Von Notstand war die Rede am Dienstagabend im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss des Reutlinger Gemeinderats.  Knapp 28 Personalstellen in der städtischen Kinderbetreuung sind nicht besetzt. Die Stadt sucht händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern. Und weiß sich dabei in Konkurrenz zu anderen Städten, Gemeinden, Kirchen und freien Trägern, denen es nicht besser ergeht. Mit einer breiten Werbekampagne will die Stadt nun Interesse wecken, zum einen am Beruf, zum anderen bei jenen, die einen Wechsel zur Stadt in Erwägung ziehen. Und den will sich die Stadt etwas kosten lassen: Prämien, unbefristete Verträge, Hilfe bei der Wohnungssuche, Mobilitätsanreize und vieles mehr sollen die Entscheidung erleichtern, sich auf eine städtische Stelle zu bewerben. Anfang Februar findet wieder ein Fachgespräch statt, danach soll auch bei den unterschiedlichen Anträgen der Fraktionen Klarheit herrschen.

Da ist zum Beispiel die so genannte Vorrangregelung. Will heißen: Kinder von Mitarbeitern werden bei der Platzvergabe bevorzugt behandelt. Aber geht dies so einfach? Bürgermeister Robert Hahn jedenfalls zeigte auf, dass es diesbezüglich viele Wenns und Abers gibt, zudem läge eine solche Entscheidung innerhalb des Mitbestimmungsrechts des Personalrats.

FWV-Gemeinderat Jürgen Fuchs kritisierte die Vergabepraxis bei Stellenbewerbern. Ihm sei bekannt, dass Bewerber bei der Stadt eine Absage erhalten hätten, bei anderen Trägern aber genommen worden seien. „Vielleicht sind unsere Anforderungen zu hoch“, warf er in die Runde. Ein Vorwurf, den Bürgermeister Hahn so nicht stehen lassen wollte. Zum einen sei ihm nichts derartiges bekannt, zum anderen gehe es ja schließlich um die Kinder. „Bevor ich Unqualifizierte einstelle, stelle ich niemanden ein.“

Der Antrag der Grünen vom Mai letzten Jahres auf Einrichtung eines Natur- und Waldkindergartens ist wohl durch. Im September sollen die „Windelrocker“ aus Sondelfingen, ein freier Träger, mit zehn Ü3-Plätzen und fünf U3-Plätzen, an den Start gehen. Auch die Anmietung von Bestandsgebäuden in der Stadt ist geplant, um die Kinderbetreuung auszudehnen. Zudem werden zahlreiche bestehende Gebäude und Kindergärten erweitert, neu gebaut wird das Kinderhaus Oststadt in der August-Lämmle-Straße. Der Baubeginn soll im März erfolgen. Im Sommer 2019 ist Baubeginn für das städtische Kinderhaus Schleestraße und das Kinderhaus Aachener Straße. Und dies sind nur einige Beispiele. „Wir machen, was wir können“, sagt Hahn.

Schon im Mai oder Juni soll zudem die nächste Bedarfsplanung 2018/19 vorgelegt werden. Von etwa 600 Mitarbeitern stehen 61 in der Ausbildung, die Quote ist mit zehn Prozent also recht hoch.

Sebastian Weigle (SPD) ist trotz der Bemühungen der Verwaltung nicht zufrieden. Ihm fehlt die Antwort auf die Fragen, wie man vorgeht, um die Betreuung auszuweiten und in welchem Zeitplan dies geschehen soll. „Wenn die ersten Klagen kommen und wir Schadenersatz leisten müssen, wird es richtig teuer“, so seine Befürchtung angesichts der nicht ausreichenden Plätze.

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Personalstellen im Bereich der städtischen Kinderbetreuung sind derzeit unbesetzt. Mit einem Werbefilm für Auszubildende geht die Stadt nun an die Öffentlichkeit.