Reutlingen Was tun, wenn der Platz wegfällt?

Jan Reuchle absolviert derzeit eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker, Schwerpunkt Fahrradtechnik, in der Fahrradwerkstatt der Bruderhaus-Diakonie in der Tübinger Straße 89. Foto: Ralph Bausinger
Jan Reuchle absolviert derzeit eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker, Schwerpunkt Fahrradtechnik, in der Fahrradwerkstatt der Bruderhaus-Diakonie in der Tübinger Straße 89. Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / RALPH BAUSINGER 17.08.2012
Sein Chef verunglückte, und Jan Reuchle stand plötzlich ohne Lehrstelle da. Doch der 18-jährige Reutlinger hatte Glück und fand einen neuen Ausbildungsplatz bei der Bruderhaus-Diakonie.

Die Hiobsbotschaft traf Jan Reuchle mitten im ersten Ausbildungsjahr. Der Inhaber des Betriebs, in dem er gerade mit seiner Ausbildung angefangen hatte, verunglückte im März 2010 und konnte den damals 16-Jährigen nicht mehr weiter beschäftigen. Was tun? Der junge Mann rief alle Reutlinger Fahrradbetriebe an, und er hatte Glück. Auch dank der Unterstützung durch das Jobcenter, das einen Zuschuss für die zusätzlich eingerichtete Lehrstelle zahlt, konnte er seine Ausbildung in der Fahrradwerkstatt der Bruderhaus-Diakonie fortsetzen.

Ein "ziemlicher Glücksfall", betont auch Silvia Braun, Arbeitsvermittlerin beim Jobcenter und dort für Arbeitslose unter 25 Jahren zuständig. Schließlich sind die Lehrstellen für den Beruf des Zweiradmechanikers, Fachrichtung Zweiradtechnik nicht allzu breit gestreut. Zwar gibt es an die zehn Fahrradgeschäfte im näheren Umfeld, aber nicht alle bilden aus. Derzeit erlernen rund 40 Ausbildende in ganz Baden-Württemberg diesen Beruf.

"Mir gefällt es hier sehr gut", sagt Reuchle über seinen Arbeitsplatz. Der Auszubildende hat direkten Kontakt zu Kunden und darf im dritten Lehrjahr Aufgaben selbstverantwortlich erledigen.

Neben dem praktischen Teil der Ausbildung in der Tübinger Straße 89 besucht Reuchle die Berufsschule in Breisach - es gibt fünf Blöcke à sechs Wochen. Die Fahrtkosten werden vom Jobcenter übernommen, zudem beteiligt es sich an den Unterkunftskosten während des Berufsschulunterrichts.

Reuchle wird seine Ausbildung voraussichtlich im Februar 2013 abschließen - offen ist derzeit, wie es dann für den 18-Jährigen weitergeht. "Wir haben relativ gute Vermittlungsquoten", macht ihm Thomas Wied Hoffnung. Und der Leiter des Ausbildungsverbundes der Bruderhaus-Diakonie verweist auch auf die E-Bikes, deren Verkaut boomt und die regelmäßig gewartet müssen.