Reutlingen Wanderpokal kehrt unter die Achalm zurück

Reutlingen / NORBERT LEISTER 26.07.2016
Am Samstag lieferten sich die beiden Städte Pfullingen und Reutlingen erneut einen traditionsreichen Wettkampf der Schützen um die „Leinenhose“.

Am Samstag begaben sich zwei Dutzend Hobby-Schützen aus Reutlingen und Pfullingen auf die Liege. Sie taten das aber nicht etwa, um sich auszuruhen, im Gegenteil: Mit Oberbürgermeisterin Barbara Bosch an der Spitze zielten je zwölf Vertreter beider Kommunen – Amtsleiter, Gemeinderäte, Vereinsvertreter, Feuerwehrkommandanten und Oberschützenmeister – mit Kleinkalibergewehren auf die 50 Meter entfernten Scheiben, um möglichst die Mitte (also die 10) zu treffen.

„Keine leichte Aufgabe“, wie Reutlingens OB im Vorfeld betonte. „Ein leichter Schnaufer und schon hat man das Gewehr verzogen.“ Sie selbst präsentiert sich ja schon seit vielen Jahren als höchst ziel- und treffsicher. „Mir wurde zugetragen, dass Sie Sportschützin sind“, sagte Michael Schrenk. Er war im Übrigen zum ersten Mal in seiner Funktion als Pfullinger Bürgermeister anwesend – aber nicht als Schütze: Eine Verletzung am linken Arm hielt ihn von der Teilnahme am Schießen um die Leinenhose ab. „Es wurde schon vermutet, dass ich mich beim Blockflötespielen verletzt habe“, ertrug der Schultes den Spott mit Humor. Für seine Person trat Patrick Klitscher als stellvertretender Pfullinger Bauhofleiter an. Eine Finte, wie Bosch augenzwinkernd fragte. Alles andere als das, so Schrenk. Bei der Umfrage in Rathaus und bei städtischen Mitarbeitern habe sich keine andere Person berufen gefühlt.

Das tat dem Wettschießen um die „Linnenhos“ aber keinen Abbruch. Und die Reutlinger legten kräftig vor: Mit fünf Schuss erreichte etwa Reutlingens Amtsleiter Stefan Dvorak stolze 45 Punkte, „bei maximal 50 Punkten ist das doch gar nicht schlecht“, meinte er. Doch andere trafen noch viel besser: Gabriele Gaiser etwa von der Reutlinger CDU-Fraktion sowie Rainer Barthold von der Pfullinger Feuerwehr – beide erreichten die Maximalzahl von 50 Punkten. Barbara Bosch landete am Samstag abgeschlagen mit 43 Punkten auf einem der hinteren Plätze.

Im Übrigen geht das Preisschießen zwischen Pfullingen und Reutlingen auf eine lange Tradition zurück, die schon im 16. Jahrhundert gepflegt wurde. Beim ersten Wettbewerb gewann der Pfullinger Hans Prendtlin, wie Wolfram E. Mewes als heutiger Reutlinger Oberschützenmeister erläuterte. Allerdings durfte Prendtlin gar nicht gewinnen, weil es damals hieß: Nur ein Reutlinger kann gewinnen. Eine Leinenhose war zu jenen Zeiten ein sehr wertvolles Kleidungsstück, die „Linnenhos“ blieb also in der Achalmstadt. Diese jahrhundertealte Schuld wurde aber beim 475. Geburtstag der Pfullinger Schützengilde im Jahr 1997 beglichen – und eine Hose feierlich von Reutlingen nach Pfullingen überreicht. Bürgermeister Rudolf Heß nahm das damals zum Anlass, das Schießen wieder aufleben zu lassen.

Zum siebten Mal wurde es nun am Samstag seit der Wiedereinführung abgehalten. Alle zwei Jahre treffen sich die Abordnungen der beiden Städte „und die Pfullinger haben noch nie gewonnen“, sagte OB Bosch. Dabei hatte sie offensichtlich die Tatsache verdrängt, dass 2014 sehr wohl die Pfulben-Städter den Wanderpokal in Form einer 6XL-Jeanshose nach Pfullingen geholt hatten. Heß, der am Samstag ebenfalls anwesend war (aber nicht schießen durfte), hatte sogar den Schwarz-auf-Weiß-Beweis dabei: 545 Punkte erreichte das Pfullinger Team damals, das Reutlinger nur 536. „Der Spaß steht dabei im Vordergrund“, hatte die OB im Vorfeld betont. Allerdings dürfte es der geschundenen Reutlinger Schützenseele doch sehr gut getan haben, dass mit 552 zu 551 die Linnenhos am Samstag eindeutig (wenn auch extrem knapp) an die Achalm zurückgeholt wurde. Beim Schießen auf die Festscheibe gewann im Übrigen Jens Hanke vom DRK Reutlingen einen Gutschein für den Kauf einer Hose (oder alternativ eines Rocks). Die fünf besten Schützen Gabriele Gaiser, Rainer Barthold, Dr. Sven Fischer, Jens Hanke und Michael Dittmann dürfen sich jeweils über eine Flasche Sekt freuen, gestiftet von Juwelier Depperich.

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