Die Wellen der Empörung schlagen hoch. Die Stadt Pfullingen erwägt, direkt neben dem Neubaugebiet "Mauer Weil 3" eine Notunterkunft für 100 Flüchtlinge zu errichten. Bei den zahlreich erschienenen Anwohnern stößt diese Aussicht auf Unverständnis, denn ihrer Ansicht nach würde die Standortentscheidung zu einer "nachhaltigen Veränderung des städtebaulichen Konzeptes am Ahlsberg führen".

Stein des Anstoßes ist das Verfahren der Stadt, das die drei Vertreter der am 28. Februar gegründeten Bürgerinitiative, Martin Krohmer, Thomas Stühle und Michael Führinger, als "konzeptlos und intransparent" bezeichnen.

Die Ausgangslage: Die Stadt berichtete bei einer Bürgerversammlung am 24. Februar über sechs potenzielle Standorte für zwei noch zu bauende Notunterkünfte mit jeweils 100 Flüchtlingen, von denen als möglicher Standort auch das Neubaugebiet "Mauer Weil 3" in Frage kommt. Über das Konzept sei zwar informiert worden, kritisiert Martin Krohmer, "die Standards waren aber längst festgelegt", ohne dass den Bürgern ein Mitspracherecht eingeräumt wurde: "Die Stadt hat sich für dieses Konzept entschieden, nicht wir", wettert Martin Krohmer, der die Bürgerinitiative nur vier Tage nach der Bürgerversammlung ins Leben gerufen hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die kurze Prüfungsphase für die sechs Standorte. Bereits nach knapp vier Wochen soll bei der Gemeinderatssitzung am 22. März eine Entscheidung über die Standorte für die beiden Flüchtlingsheime fallen. Die Anwohner wehren sich gegen die Flüchtlingsunterkunft "weil für den Standort Ahlsberg eine sozialverträgliche Integration nicht möglich ist". Außerdem sei die Bodenbeschaffenheit wegen starkem Lehmgehalt ungeeignet und eine bereits bestehende Hochspannungsleitung in unmittelbarer Nähe könne den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 15 Metern nicht einhalten, gibt ein Anwohner zu bedenken. Die Erschließungs- und Baukosten würden erheblich höher ausfallen als kalkuliert. Des Weiteren fragen sich die Initiatoren, wieso ein reines Wohngebiet am Ortsrand zum Standort für eine Flüchtlingsunterkunft werden soll? Und was eigentlich aus dem Versprechen der Stadt geworden sei, ein familienfreundliches Wohngebiet zu schaffen und zu erhalten? "Die Stadt bricht die eigenen Qualitätsmaßstäbe, auf die sich die Eigentümer verlassen haben", meint Dieter Metzger, der die Faktenlage schildert.

Zudem müssten die Anwohner mit einem empfindlichen Wertverfall ihrer Immobilien rechnen. Die Initiatoren gehen bei unmittelbar angrenzenden Einfamilienhäusern zu einer Flüchtlingsunterkunft von einem Wertverlust von mindestens 20 Prozent aus, das entspräche für jedes Haus etwa 100 000 Euro und bei 24 Einfamilienhäusern und 18 Doppelhaushälften insgesamt 3,3 Millionen Euro Wertminderung. Wenn die Banken ihr Recht auf Nachbesicherung ausschöpften, käme es für die Eigentümer noch dicker.

Wie geht es nun weiter? Die Initiatoren der Bürgerinitiative haben eine Online-Petition ins Netz (bisher 337 Unterstützer) gestellt, Flyer für eine Unterschriftenaktion drucken lassen und bereiten eine Sammelklage vor, sollte die Standortwahl zum Bau der Notunterkunft auf die Ahlsteige fallen. Außerdem sucht die Initiative das Gespräch mit dem Gemeinderat und Bürgermeister Michael Schrenk, das bisher noch nicht zustande kam. Wichtig wäre der Bürgerinitiative, dass die Stadt nicht nur nach finanziellen Gesichtspunkten den Standort auswählt und "nach dem Bau eines nachträglich zugelassenen Mehrfamilienhauses keine weitere Entwertung des Wohngebiets Ahlsteige" erfolgt.

"Wir sind nicht fremdenfeindlich, aber wir haben als Pfullinger Bürger das Recht, an einer gemeinsamen Lösung mitzuwirken", zieht Martin Krohmer ein erstes Fazit.

Info
Das nächste Treffen der Bürgerinitiative findet am Freitag, 11. März, im Jahnhaus statt.