Lichtenstein/Sonnenbühl Windpark-Klage wird verhandelt

Der Blick auf Schloss Lichtenstein könnte durch einen Windpark beeinträchtigt werden, glauben die Gegner des Projekts.
Der Blick auf Schloss Lichtenstein könnte durch einen Windpark beeinträchtigt werden, glauben die Gegner des Projekts. © Foto: Archiv
Von Evelyn Rupprecht 13.02.2019

Es geht um Sichtbeziehungen, Denkmalschutz und ein  Märchenschloss auf der einen und die Gewinnung von erneuerbarer Energie auf der anderen Seite: Am Donnerstag, 14. Februar, wird sich die neunte Kammer des Verwaltungsgerichts Sigmaringen mit der Klage der Sonnenbühler Firma Sowitec gegen das Land Baden-Württemberg, das in diesem Fall durch den Landkreis Reutlingen vertreten wird, befassen. Tagen wird das Gericht von 9.30 Uhr an im Sitzungssaal des Lichtensteiner Rathauses.

Fünf Windräder möchte die Sowitec auf dem Hohfleck auf Undinger Gemarkung bauen. Jedes von ihnen soll eine Gesamthöhe von 200 Metern haben. Beantragt hat die Firma das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz bereits im Jahr 2014 – damals allerdings war noch die Rede von sieben Rotoren.  Die Sowitec hat sich später in ihren Planungen auf fünf Windräder beschränkt, nachdem ein Gutachten gezeigt hatte, dass zwei der Rotoren für Rotmilane eine Gefährdung darstellen könnten. Auch die ursprünglich vorgesehene Fläche von 157 Hektar wurde auf 120 reduziert. Trotzdem formierte sich der Widerstand, die Interessengemeinschaft „Rettet den Lichtenstein“ tat sich 2015 zusammen, um den Bau des Windparks zu verhindern. Als die Planungsunterlagen im Sommer 2015 öffentlich ausgelegt wurden, gab es 18 500 Einwendungen – zumal auch das Landesdenkmalamt Bedenken geäußert hatte. Die Windräder würden das Schloss Lichtenstein im wahrsten Sinne des Wortes umzingeln, argumentierte die Behörde, die vor allem wegen der Sichtbeziehungen vom und zum Schloss in Sorge war. Schließlich bezog auch der Schlossherr, Wilhelm von Urach, Stellung zu dem Thema. Er glaubt, dass ein Teil der Identität des historischen Gebäudes verloren geht, wenn die Windkraftanlage in drei Kilometern Entfernung auf dem Hohfleck gebaut wird.  Während einer Unterschriftenaktion ließ er sogar eine Flagge hissen mit der Aufschrift „Keine Windräder beim Schloss!“ Schließlich lehnte das Landratsamt den Antrag der Sowitec auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung für den Windpark ab. Die Sonnenbühler Firma legte Widerspruch ein, den das Regierungspräsidium Tübingen abwies. Im Mai 2017 reichte die Sowitec dann die Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen ein, die nun verhandelt wird. Wobei die Sitzung zwar im Rathaus Lichtenstein beginnt, dann aber auf der Albhochfläche weitergehen wird. Die Richter wollen sich vor Ort ein Bild von der Lage machen, bevor sie wieder in den Sitzungssaal zurückkehren und weiter verhandeln, erklärt Otto-Paul Bitzer, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht und Pressereferent. Öffentlich bekannt gegeben, so Bitzer, werde das Urteil aber wohl erst am Freitag.

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Windräder will die Sonnenbühler Firma Sowitec auf dem Hohfleck bauen. Jedes von ihnen würde eine Nabenhöhe von 137 und eine Gesamthöhe von 200 Metern haben.

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