Seit Mitte August ist kein Durchkommen mehr. Die Karlstraße bekommt einen Flüsterasphalt. Zum Schreien finden das vor allem die Autofahrer, die seitdem täglich im Stau stehen, über den AOK-Knoten geleitet werden, wenn sie aus Richtung Metzingen kommend eigentlich nur in die Oststadt wollen. Ortsauswärts freilich war die Lage gute zwei Wochen lang deutlich entspannter: Da war die Breitertstraße nämlich noch geöffnet. Sozusagen als letzter Fluchtweg für alle, die Reutlingen mit Destination Ermstal verlassen wollen.

Seit Montag allerdings ist die Horrorvision vieler bittere Realität geworden: Die Breitertstraße ist gesperrt. Doch viele Autofahrer können offenbar nicht glauben, dass die Straßenbauer sie im augüstlichen Hitzestau derart eiskalt auflaufen lassen. Sie glauben den Umleitungs- und Gesperrt-Schildern nicht. Sie wollen es nicht wahr haben. Und ignorieren alle Warnungen. Selbst die, die findige Anwohner schwarz auf weiß an die Strecke gehängt haben: Den Hinweis "Karlstr./B 312 gesperrt" untermauern sie mit einem "Glaubt's einfach". Wer auch den Wahrheitsgehalt dieses Ratschlags anzweifelt, der wird kurz darauf eines Besseren belehrt: Nichts geht mehr auf der Breitertstraße. Selbst mit einem Geländewagen lässt sich das angestrebte Ziel nicht erreichen. Den Autofahrer und die Karlstraße trennt ein Absperrband, das in Höhe und Breite unüberwindbar ist. Wenden in drei Zügen ist angesagt - und retour geht's. Wo was auf den aller Hoffnungen beraubten Mobilisten wartet? Ein Schild mit der Aufschrift: "Glaubsch's jetzt?" Wohldosierter Humor, wie er schwäbischer nicht sein könnte. Kompliment, liebe Anwohner.

Von jenen Menschen, die unten in der Breitertstraße wohnen, könnten die, die oben an der Achalm leben, noch einiges lernen. Denn die armen Leutchen, die den Hausberg besiedeln, ächzen derzeit unter der Verkehrslast. Viele Autofahrer, die sich nicht in den Umleitungsstau stellen wollen, nutzen die Achalm als Abkürzung. Hoch den Berg, runter den Berg - und schon ist man von Metzingen kommend in der Oststadt. Umgekehrt funktioniert das natürlich auch. Wären da nicht all die anderen Autofahrer - es könnte fast schnell gehen.