Pfullingen Wenn nur das Wetter nicht wäre

Ulrich Vöhringer (ganz rechts) und Britta Wayand (ganz links) wollten von ihren Gästen (von links) Uwe Swarowsky, Gülnur Yildiz, Florije Zagjani und Christiane Ruge wissen, wie sie sich fühlten, als sie nach Pfullingen kamen. Foto: Norbert Leister
Ulrich Vöhringer (ganz rechts) und Britta Wayand (ganz links) wollten von ihren Gästen (von links) Uwe Swarowsky, Gülnur Yildiz, Florije Zagjani und Christiane Ruge wissen, wie sie sich fühlten, als sie nach Pfullingen kamen. Foto: Norbert Leister
Pfullingen / NORBERT LEISTER 07.03.2012
Stimmt es, was Ulrich Vöhringer schon als Kind gehört hat? Es würde Schwarze, Weiße und Pfullinger geben? Am Montagabend fragte er im Feuerwehrmagazin bei seinen Gästen genauer nach.

Schon als Kind hat der heutige Volkshochschulleiter gehört, dass Pfullinger besonders schwierige Menschen seien. Aber - stimmt das wirklich? Das wollte Ulrich Vöhringer zusammen mit Britta Wayand von vier Gästen wissen, die einst als Fremde in die Echazstadt kamen. Uwe Swarowsky wuchs in Sachsen-Anhalt auf und fühlte sich "ab dem ersten Tag wohl hier". Beruflich hatte er auch keine Probleme: Er war einst Berufssoldat in der DDR und auch noch ein Jahr nach der Wende in der Bundeswehr. Doch dann hatte er genug, ging nach Schwaben, sein Studium des Flugzeugbaus kam ihm zugute bei den Maschinenbaufirmen, bei denen er sich bewarb.

Christiane Ruge kam 1992 aus Kamerun nach Reutlingen, um dort Chemie zu studieren. Sie heiratete einen Deutschen, bekam drei Kinder, wurde geschieden, zog nach Pfullingen, "weil die Stadt den Ruf hat, familienfreundlich zu sein", sagte sie. Geholfen habe ihr der Kontakt über die christliche Gemeinde, in der sie aktiv ist.

Gülnur Yildiz kam schon 1975 nach Deutschland, wollte eigentlich lieber bei ihrer Oma in der Türkei bleiben. Zunächst landete sie bei ihren Eltern in Köln, "aber meine Schwägerin war aus Eningen". Mit ihren Eltern und Geschwistern zog sie dann auch dorthin, seit 2008 wohnt die Türkin mit deutschem Pass in Pfullingen. Warum? "Ich wollte schon immer hier wohnen", sagte sie. Erstaunlich: "Seit ich in Pfullingen lebe, habe ich keinen Heuschnupfen mehr."

Florije Zogjani wurde im Kosovo geboren, hatte eigentlich auch nie vor, das Land zu verlassen. Doch dann kam der Krieg, ihr Mann wurde politisch verfolgt, musste fliehen. Weil die Frau aber noch mitten im Wirtschaftswissenschaften-Studium steckte, wollte sie das erst zu Ende bringen, folgte danach ihrem Mann nach Deutschland. Mit ihrem Studium konnte sie hier allerdings nichts anfangen, sie begann in der Altenhilfe zu arbeiten. "Das fiel mir anfangs nicht leicht", sagte sie. Doch bald habe sie sich an die Arbeit gewöhnt. Probleme, Kontakte in der ihr fremden Stadt zu finden, habe sie nicht gehabt - genauso wenig wie die anderen Podiumsteilnehmer. Aber: Alle vier gaben an, dass sie Schwierigkeiten hatten, mit ihren Nachbarn klarzukommen. "Bei mir waren sie sehr vorsichtig und zurückhaltend", sagte Christiane Ruge. Sie wurde regelrecht beobachtet, "als die Nachbarn aber merkten, dass ich so ähnlich bin wie sie selbst, hat sich das gelegt". Florije Zagjani stimmt dem zu und auch in einem weiteren Punkt sind sich alle einig: Die Sprache sei das Wichtigste. "Wer fremd nach Deutschland kommt, sollte verpflichtet werden, die Sprache zu lernen", sagt Zagjani. Von beruflichen Problemen berichtete die Frau aus Kamerun: "Man wird unterschätzt, das funktioniert sehr subtil."

Ob sie denn in ihre einstige Heimat zurück wollen, wollte Vöhringer wissen. Nein, sagte Uwe Swarowsky eindeutig. Gülnur Yildiz, die eine eigene Werkstatt in Pfullingen betreibt, fühlt sich hier wie in der Türkei wohl, werde aber wohl bleiben, sagt sie. Zagjan sagte: "Ich bin gerne hier, aber wo ich geboren bin, das ist immer noch meine Heimat." Auch Christiane Ruge fühlt sich wohl in Pfullingen, "wenn das Wetter nicht wäre - mir fehlt die Sonne". Und: "Ich würde mir von den Pfullingern weniger Scheu vor Ausländern wünschen." Denn, eigentlich sei doch alles ganz einfach, ergänzte Yildiz vor nur 15 Zuhörern: "Das Wichtigste ist doch, dass wir alle Menschen sind."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel