prozent wachsen, nur, um wieder an das Vorkrisenniveau von 2018 anzuknüpfen. Das ist nicht zu schaffen.“

Kein Spielraum für höhere Löhne

Dabei sei der mühsame Aufstieg aus dem Rezessions- und Corona-Tal nicht die einzige Herausforderung für die M+E-Unternehmen. „Viele Firmen erwarten enorme Umwälzungen im Zuge der Transformation. Manche stecken mittendrin, etwa in der Digitalisierung. Anderen steht der größte Berg noch bevor, zum Beispiel beim Umstieg auf klimaneutrale Produkte und Prozesse wie die Elektromobilität“, sagte Holder. Der Tarifabschluss müsse daher beitragen, all diese Herausforderungen zu meistern: kurzfristig, um den Corona-Einbruch wieder aufzuholen, mittelfristig, um wieder an das Wachstum vor der Krise anzuknüpfen, langfristig, um die Transformation zu bewältigen: „Solange wir aber dem Rückstand hinterherlaufen, sehen wir keinen Spielraum für Lohnerhöhungen und Kostensteigerungen für die Betriebe.“
Laut der aktuellen Verbandsumfrage ist in den vergangenen Monaten zwar die Kapazitätsauslastung wieder auf 80 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Firmen, die Kurzarbeit nutzen, und der Umfang der Kurzarbeit sind zurückgegangen. Allerdings rechnen die Firmen nur mit einem verhaltenen Umsatzwachstum von im Schnitt drei Prozent – nachdem der Umsatz im Vorjahr um 7,6 Prozent eingebrochen war. Knapp zwei Drittel der Unternehmen rechnet daher auch nicht damit, bereits in diesem Jahr wieder das Produktionsniveau von 2018 vor Corona und Rezession zu erreichen.

Deutlich mehr Kündigungen

Die Zahl der Firmen, die wegen Corona Kündigungen aussprechen mussten, hat in den letzten Monaten kontinuierlich zugenommen auf mittlerweile 13 Prozent. Im Saldo planen die Betriebe zudem, in diesem Jahr ihre Belegschaften zu verkleinern und weniger zu investieren.

Info An der Umfrage vom 25. bis zum 29. Januar haben sich 347 Betriebe mit knapp 337 000 Beschäftigten beteiligt. Es war die fünfte Corona-Umfrage von Südwestmetall – nach den Befragungen im April, Mai, Juni und Oktober.