Reutlingen / Von Peter U. Bussmann

Mit einer beispielhaften Aktion ist der Lions-Club Neckar-Alb der gemeinnützigen Oskar-Kalbfell-Stiftung beigesprungen: „Kunst & Gut“ hieß die Benefiz-Aktion, bei der 138  Kunstwerke aus Privatbesitz in der Galerie von Lions-Mitglied  Wilfried Thron in Degerschlacht unter den Hammer kamen.

„Kunstwerke, die nicht am Markt sind, verkaufen zu können, bedeutet Menschen für die Idee zu gewinnen. Genau dies macht den Erfolg der Aktion aus“, sagte Lions-Präsident Neckar-Alb Dr. Markus Nawroth jetzt bei der Spendenübergabe im Heimatmuseum. Knapp 40 der privaten Werke, Voraussetzung war, dass sie vom Künstler gezeichnet und damit von „gewisser Güte“ waren, erläuterte Galerist und Lions-Mitglied Wilfreid Thron, wechselten zu Preisen zwischen 100 und 6000 Euro den Besitzer. „Das Gezeigte hatte Qualität“, lobte denn auch OB Barbara Bosch diese „pfiffige Idee“ der bekennden Wohltäter. Der Erlös ging je zur Hälfte an die früheren Besitzer und an den guten Zweck.

Der Lions-Club, dessen Motto „We serve“ (Wir dienen) ist, feierte in diesem Jahr in Chicago/USA mit 35 000 Teilnehmern aus 200 Ländern – darunter auch zwei Mitglieder aus dem Bezirk Neckar-Alb – sein 100-jähriges Bestehen. Insgesamt hat die Vereinigung 1,4 Millionen Mitglieder weltweit, erläuterte Nawroth, und „alles was wir tun können, tun wir für den guten Zweck“.

Auf der Suche nach einem regionalen Destinatär stieß man auf die Kalbfell-Stiftung. Die greift ihr Stiftungsvermögen nicht an, sondern finanziert ihre Förderung (siehe Kasten unten) bislang ausschließlich aus den Zinserträgen daraus. „In der aktuellen Niedrigzinsphase sind alle Stiftungen, die aus ihrem Zinsertrag schöpfen, auf wirtschaftlichen Rückhalt angewiesen“, weiß IHK-Mann Nawroth. Und „Kunst & Gut“ bleibt keine Eintagsfliege, kündigte Lions-Mitglied Eckhard Raisch an: Vom 3. bis 5. November gibt es eine Neuauflage im Spitalhof mit einem kleinen Rahmenprogramm. Mehr dazu unter www.kunst-und-gut.com.

Die Spende der Lions nahm die Oskar-Kalbfell-Stiftung zum Anlass, ihren langjährigen Vorsitzenden, Ersten Bürgermeister i.R. Albert Schuler, mit Dank und einem württembergischen Präsentkörble zu verabschieden. Er, der noch unter OB Oskar Kalbfell bei der Stadt angefangen hatte, begleitete die Stiftung von Anfang an, also fast 50 Jahre. 1992 zu seinem Abschied in den Ruhestand, ehrte ihn der Gemeinderat mit der Bürgermedaille in Gold.

Wie sehr der Niedrigzins der Stiftung zu schaffen macht, verdeutlichte OB Bosch: 2011 kassierte die Stiftung über 27 000 Euro Zinseinnahmen, im laufenden Jahr gerade mal noch  1100 Euro. Damals wurden 20 000 Euro ausgeschüttet, jetzt waren es mit vielen Mühen gerade mal noch 8200 Euro. Die Zahl der Stipendiaten sank in dieser Zeit von 56 auf nurmehr 28. Entsprechend dankbar war der Stiftungsvorstand den Lions für deren „Aktivity“.

Die Oskar-Kalbfell-Stiftung

Eine qualifizierte Ausbildung überdurchschnittlich begabter Kinder soll nicht am geringen Familieneinkommen scheitern. Das war das Anliegen des ehemaligen Reutlinger Oberbürgermeisters Oskar Kalbfell, das er mit der zu seinem 70. Geburtstag gegündeten und nach ihm benannten Stiftung unterstützen wollte. Die 1968 ins Leben gerufene Stiftung hat laut Satzung zum Ziel, die „Ausbildung begabter Söhne und Töchter Reutlinger Familien mit geringem Einkommen“ zu fördern.

Infos zur Stiftung finden sich unter www.reutlingen.de/kalbfellstiftung