Reutlingen Wieder Struktur im Leben

Etwas Überwindung kostet das Projekt "Hartzbreaker" die Akteure. Foto: Marie-Louise Abele
Etwas Überwindung kostet das Projekt "Hartzbreaker" die Akteure. Foto: Marie-Louise Abele
MARIE-LOUISE ABELE 05.10.2012
Es bewirkt etwas in den Teilnehmern, es macht sie stark und rüstet sie nicht nur für die nächsten Bewerbungsgespräche. 14 Jobcenter-Kunden proben derzeit mit "Hartzbreaker" ihr erstes Theaterstück.

"Es ist ein Glücksfall, dass es dieses Projekt gibt", fasste es Jutta Nikelski, Leiterin der Deutschen Angestellten Akademie (DAA), gleich zu Anfang der Vorstellung des Projektes "Hartzbreaker" zusammen. 14 Jobcenter-Kunden im Alter zwischen 21 und 62 Jahren proben dabei, unterstützt durch zwei Theaterpädagogen der Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik (LAG), ihr eigenes Stück. Jetzt gaben sie erstmals Einblick in ihre Arbeit.

Initiiert wurde das Projekt von Jobcenter und DAA, sie luden gemeinsam Jobcenter-Kunden, die bereits längere Zeit arbeitslos sind, ein. Projektleiterin Katherina Ioannides vom Jobcenter war begeistert vom Interesse der doch so unterschiedlichen Menschen. "Es sagten etwa 80 Prozent spontan zu", freute sie sich. Eine Teilnehmerin sei bereits ausgeschieden, da sie sich nun in einer Fortbildungsmaßnahme befindet.

Ziel des Ganzen ist, den Bewerber aus seiner Nische herauszuholen, ganz einfach weg vom klassischen Bewerbertraining. "Neue Wege beschreiten", fasste es Nikelski zusammen. Es sei harte Arbeit, die am Ende nicht nur Mut macht, sondern zunächst auch Mut braucht. "Man muss sich schon sehr überwinden", brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Beim Sprech- und Bewegungstraining mit den Theaterpädagogen, samt Haltungsübungen unter anderem direkt unter Menschen in der Wilhelmstraße, müsse man schon über seinen Schatten springen. "Dinge tun, die man bisher nie getan hat." Kurzum: auch mal aus sich herausgehen. All das motiviert ungemein, so der Tenor. "Ich bin so dankbar, dass es das gibt", wiederholte eine Teilnehmerin immer wieder. Sie habe ihre Schüchternheit überwunden und wisse nun, dass sie einen Job bekommt. Andere fühlen sich durch das Theater wesentlich jünger. Man habe morgens wieder ein Ziel, einen strukturierten Tag und vor allem Selbstbewusstsein. Darauf komme es im Bewerbungsgespräch an, weiß Roland Leypold, Leiter des Jobcenters Reutlingen. So sehe man sich nicht mehr als Arbeitsloser, sondern als Arbeitssuchender, "der etwas zu bieten hat".

Das Publikum haben die Darsteller mit ihrem vorläufigen Stück auf jeden Fall überzeugt. In bunten Fantasiekostümen haben sie gezeigt, was sie seit Projektbeginn im Juni gelernt haben. "Unsere Räume sind ein Freiraum für die Teilnehmer", sagte Andreas Hoffmann, Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik. Er freue sich über das Projekt, vor allem über den ganzheitlichen Ansatz, mit dem dabei gearbeitet wird.

Was genau gespielt wird, konnte die Truppe bisher nicht verraten, gemeinsam sind sie derzeit an der Erarbeitung des Stückes. "Jeder darf sich einbringen", fasste es Theaterpädagogin Janina Fahrner zusammen. Doch eines ist bereits klar: es wird gewartet.

Bereits am 6. Dezember soll die Premiere auf der Bühne der LAG in der Heppstraße stattfinden, es folgt dort am 9. Dezember noch eine Aufführung und am 13. Dezember in Stuttgart bei der DAA, weitere Termine sind im Gespräch. "Die Truppe kann auch gern gebucht werden", so das Angebot. Immerhin habe man mit dem Stück dann ein Produkt auf den Markt gebracht, so DAA-Sozialpädagogin Maria Stroppel.

Doch auch nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, unterstützt der DAA bis Ende März 2013 die Akteure mit Workshops, Bewerbungshilfen und auch sozialpädagogische Beratung sowie der Vermittlung beim Jobcenter. "Da kommt nicht gleich das große Loch", betont DAA-Leiterin Jutta Nikelski.