Reutlingen / KATHRIN KIPP  Uhr
"Ein Punk kommt selten allein": Acht integrative Bands sorgten am Samstag im vollen Jugendcafé für prächtige Unterhaltung. Die Reutlinger Kulturwerkstatt präsentierte ihr Projekt "Hauptsache, es rockt".

In dem auf drei Jahre angelegten Inklusions-Projekt machen junge Musiker(innen) mit und ohne Handicap seit Herbst 2012 gemeinsam Rockmusik. Insgesamt sind sechs neue Bands enstanden, die alle am Samstag ihren ersten Auftritt hatten, um schon mal auszuprobieren, was es heißt, Rockstar zu sein: Nämlich die Gitarre oder das Schlagzeug zu bedienen, dabei möglichst cool auszusehen und gleichzeitig auch noch das Publikum in den Wahnsinn zu treiben.

Die neuen Bands haben das schon ganz gut drauf, mit wild und eigenwillig interpretierten Kulthits oder sogar eigenen Songs. Den Auftakt machten die routinierten "Soulhossas"-Legenden, die schon seit Jahren als integrative Band unterwegs sind und mit ihrer schrägen Volldampf-Mucke auch schon den Bundespräsidenten zum Tanzen brachten. Sie haben schon eigene T-Shirts, eine eigene CD und eigene Fans und sind musikalisch nicht nur auf der Suche nach "süßen Mäusen", sondern huldigen auch mit ihrer gloriosen Fanhymne "Oh Oh, du bist mein VfB" dem Landeshauptstadtclub. Da traut sich keiner mehr zu verlieren!

"Cross The Line" lautet dann der Name der ersten neuen Band, die Indiepop mit zweistimmigem Gesang kreuzt: "Wir machen hier Musik, hier machen alle mit", lautet das Motto der eingängigen und selbstgeschriebenen Songs. "No Limit", also keine Grenze kennt die nächste Combo. Sie wird vom Publikum schon mit einem eindringlichen "Nicht von der Bühne fallen!" begrüßt. Und tatsächlich: Alle bleiben oben! "No Limit" hat sich unter anderem dem gefühligen Deutschrock verschrieben, mit schlichten, aber hammerharten Rhythmen, schönen Harmonien und dramatischem Gesang: "Wir alle gehen unseren Weg, egal, wohin es geht" heißt es in dem Song "Pop ohne Grenzen": "Wir sind alle Menschen, nichts kann uns bremsen" - Silbermond und Juli könnten es nicht schöner sagen.

Dann entert die Band mit dem originellen Titel "Ein Punk kommt selten allein" die Bühne. Der kollektiv auftretende Punk hat einen Hang zu poetischen, stimmungsvollen Songs, aber kann mit tollem Gesang und viel Energie auch den absoluten Rock-Hammer: "Seven Nations Army" von den White Stripes ist ein Hit, der nicht nur in allen Stadien gesungen wird, sondern an diesem Abend auch das Jugendcafé erzittern lässt.

"Not Bad" wiederum jagen den armen ("Hit The Road"-)Jack in die Wüste, und zwar auf deutsch: "Komm nie mehr zurück, nie mehr, nie mehr!" und bleiben dabei trotz diverser technischer Widrigkeiten total cool und souverän. Auch sie singen sehr schön und präsentieren eine originelle "We Will Rock You"-Version mit Hip-Hop-Einlage. Wie die meisten anderen Bands hat auch "Not Bad" einen Protestsong auf Lager: "Wisst Ihr nicht, dass uns das nicht gefällt?"

"Ultimate Rocksocks" tragen ihre Rocksocken in den Hosentaschen, spielen zu zweit Gitarre, singen zu dritt und bringen das Publikum mit "Fly Away" von Lenny Kravitz in Wallung. Die Eigenproduktion "Listen To Me" ist ein absoluter Hit mit prägnantem Refrain.

"Exotic Dream" machen eine super Bühnenshow, singen über Freundschaft und präsentieren ein feuriges "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen. Und haben den berühmten "Zombie" im Kopf. Und den Rocker im Herzen!

Den krönenden Abschluss macht die Band "Brennwert", auch diese Musiker sind wie die "Soulhossas" schon länger im Geschäft.