Gemeinderat Weiterer Schritt zu einem lebendigen Wohnquartier

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 23.11.2017

Mit dem erneuten Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan „Hans-Reyhing-Straße/Peter-Rosegger-Straße“ hat der Gemeinderat gestern Abend einen  weiteren Schritt in Richtung Bebauung  des Bihler-Areals gemacht. Dort sollen auf 1,82 Hektar Fläche 137 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern und Mehrgeschosswohnungsbau entstehen. Gegen das Vorhaben hatte es erhebliche Anwohnerproteste gegeben (wir berichteten). 32 Stadträte stimmten für den Beschluss, fünf Stadträte aus den Reihen der Grünen votierten dagegen. Der Entscheidung war eine von zahlreichen Anwohnern verfolgte Debatte vorangegangen.

Von einer „verdichteten Bebauung“ könne beim Bihler-Areal keine Rede sein. Immerhin blieben 60 Prozent des Grundstücks unbebaut. Vielmehr handle es sich um eine „qualitätsvolle Nachverdichtung“, brachte Stefan Dvorak die Sicht der Stadtverwaltung auf den Punkt. Der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung sprach in seinem Sachvortrag die Veränderungen an, die sich seit dem Aufstellungs- und ersten Auslegungsbeschluss auch dank des Drucks der Anwohner verändert hatten. So sank nicht nur die Zahl der Wohneinheiten von 150 auf 137. Die Zahl der Geschosse wurde ebenso reduziert wie auch die Tiefe zweier Gebäude an der Peter-Rosegger-Straße. Zudem werden 20 Prozent der Wohnungen sozial gefördert. Das Bihler-Areal habe somit, betonte Dvorak, die „Chance, ein lebendiges und durchmischtes Wohnquartier zu werden“.

Aus Sicht der Grünen ist das Areal der richtige Standort, um die dringend benötigten Wohnungen zu bauen. Allerdings hätten sie sich insbesondere bei einer Innenverdichtung noch mehr Grün auf dem Grundstück gewünscht, wie Susanne Müller ausführte. Wichtig sei ihnen auch, dass der Spielplatz ebenso wie das Wäldle am jetzigen Standort erhalten werden. Weiter hatten sie beantragt, die Zufahrten zu den Tiefgaragen zu verlegen und eine Baumallee entlang des Fuß- und Radwegs festzusetzen, der in die südöstliche Rosegger-Straße mündet. Als diese Anträge keine Mehrheit fanden, stimmten die Grünen gegen die Vorlage.

„Der Wohnungsmarkt in Reutlingen benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum“, sagte Gabriele Gaiser. Mit der Reduzierung der Wohneinheiten, die einhergehe mit der Reduzierung der Zahl der Geschosse, habe man einen guten Kompromiss gefunden, unterstrich die CDU-Stadträtin, die –  wie übrigens alle Redner – der Verwaltung einen Seitenhieb mitgab. Das Verfahren sei bislang holprig gewesen, falsche Zahlen hätten bei Anwohnern und Gemeinderäten für Verwirrung und Verärgerung gesorgt.

Auch die SPD habe sich intensiv mit den Sorgen der Nachbarschaft auseinandergesetzt, sagte Helmut Treutlein. Die vorliegende Planung bietet nach Überzeugung des SPD-Fraktionsvorsitzenden  ein „qualitätsvolles Städtebaukonzept mit vorbildlicher Innenverdichtung“. Positiv sei auch, dass es weniger versiegelte Flächen als jetzt gebe. Und: „Wir bestaunen ein Quartier, das autofreie Wege beinhaltet“, lobte Treutlein und verwies auch auf die Paketstation, die den Anlieferverkehr reduzieren soll. Sein Fazit: „In diesem Viertel entsteht ein Quartier für die ganze Stadt.“

„Wir haben einen Riesenbedarf an Wohnungsnachfragen“, stellte Jürgen Fuchs für die FWV fest. Richtig sei auch, das Prinzip „Innen vor Außen“. Dennoch dürfe, so der FWV-Fraktionsvorsitzende, Innenverdichtung zu „keiner unzumutbaren Beeinträchtigung der angrenzenden Wohnbebauung“ führen. Aufgabe des Gemeinderates sei es, das Gemeinwohl abzuwägen und die Interessen im Auge zu behalten.

In einem Punkte waren die Freien Wähler jedoch mit dem Entwurf unzufrieden: Im Bereich E an der Peter-Rosegger-Straße sollten die Gebäude E 1 und E 3 von 13 auf 15 Meter verbreitert und dafür auf dazwischen liegende, deutlich kleinere Gebäude E 2 verzichtet werden. Doch auch der FWV-Antrag fand trotz Unterstützung durch die FDP keine Mehrheit.

Regine Vorher sprach von einem Bebauungsplan, der sich maßvoll in die Umgebung einfüge. Die FDP werde dem erneuten Auslegungsbeschluss zustimmen: „Wir können keine Wohnbauflächenoffensive machen – und dann kriegen wir nichts hin“, mahnte die FDP-Stadträtin.

Aus Sicht von Linken-Stadtrat Thomas Ziegler ist das Bihler-Areal besonders prädestiniert, um Wohnbebauung umzusetzen. Infrastruktur sei vorhanden, dazu gebe es schon jetzt eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV. Die vergangenen Monate hätten verdeutlicht, dass die Anwohner in den Entwicklungs- und Planungsprozess miteinbezogen werden müssten. Prozesse, bei denen Investoren direkt auf die Bürger losgelassen würden, seien nicht verantwortbar, kritisierte er die Stadtverwaltung.

Ausdrücklich dankte Ziegler allen Bürgern, die sich zusammengeschlossen und an die Stadträte gewandt hätten. Ihr Einsatz habe zu erheblichen Verbesserungen des Bebauungsplans geführt. Auch wenn die Linke zustimmte, sieht ihr Stadtrat durchaus Nachbesserungsbedarf in Einzelbereichen. Dafür bleibt bis zum Satzungsbeschluss ja noch ausreichend Zeit.

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