Region Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert

"Dieser Tag ist eine sehr gute Sache" - davon sind die Amts- und Würdenträger überzeugt. Foto: Norbert Leister
"Dieser Tag ist eine sehr gute Sache" - davon sind die Amts- und Würdenträger überzeugt. Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 13.03.2014
Teppich verlegen, Möbel schleppen, Kuchen backen - die Palette der Tätigkeiten war groß, in die sich Amtsträger aus der Region am gestrigen Tag in den Einrichtungen der BruderhausDiakonie einbrachten.

Einige der Teilnehmer waren ganz schön gefordert - Tübingens Finanzbürgermeister Michael Lucke etwa, der im Projekt "Retour" in der Südstadt auf dem ehemaligen Kasernengelände Möbel auseinanderschrauben und durch die Gegend schieben musste. Oder Hermann Rist, Reutlinger Caritas-Chef, der im Seniorenzentrum in Mittelstadt zusammen mit Bewohnern eine Schwarzwälder Kirschtorte backen sollte. Das sei schon eine für ihn ungewohnte Tätigkeit gewesen, wie er selbst beim gemeinsamen Mittagessen im Gustav-Werner-Stift in Reutlingen betonte.

Ähnlich erging es auch anderen Würden- und Amtsträgern, die sich beim mittlerweile dritten Gustav-Werner-Tag einbrachten: Dr. Carl-Gustav Kalbfell etwa, seines Zeichens Reutlinger FDP-Stadt- und -Kreisrat: Er war in der Wilhelm-Maybach-Schule im Gemeinschaftskundeunterricht dabei - und zeigte sich überrascht "über das Interesse der Schüler an der Kommunalpolitik". Prälat Dr. Christian Rose und Pfullingens Bürgermeister Rudolf Heß waren zusammen mit Jugendgemeinderätin Derya Inceler im Seniorenzentrum in Gönningen. Die Unterhaltung sowohl mit den Senioren wie auch mit den Mitarbeitern der Pflege sei hochinteressant gewesen, so Heß. Und dabei wurden durchaus auch die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von Pflegekräften angesprochen. Dass sich nun zum ersten Mal Mitglieder des Jugendgemeinderats einbrachten? Die anderen, älteren Teilnehmer des Gustav-Werner-Tags waren voll des Lobs über das Engagement der Jugendlichen. Die Angesprochenen selbst bewerteten die Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Bruderhaus-Diakonie als durchaus bereichernd. Wie zum Beispiel Nasali Bai-Kamara, die zusammen mit Bruderhaus-Stiftungsrat Martin Bauch und Verleger Valdo Lehari jr. beim Umzug in das neue Wohnhaus für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung geholfen hatten: "Ich habe mich über die gute Atmosphäre gefreut", so Bai-Kamara. Sie hatte zusammen mit Rose und Lehari Bilder aufgehängt und einen Teppich verlegt.

Reutlingens Finanzbürgermeister Alexander Kreher war am gestrigen Vormittag im Seniorenzentrum in Walddorfhäslach und hatte dort ebenfalls Kuchen gebacken, zusammen mit Jugendgemeinderätin Gülistan Savda und Bruderhaus-Chef Pfarrer Lothar Bauer. Kreher pries die Atmosphäre in dem Haus, das mitten an der Hauptstraße und damit "mitten im Leben" liege.

Dr. Jürgen Soltau, Bürgermeister von Kusterdingen, hatte im Ausbildungsverbund "Radstall" in Tübingen gemeinsam mit Jugendgemeinderätin Despina Stavridou und den Azubis dort Fahrräder repariert. Am Nachmittag waren noch weitere Aktionen geplant: Dr. Nils Schmid, seines Zeichens Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes, kam in eine Wohngruppe des Oberlin-Jugendhilfeverbunds und tauschte sich mit Jugendlichen aus.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wollte sich hingegen zusammen mit Prof. Martin Beck als Vorsitzendem des Stiftungsrats der Bruderhaus-Diakonie im BvB Metall-Ausbildungsverbund als Handwerker beweisen und ein eigenes Werkstück produzieren. Das Fazit dieses dritten Gustav-Werner-Tags - übrigens ganz im Sinne des Stiftungsgründers: "Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert", betonte Pfullingens Bürgermeister. "Dieser Tag ist eine sehr gute Sache", schlussfolgerte Rist.