Reutlingen Wenn der Eltern Blutdruck kräftig steigt

Das Team der Verkehrswachtleute mit (von links): Johann Fedl, Dieter Scheffold, Dirk Endler und den beiden nun für den Übungsplatz an der Kreuzeiche zuständigen Jürgen Bradl und Joachim Nieswandt.
Das Team der Verkehrswachtleute mit (von links): Johann Fedl, Dieter Scheffold, Dirk Endler und den beiden nun für den Übungsplatz an der Kreuzeiche zuständigen Jürgen Bradl und Joachim Nieswandt. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 18.02.2015
Nach einer Pause von einem halben Jahr öffnet der Verkehrsübungsplatz an der Kreuzeiche wieder. Fahranfänger können dort ab 2. März wieder üben, aber nur wenn der Beifahrer einen Führerschein hat.

Wir kennen die aberwitzigen Filmaufnahmen aus dem Fernsehen - und auf Youtube im Internet gibt es auch zahlreiche Fundstellen. Die Hauptdarsteller sind junge Leute auf dem Verkehrsübungsplatz in Essen - samt verzweifelter Eltern oder älterer Freunde auf dem Beifahrersitz: Und wieder holpert der Wagen mit Karacho über den Randstein.

Dann stürmt der Verantwortliche am Eingang aus seinem Häuschen und tobt: "Dat is 'ne Einbahnstraße, Mann!" Und über allem wabern stinkende Schwaden abgeriebener Kupplungsbeläge. So ein Verkehrsübungsplatz ist ein Ort, an dem man aufs Vortrefflichste seine Toleranzfähigkeit ebenso testen kann wie Tugenden wie Demut, Gleichmut und Barmherzigkeit - gegenüber den Schusseln in der eigenen Familie, die es - Donnerwetter nochmal - immer noch nicht begriffen haben, wo rechts und links ist.

Joachim Nieswandt war früher einmal auf diesem, Deutschlands wohl berühmtesten Trainingsterrain tätig: In Essen versah er seinen Dienst auf dem dortigen Verkehrsübungsgelände - und am 2. März fängt er nun in Reutlingen an. Der Mann hat also mit Bestimmtheit ein dickes Fell - und er freut sich auf den neuen Job ebenso wie Jürgen Bradl. Beide werden stundenweise den Verkehrsübungsplatz an der Kreuzeiche betreuen (siehe Info).

Wie Dieter Scheffold, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen erläuterte, war der Platz an der Kreuzeiche personalbedingt ein halbes Jahr geschlossen. Johannes Fedl hatte nach 16 Jahren altersbedingt aufgehört, war aber bei der jetzigen "Schlüsselübergabe" ebenso dabei wie Dirk Endler, der Vorsitzender der hiesigen Verkehrswacht ist.

Die Fahranfänger, die dort fortan wieder üben wollen, sollten bereits mit der Fahrschule begonnen haben, heißt es. Auf jeden Fall jedoch muss der Beifahrer im Besitz eines gültigen Führerscheins sein. Eigentlich logisch, denn wie sollten die jungen Leute sonst mit dem Auto zur Kreuzeiche kommen. 1200 Quadratmeter ist das Areal groß, das die Verkehrswacht bei der Stadt Reutlingen angemietet hat.

Gut mit Menschen umgehen können, das sollten die beiden "Wächter" Jürgen Bradl und Joachim Nieswandt schon beherrschen, denn Stress kann es allemal geben, muss es aber nicht. Wer bereits weiß, was die Schilder bedeuten, hat als junger Gast schon einmal ganz gute Voraussetzungen für das Training auf dem Parcours.

Bis zu 80 Autos sind dort bislang pro Monat angerückt. Und wer womöglich etwas kaputt macht, ist mit 500 Euro Selbstbeteiligung dabei.

Die Öffnungszeiten

Der Verkehrsübungsplatz an der Kreuzeiche hat zur Winterzeit Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, an Samstagen von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 14 Uhr. In der Sommersaison ist montags von 15 bis 18 Uhr offen, samstags von 10 bis 16 Uhr und an Sonntagen von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Euro pro Stunde, jede weitere Übungsstunde kostet dann nur noch sechs Euro.

JHE