Tanz Wehmütige Weisen, getanzte Gefühle

 Die „National Dance Company of Ireland“ hat in der Stadthalle Station gemacht.
 Die „National Dance Company of Ireland“ hat in der Stadthalle Station gemacht. © Foto: Archiv
Anja Weiß 12.01.2018

  Irland ist ein Land der Gegensätze, ebenso wie seine Bevölkerung. Die Landschaften sind rau, aber von beeindruckender Schönheit, die Melodien der Menschen traurig und melancholisch, aber auch überschäumend vor Lebensfreude. Auch der irische Tanz hat eine lange Tradition, er kann auf 2000 Jahre  alte Geschichte zurückblicken. Als die keltischen Druiden auf die Insel kamen, tanzten sie, um ihren erdverbundenen Göttern zu huldigen. Im zwölften Jahrhundert wurde dann der „Carol“ entwickelt, bei dem ein Solist vorsang und der Kreis der Tänzer antwortete. Auch andere Tänze sind bis heute bekannt und die irischen Instrumente, die Pfeifen, Fiedeln und Harfen, begleiten die Sänger und Tänzer mit ihren typischen Weisen, mal besinnlich-ruhig, mal laut-stimmungsvoll.

Tradition und Moderne

Aus diesem reichen Erbe schöpft die „National Dance Company of Ireland“, die 1998 zum ersten Mal zu einer Tournee aufgebrochen ist und seitdem mit wechselnden Programmen weltweit ihr Publikum begeistert. Für die neue Tour 2018 hat sich Produzent Kieran Cavanach zum Ziel gesetzt, die alten irischen Traditionen mit dem neuen Geist Irlands zu vereinen. Zu dieser Mischung passen auch die speziell angefertigten Schuhe, die es in harter und weicher Ausführung gibt, zum einen für den Stepptanz, zum anderen für die Tänze, die sich ans Ballett anlehnen. Die Show ist eine Reise durch Tanz- und Musikstile, bereichert durch Gesang und dazu passende Fotos von irischen Landschaften. So startet der Auftritt mit „Newgrange im Morgengrauen“: Ein Bild zeigt das Naturwunder im Sonnenschein, die Tänzer strömen auf die Bühne, begleitet von Trommelklängen, sie tanzen als Einheit, symbolisieren das irische Volk. Das ist der fulminante Beginn, an dem alle Beteiligten mitwirken, es folgen Stationen der irischen Geschichte, des keltisch-gälischen Lebens, dargestellt vom Ensemble oder einzelnen Mitwirkenden. Es sind  besinnliche Stücke dabei, die einem unter die Haut gehen. Wehmütige Flötentöne, klagende irische Weisen, die von der Not der Iren erzählen, oder ein bedächtiger Tanz vor einer Feuerstelle, an der die Gruppe zusammenkommt, bevor sie in ein neues Leben aufbrechen.

Viele Iren verlassen damals ihre Heimat. Sie ziehen von Dublin, das ebenfalls in historischen Aufnahmen gezeigt wird, nach Amerika. Die „Dance Company“ bringt diese Geschichte auf die Bühne. Ihre Tänze erzählen von der Arbeit in den Fabriken, harte Steppschritte hämmern aufs Parkett, im Gleichschritt tanzen sie von links nach rechts, vollführen Sprünge und klacken im Takt wie die Arbeiter an den Maschinen. Natürlich gibt es in der neuen Welt auch neue Tänze, so hält der Swing Einzug und die Mädels tauschen ihre noblen Kleider gegen Petticoats. Abwechlsungsreich ist das, was die Dance Company bietet auf jeden Fall, keine Sekunde wird es langweilig. So haben sie ganze Liebesgeschichten im Gepäck, zwei Flirtende, die sich annähern oder junge Männer, die um eine Frau buhlen. Und natürlich dürfen auch die „Traditionals“ nicht fehlen, wie „Whiskey in the Jar“ oder „Molly Mallone“, die angestimmt werden.

Unterstützt werden die talentierten Tänzer, besonders hervorzuheben sind hier die leichtfüßigen Solostars Dane McKiernan und Arlene McVeigh, von fünf Musikern. Die spielen auf typischen irischen Instrumenten, wie den Uilleann Pipes (Flöten) oder der Bodhran,  einer Rahmentrommel.  So hält in der fast ausverkauften Stadthalle irische Musik und irischer Tanz Einzug, aber auch ein Stück Lebensgefühl. Ein Programm, das auch in seiner neuesten Auflage fasziniert und einen schwelgen lässt von dieser traumhaften grünen Insel und ihren Bewohnern.