Sie ist sicherlich eine Ausnahme, dennoch ist Jessica Kawasch ein gutes Beispiel dafür, wie weit man mit Fleiß und Begeisterung kommen kann - und das schon in jungen Jahren. Frei vom Druck der Familie entschied sich die 21-Jährige nach dem Realschulabschluss in den elterlichen Betrieb "Kawasch Dienstleistungen GmbH" einzusteigen. Immerhin gibt es den bereits seit über 30 Jahren - und das sehr erfolgreich. Nach ihrer Gesellenprüfung zur Gebäudereinigerin, eine duale Ausbildung im Betrieb im Wechsel mit Unterricht an der Gewerblichen Schule in Metzingen, die sie als Drittbeste ihres Jahrgangs abschloss, folgte gleich der Meister im Juli 2012. Nun ist sie in der Firma auch Ansprechpartnerin für die Auszubildenden.

Lena Zinser steht nun am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung bei Kawasch und blickt positiv in die Zukunft. "Ich mag den Beruf", erzählt die 20-Jährige. "Man sitzt nicht einfach im Büro, sondern ist immer in Bewegung." Eine Aussicht auf Übernahme gibt es bei Kawasch und damit auch die Möglichkeiten der Weiterbildung.

Nicht immer treffen die beiden Frauen mit ihrem Berufswunsch in ihrem Umfeld auf Verständnis. "Viele sehen den Gebäudereiniger einfach nur als Putzkraft", erklärt Jessica Kawasch. Doch längst beschränken sich die Tätigkeiten nicht nur auf die klassischen Reinigungsarbeiten, mit denen die Pioniere des Handwerks bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Beruf vor allem mit der Glasreinigung salonfähig machten. "Obwohl ich damit aufgewachsen bin, haben sich natürlich in der Ausbildung viele neue Bereiche für mich ergeben", sagt sie. So hat sie sich die Spezialisierung zum Desinfektor (für Hygiene in Krankenhäusern und Seniorenheimen) als Ziel gesetzt.

Zu den klassischen Tätigkeiten des Gebäudereinigers gehört das Säubern der Innenbereiche und Außenfassaden von Gebäuden, Verkehrsmittel und auch Industrieanlagen wie Büro- und Schulgebäude, Krankenhäuser, Pflegeheimen, Eisenbahnen, Busse und Flugzeuge. Zu erlernen ist zunächst das Schwerpunktwissen rund um Reinigungsverfahren, Reinigungsmaschinen und -geräte sowie die Behandlung verschiedenster Untergründe und Oberflächen mit den passenden Reinigungsmitteln. Die Kenntnisse über ihre chemischen und biologischen Wirkungsweisen und Reaktionen sind das A und O. Flecken auf dem Teppich sind anders zu behandeln als auf Steinböden. "Wer Schmutz und Dreck nicht sehen kann, ist hier definitiv falsch", sagt Jessica Kawasch. Zimperlich sein, das darf man sich in diesem Beruf nicht erlauben, dazu gehört auch Schwindelfreiheit, geht es bei der Glas- oder Fassadenreinigung auch einmal hoch hinaus.

"Teamfähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung in diesem Beruf", sagt Jessica Kawasch. Denn es wird vor Ort in Gruppen und meist auch am frühen Morgen oder späten Abend gearbeitet, da Reinigungsarbeiten in Betrieben oft außerhalb der üblichen Arbeitszeiten vorgenommen werden.

Heute ist ein breites Angebot gefragt, gehören doch auch das Entrümpeln von Wohnungen, das Reinigen nach Brand- und Wasserschäden, Hausmeisterdienste, das Pflegen von Außenanlagen sowie Winterdienste mittlerweile zum Alltag des Gebäudereinigers. Vor allem Spezialgebiete wie der Desinfektor und Tatortreiniger (Cleaner), die Schädlingsbekämpfung (zum Beispiel gegen Nager und Wespen) und Taubenabwehr werden immer gefragter und machen den Beruf mit all seinen Facetten zu einem vielseitigen Job. Als Tipp für Jugendliche, die sich bereits mit ihrem beruflichen Werdegang beschäftigen möchten, kann Jessica Kawasch nur allen raten: "Macht erst einmal ein Praktikum in dem Bereich, der euch interessiert. Danach weiß man, ob man sich den Beruf wirklich vorstellen kann. Und vielleicht eröffnet sich so auch eine Aussicht auf einen Ausbildungsplatz."