Der Abend beginnt mit einer starken Äußerung: "Wir sind unterschiedlich, ja, etwa so wie Mutanten, Zauberer oder X-Men auch ganz anders sind", eröffnet Stefan Musil den tänzerischen Dialog mit seinem Freund Attila Zanin im gut besuchten franz.K.

Was folgt, ist eine verbale und tänzerische Auseinandersetzung über das Anders-Sein, über Freiheit und das gemeinsame Hobby Tanzen. Während Attila, der mit seiner Frau Hana die Wiener Company leitet, mehr der extrovertierte und ausdrucksstarke Tänzer ist, übernimmt Stefan die Rolle des Entertainers, der seine komische Begabung in den Mittelpunkt rückt.

Doch mit der Zeit können sich die Rollen auch mal vertauschen: Mal gibt in Milli Bitterlis Choreografie "Gehen" der eine die Bewegungen vor, mal der andere. Allein schon die ausdrucksstarke Körpersprache, die teilweise akrobatischen Verrenkungen und die darauf abgestimmte Popmusik von Prince ("Kiss") und Michael Jackson ("Beat It") machen den Reiz dieses Stücks aus. Roboter- und Moon-Dance-Einlagen, gewagte Hebefiguren und abenteuerliche Verrenkungen steigern kontinuierlich die Dynamik und Spannung.

Nach diesem Power-Auftritt lassen es die vier Damen in der folgenden Choreografie "Doppelgängerin" von Nicole Berndt-Caccivio etwas ruhiger angehen. Zwei Ladys in Red (Clara Horvath und Johanna Ostermayr) treten hier zwei ganz in schwarz gekleideten Tänzerinnen (Hana Zanin und Anna Prokopová) gegenüber. Frauen, die ganz unterschiedlich sind und herausfinden wollen, inwieweit die Freundin ihr ähnlich ist. Wie sehr spiegele ich mich in der besten Freundin? Erkenne ich mich selbst in ihr? Was macht Freundschaft überhaupt aus und welche Ansprüche ergeben sich daraus?

Während die rot gekleideten Frauen ganz damit beschäftigt sind, ihr Aussehen zu vergleichen und einander zu verschönern, tragen die in schwarz Gekleideten ihre Freundschaft über tänzerisch-aggressive Tanzsequenzen aus. Das "Doppelgänger"-Finale endet harmonisch: Alle vier Frauen lassen sich in spielerischer Leichtigkeit gehen und tanzen über Kreuz ausgelassen wie in der Disco.

Und dann abschließend "Alle für einen, einer für alle", eine Geschichte von Hana und Attila Zanin um eine Jungen-Freundschaft, die erst dann ins Wanken gerät, als zwei Mädchen auftauchen und die Jungen zu Rivalen und Gegenspielern werden. Vorher spielen Kirin Espana, Simon Couvreur und Raphael Kadrnoska ausgelassen Fußball, schnappen sich gegenseitig den Ball weg, üben sich in Breakdance und Hip-Hop-Moves, streiten und versöhnen sich wieder - ganz so, wie das Jungs eben tun. Die Tanzszenen sind schnell, kraftvoll, witzig, ausgeflippt. Eckig, stotternd, schräg, als träfe der Robotertanz des Hip-Hop auf den Stummfilm, so bewegen sich die drei Freunde über die Bühne. Ihre Bewegungen werden erst weicher, als die Mädchen ins Spiel kommen. Nun wird geflirtet, auf den Putz gehauen und große Showgesten zelebriert. Eine Besucherin wird zum Tanz auf die Bühne gebeten, danach ein witziger Pantomimen-Wettstreit gespielt.

Insgesamt bestechen die drei Geschichten durch unaufdringliche Perfektion sowie hingebungsvoll und authentisch tanzenden Darstellern. Es gibt modernen Tanz, selbstbewusste Exkurse, mitreißend präsentiert wie bei einem guten Popkonzert. Die Quittung des Publikums? Zuerst begeisterter Jubel, dann ausgelassenes Abtanzen gemeinsam mit den Darstellern.