Betzingen Windmühlen sind seine Leidenschaft

Visionär und Pragmatiker der Windkraft: Thomas Hummel. Foto: Spiess
Visionär und Pragmatiker der Windkraft: Thomas Hummel. Foto: Spiess
Betzingen / JÜRGEN SPIESS 02.07.2013
Die Windkraft-Blockade im Land hat seinen Unternehmergeist nicht gebremst: Auf Einladung des Technologieparks Tübingen Reutlingen sprach Martin Prösler mit dem Windkraft-Unternehmer Frank Hummel.

Die Luft ist sein Element, Windkrafträder seine Leidenschaft. Wenn auf der Schwäbischen Alb eine steife Brise oder in der Region Bahia ein Sturm aufkommt, dann fühlt sich der Ingenieur aus Sonnenbühl wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser.

Eigentlich wollte Frank Hummel ja Astronaut werden. Doch nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik landete er 1989 zunächst beim Stromkonzern EnBW, wo er für den Bereich erneuerbare Energien zuständig war und die ersten Windkraftanlagen sowie ein Photovoltaik-Testfeld errichtete. Bereits zu der Zeit beschloss er, sich selbstständig zu machen, um "meine eigenen Vorstellungen zu realisieren und im Geschäftsfeld Nutzung erneuerbarer Energien mit Schwerpunkt Windenergie tätig zu werden", erzählt der smarte Unternehmer jetzt in der Reihe "Unternehmer im Gespräch" im TTR.

1993 gründete er sein Unternehmen Sowitec mit Sitz in Sonnenbühl und begann mit der Planung und dem Aufbau von drei 45 Meter hohen Windtürmen am Himmelberg in Melchingen, die mit einer Leistung von je 600 Kilowatt rund 800 Haushalte mit Strom versorgen können. Die Basis dafür schafften der Bund und das Land, die das schwäbische Windpark-Projekt zu 80 Prozent finanzierten. "Zu Beginn musste ich vor allem die Bedenken der Bevölkerung ausräumen und mich gegen die heftige Anti-Windkraftstimmung durchsetzen", schildert Hummel seinen Einstieg ins Windkraft-Geschäft: "Mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima kippte jedoch die Stimmung."

Für den Aufbau des größten Windparks in Baden Württemberg erhielt Hummel bereits 1997 den Umweltpreis des Landes. Doch dies war erst der Anfang, denn 2005 entschied Hummel - "auch wegen der hartnäckigen Windkraftblockade im Land" - sein Hauptbetätigungsfeld ins Ausland zu verlagern. Er gründete Tochtergesellschaften in Frankreich, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Chile, Mexiko, Russland und Peru, "vor allem der Aufbau einer eigenen Struktur in Brasilien war ein Meilenstein für die Entwicklung von Sowitec", erinnert er sich im Gespräch mit Martin Prösler.

Bis 2007 hat der Windkraft-Unternehmer bereits 30 Projekte in Deutschland realisiert und entwickelte sich in Lateinamerika zum führenden Windenergie-Entwickler mit über 400 Projekten und einem Investitionsvolumen von 100 Milliarden Euro, die mehr als 50 000 Megawatt Strom erzeugen.

Mittlerweile beschäftigt Sowitec 200 Mitarbeiter, erwirtschaftet weltweit einen Umsatz von 80 Millionen Euro und ist zum zweitgrößten Windkraft-Entwickler der Welt aufgestiegen. Geplant sind weitere Windparks am südlichen Ende des Urals mit einer Gesamtkapazität von rund 50 Megawatt, mit Saudi-Arabien und Kasachstan hat Hummel weitere Märkte erschlossen.

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen, um in dieser Branche seine Visionen unternehmerisch umzusetzen? Hummel war immer wichtig, eigene Projekte zu entwickeln und zu realisieren. Um das zu erreichen, braucht es geeignete Standorte und Investoren: "Das Know how ist die Basis, aber ohne das notwendige Kapital geht überhaupt nichts", schildert er seine Hauptaufgabe, zunächst Großinvestoren zu finden "und sich dann mit ihnen herumzuschlagen".

Aber Frank Hummel ist Pragmatiker. Er weiß, dass Windkraft nicht nur in Brasilien und in Russland enormes Wachstumspotential hat. Auch im Land schätzt er die Windbranche - trotz der hiesigen Protestkultur - positiv ein. Windkraftprojekte werden auch hier im Zuge der Energiewende zunehmend realisiert, wenn auch nicht so viele, wie gewünscht. "Dass der Südwesten der deutschen Windkraft-Entwicklung hinterherhinkt, ist noch immer eine Nachwirkung der Blockadepolitik von Erwin Teufel."

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