Betzingen Wichtig ist der Spaß beim Tun

Sehenswert war das, was der Betzinger Künstlerkreis am Wochenende in der Zehntscheuer gezeigt hat.
Sehenswert war das, was der Betzinger Künstlerkreis am Wochenende in der Zehntscheuer gezeigt hat. © Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 30.11.2015
"Es ist für uns ein Anreiz, die Werke des vergangenen Jahres zu präsentieren", sagten die Künstler in der Betzinger Zehntscheuer. Zu sehen waren dort ganz große und ganz kleinformatige Kunstwerke

Knapp zehn Betzinger Künstlerinnen und Künstler haben am Wochenende im besonderen Ambiente der Zehntscheuer ihre Kunstwerke ausgestellt. Obwohl einige von ihnen auch konstant an anderen Orten, in anderen Galerien ausstellen, ist die Präsentation ihrer Werke in den Heimatgefilden doch auch immer etwas Besonderes, wie Marlene Neumann stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen betonte. Die meisten aus dem "Betzinger Künstlerkreis" hätten sich schon vor ihrer gemeinsamen Ausstellung in der Zehntscheuer gekannt, "Betzingen ist halt doch ein Dorf", so Neumann.

Was die Kunstschaffenden am Wochenende präsentierten, waren vor allem Zeichnungen, Drucke, Radierungen, Gemälde in Aquarell und Acryl - insgesamt eine faszinierende Vielfalt der unterschiedlichsten Maltechniken, von abstrakt bis zu völlig reell. Wie die Porträtzeichnungen von Reiner Wolk etwa: Erstaunlich, dass die Konturen seiner Figuren umso schärfer und fast schon wie eine Fotografie wirkten, je näher der Betrachter an das Bild herantrat. "Ich habe erst vor drei Jahren angefangen zu zeichnen", sagte Wolk. Erstaunlich sei für ihn selbst gewesen, dass er mit dem Porträtzeichnen eine Kunstform gefunden habe, die zu ihm passt. "Und dass ich das überhaupt kann."

Erfreut zeigten sich auch die anderen Künstler in der Zehntscheuer, dass sie mit der Kunst eine Form gefunden haben, um sich auszudrücken. Claudia Rinker etwa, die abstrakte größerformatige Bilder in Acryl malt. Ihre Werke haben sehr viel mit Emotionen zu tun, "das muss raus", sagte sie. So heißt ein Werk von ihr "Tanz der Gefühle" - was dem Bild auch deutlich anzusehen ist.

Marlene Neumann malt hingegen gegenständlich, "bei mir muss was los sein auf den Bildern, da muss Bewegung drinstecken", betonte sie. Viel Bewegung ist etwa in ihrer Schach-Serie enthalten. Ihre Werke sind kleinformatig, sie fertigt vor allem Radierungen, mit extrem feinen Linien, "ich arbeite immer mit der Lupe", verriet sie.

Rosemarie Rothammer malt ebenfalls gegenständlich, Aquarelle mit Land- und Ortschaften, Gebäude, in Griechenland oder auch in Betzingen. "Wichtig ist für mich, draußen zu sein, was ich dann male, das kommt so aus mir raus", sagte sie. Regine Lischka ist extrem vielseitig, fertigt nicht nur Gedichte und vertont sie selbst, sondern produziert auch eigene Musik- und Lyrik-CDs, stellt zudem Schmuck her und auch noch Kunstgrafiken. Christine Mayer hatte sich im fast abgelaufenen Jahr mit Engeln befasst. Angesichts des Terroranschlags in Paris, malte sie gleich zweimal großformatig die französische Flagge jeweils mit dem Eiffel-Turm und einem Engel drauf. "Das musste ich einfach malen", sagte sie. Ebenso wie zwei Bilder, die jeweils eine Stadtansicht von Paris zeigten - alles vor wenigen Tagen erst entstanden, seit der Katastrophe in der französischen Hauptstadt.

Etwas aus dem Rahmen fiel am Wochenende in der Zehntscheuer der Stand von Doris Bornhäuser: Sie präsentierte keine eigenen Kunstwerke, dafür aber Kunsthandwerk aus Äthiopien. Eine ganze Serie von Hunden mit Menschenhänden hatte Eva-Maria Fink ausgestellt, dazu noch Monotypien, bei denen sie sich immer wieder selbst überraschen lässt, was dabei herauskommt. Erstaunlich auch bei ihr: Sie fertigt zudem Plastiken aus Holz und aus Alabaster. Was alle Künstler unisono betonten: "Wichtig sind vor allem der Spaß und das Wohlgefühl beim Tun."