Jugend Was die Schüler bewegt

Pfullingen / Evelyn Rupprecht 25.11.2016

Das Gedränge am Stand der AIDS-Hilfe Tübingen-Reutlingen war riesig und kaum zu übersehen. Was passiert, wenn am Kondom Sonnenöl landet? Eine Frage, die die Schüler offenbar interessierte. Die Antwort: Nichts Gutes. Also lieber kein Sonnenöl, so der Tipp der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe, die am Freitagmorgen in der Mensa der Wilhelm-Hauff-Realschule waren, um ihren Teil zur „Beratungs-Börse Jugendthemen“ beizutragen. Es war bereits die zweite ihrer Art: Doch zum ersten Mal gastierte die Börse an der WHR, nachdem sie im vergangenen Jahr ihre Premiere am Friedrich-Schiller-Gymnasium gefeiert hatte.

„Für unsere Schüler ist es also dieses Jahr ein Heimspiel – und Heimspiele sind immer gut“, befand denn auch Regina Groth-Kramer, Schulsozialarbeiterin an der WHR. Tatsächlich war die Gruppe der Realschüler die größte, die am Freitag in der Mensa die Runde vorbei an den zwölf Beratungsständen drehte.

Immerhin 170 Jungen und Mädchen der WHR-Klassenstufe 9 wollten es ganz genau wissen und standen nicht nur bei der AIDS-Beratung Schlange, sondern auch beim Albbündnis für Menschenrechte, beim Arbeitskreis Leben, bei der Erziehungsberatungsstelle, beim Jugendamt, der Jugend- und Drogenberatung, bei Pro Familia und Pro Juventa, bei der Psychologischen Beratungsstelle des Diakonie-Verbandes, beim Weißen Ring, bei Wirbelwind und beim Pfullinger Jugendgemeinderat. Letzter war denn nicht nur vor Ort, um über seine Arbeit im vergangenen Jahr zu informieren, sondern auch, um Werbung zu machen für den Poetry Slam, den er am 10. Februar zusammen mit der Jugendreferentin und der Unterstützung der Kreissparkasse auf die Beine stellen will.

Die zwölf Stände wurden indes nicht nur von den Realschülern, sondern auch von 135 Gymnasiasten, die in Erkundungsgruppe Nummer eins unterwegs waren, gestürmt und gen Ende der vormittäglichen Veranstaltung kamen dann auch noch die Schloss-Schüler zum Zug. An denen, so Groth-Kramer, zeige sich besonders deutlich, wie sich die Schullandschaft in den vergangenen Jahren verändert habe. Denn mittlerweile kommen immer mehr Lichtensteiner Schüler nach Pfullingen. Schlicht, weil ihre Schulart im eigenen Ort gar nicht mehr existiert.

Etwa 55 Werkrealschüler waren es, die zur Beratungs-Börse erschienen waren. Die kleinste Gruppe, aber die, die offenbar – auch weil sie nicht im großen Gedränge unterwegs war – am fleißigsten Fragebogen ausfüllte und Kontakt zu den Beratern suchte. Was letztlich auch Sinn und Zweck der Börse ist, bei der Schüler einen Überblick darüber bekommen sollen, an wen sie sich mit ihren Problemen und Belangen wenden können.

Der große Vorteil der Börse: Es sind auch männliche Sozialpädagogen vor Ort. „Das ist ja ein sehr Frauen-lastiger Beruf“, weiß Groth-Kramer. „Wenn dann mal Männer als Ansprechpartner da sind, dann gehen die Jungs natürlich eher zu denen als zu uns“, so die Pädagogin, die zusammen mit Julia Hildebrand, der Jugendreferentin der Stadt, eingeladen hatte. Für Hildebrand und Pro Juventa dürfte es indes nicht die letzte Börse gewesen sein. „In den nächsten Jahren soll sie regelmäßig im Wechsel zwischen Realschule und Gymnasium stattfinden“, erklärt die Jugendreferentin, die mit Blick auf die Premiere im vergangenen Herbst auch schon festgestellt hat: „Es läuft von Jahr zu Jahr geschmeidiger“. Irgendwann dürften dann auch sämtliche Hindernisse bei der Organisation beseitigt sein. Und beim Auf- und Abbau konnten sich Hildebrand und Groth-Kramer eh auf die Hilfe der Realschüler verlassen.

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Schüler sind am Freitag zur Beratungsbörse gekommen, um sich über Jugendthemen zu informieren und den Kontakt zu den entsprechenden Anlaufstellen zu suchen.