Kreis Reutlingen Wer auffliegt muss zahlen

Kontrolleur Thomas Gensch wird künftig auch zwischen Reutlingen und Metzingen Lkw im Vorbeifahren prüfen, ob sie ihre Maut bezahlt haben.
Kontrolleur Thomas Gensch wird künftig auch zwischen Reutlingen und Metzingen Lkw im Vorbeifahren prüfen, ob sie ihre Maut bezahlt haben. © Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 03.06.2015
Ab Juli sind weitere 1100 Kilometer Bundesstraßen mautpflichtig. Darunter die B 28/B 313 zwischen Ortsausfahrt Reutlingen bis nach Metzingen Ost. Auch diese Strecke wird künftig kontrolliert.

43 so genannte "Inselstrecken" wird es ab kommenden Monat in Deutschland geben, die keine direkte vierspurige Verbindung an Bundesautobahnen oder andere mautpflichtige Bundesstraßen haben. Allein diese Mitteilung klingt schon verzwickt, noch komplizierter wird es bei der Pressekonferenz von "Toll-Collect" am Dienstag im Reutlinger Hotel Fortuna, als Claudia Steen erläutert, wie die künftigen Zahlungsmöglichkeiten der Maut aussehen: Übers Internet können sich die Lastwagenfahrer registrieren und jede Fahrt einzeln im Voraus buchen. Zusätzlich werde es im ganzen Bundesgebiet 3600 Maut-Terminals an Tankstellen und Autohöfen geben, wo die Fahrzeuglenker für die beabsichtigte Strecke bezahlen können. In Metzingen soll so ein Terminal zu finden sein.

Die Betroffenen müssen sich aber im Vorfeld informieren, denn: Wer bei Kontrollen auffliegt und nicht gebucht hat, der kann von einer kostenlosen Ermahnung bis zu einem Bußgeld von 10 000 Euro alles erhalten, betont Frank Weibrecht vom Bundesamt für Güterverkehr in Baden-Württemberg Süd. Dieses Amt ist für die Kontrollen im Stichprobenverfahren auf den mautpflichtigen Straßen zuständig.

"Die einfachste Lösung ist aber", so Claudia Steen von Toll-Collect, "sich ein so genanntes On-board-unit in den Lkw einbauen zu lassen." Dieser Mini-Computer in Radio-Format wird kostenlos zur Verfügung gestellt, der Einbau dieses Gerätes muss in einer von bundesweit 1200 Werkstätten erfolgen, deren Personal speziell geschult wurde. Auch die beiden Lkw-Maut-Kontrolleure Thomas Gensch und Manfred Zultner bestätigen, dass der Einbau eines solchen "Obu" die unkomplizierteste Möglichkeit ist, um beim Thema Mautgebühren immer auf der sicheren Seite zu sein.

Ob nun am Ortsausgang Reutlingen und auf der anderen Seite der neuen Mautstrecke an den Einfahrten Metzingen Ost und West in Richtung Achalmstadt Schilder mit dem Maut-Hinweis stehen werden, sei noch nicht sicher: "Das Aufstellen von Schildern ist Ländersache", sagt Weibrecht. Was aber nicht bedeute, dass die B 28/B 313 zwischen Reutlingen und Metzingen und umgekehrt nicht mautpflichtig wäre. Kontrolliert werden die Daten im Übrigen in Süd-Baden-Württemberg durch insgesamt 16 Kontrolleure wie Gensch und Zultner in ihren Spezialfahrzeugen.

"Das machen wir im Vorbeifahren", so Gensch. Hat der Lkw ein Obu an Bord, dann werden die Daten per Infrarot in den Rechner des Kontrollfahrzeugs rübergezogen. Ist alles okay, geht die Fahrt für beide weiter, wenn nicht, wird der Lkw angehalten. Ohne Obu kann eine Fahrzeugkennzeichenabfrage in Sekundenschnelle ebenfalls mitteilen, dass der Fahrer die Mautgebühr bezahlt hat. Oder eben nicht. Andere Möglichkeiten der Maut- Prüfung: Mobile Kontroll-Stationen werden auf Brücken aufgebaut oder die 300 stationären Kontrollbrücken im Bundesgebiet liefern die Daten. "Wir kontrollieren 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", betont Weibrecht. Dabei können natürlich nicht alle Lkw überprüft werden, "das System lebt von der Zufälligkeit", so Steen. Zehn Prozent aller schweren Lkw wurden 2014 kontrolliert, "das waren immerhin 23 Millionen Fahrzeuge". Und die Verstöße lagen bei "weit unter einem Prozent", sagt Weibrecht.

Neu ist ab 1. Oktober auch, dass nicht mehr nur Lkw ab zwölf Tonnen zulässiges Gesamtgewicht Maut bezahlen müssen, sondern auch die ab 7,5 Tonnen. Nach einer Hochrechnung sollen davon rund 250 000 Fahrzeuge betroffen sein, darunter 160 000 aus Deutschland. Neu ist ab 1. Oktober auch die Tariftabelle, wie viel Maut für welchen Lkw fällig ist: Berücksichtigt werden dabei die Schadstoffklassen des Fahrzeugs und die Anzahl der Achsen. Und: "Ganz wichtig ist, dass die Maut kilometerabhängig ist." Diese Art der Berechnung sei deutlich gerechter als eine Vignette, bei der alle gleich viel bezahlen würden. "Schwere Lkw verursachen mehr Schäden an den Straßen, ebenso wie der Schadstoffausstoß auch mehr Umweltschäden verursacht", betont Claudia Steen.