Reutlingen Walters Adrenalinbaustelle

Das Projekt Gartentor-Areal (blau umrandet) der GWG: Im Hintergrund das Gartentor, rechts das Parkhaus, vorne die Metzgerstraße. Foto: Marinko Belanov
Das Projekt Gartentor-Areal (blau umrandet) der GWG: Im Hintergrund das Gartentor, rechts das Parkhaus, vorne die Metzgerstraße. Foto: Marinko Belanov
Reutlingen / PETER ANDEL 04.05.2012
Das Acht-Millionen-Projekt Gartentor-Areal der GWG bedeutete: Abbruch, Neubau und Sanierung. Der zentral gelegene Wohnkomplex mit Gewerbeeinheiten ist im Plan und Ende des Jahres bezugsfertig.

Die Arbeiten in der sechs Meter tiefen Baugrube ließen mitunter die Anrainer-Häuser erzittern. Sie mussten abgefangen werden. Und da war noch ein Nachbar, der, so GWG-Geschäftsführer Karl-Heinz Walter, "wenig Verständnis" für das ehrgeizige, weil nicht von der Stange machbare Projekt Gartentor-Areal aufbrachte und prozessierte, bis der Verwaltungsgerichtshof dem ein Ende setzte: Die Quartiersentwicklung konnte beginnen - mit Abbruch, Neubau und Sanierung. Weshalb Walter auch von seiner "Adrenalinbaustelle" spricht, bei der jetzt aber "hoffentlich nichts mehr zu erwarten" sei.

Das Gesamtobjekt zwischen Krämer- und Schmiedstraße, "attraktiv", weil nahe des prägenden Gartentors, "weniger", weil neben einer 13 Meter hohen Parkhauswand gelegen, besteht aus fünf Häusern. Die Neubauten weisen 22 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 1840 Quadratmetern in der Größe von 45 bis 120 Quadratmetern auf sowie drei Gewerbeeinheiten in Erdgeschosslage. Das bedeutet Innenstadtwohnen - und "genau das, was der Markt abverlangt", sagt Walter.

Leider nicht integrieren in das Vorhaben konnte man aus Sicht des GWG-Chefs die "Schmiedstube", die in privater Hand verbleibt. Mit dabei ist jedoch das Gebäude Krämerstraße 16, das saniert wird und von den Mietern somit weiter genutzt werden kann. Gleich daneben im Neubau Krämerstraße 14 hat man das denkmalgeschützte Gewölbe aus dem 18. Jahrhundert, auch als "Waschhaus" bezeichnet, mit einbezogen und - als Erschließung - eine Verbindung zur Krämerstraße 16 hergestellt.

Beim "Waschhaus", das weiterhin ein "Kaltraum" bleiben wird, mussten im darüber liegenden Bauwerk die Massen reduziert werden - aus Tragwerksgründen.

Der Komplex mit zwei Zugängen über die Schreinerstraße, die nach Fertigstellung wieder wie vorher befahrbar sein wird, hat eine Tiefgarage mit 24 Stellplätzen. Zum Parkhaus hin entsteht ein Lichthof, der durch seine Konzeption sogar erlaubt, dass "die Sonne bis ins Erdgeschoss" scheint. Um die Aufenthaltsqualität zu steigern, werden drei standortgerechte Bäume gepflanzt, Bänke aufgestellt und das Ganze begrünt. Von den Balkonen hat man eine prächtige Sicht auf die Marienkirche mit dem Turmengel.

Die Gesamtanlage, so Walter, sei in ihrer Struktur der kleinparzellierten Altstadtsituation angepasst. Das heißt, die einzelnen Gebäude sollen durch die zurückgesetzten Bereiche der Eingänge die "Stadtkörnung" aufnehmen. Die Farbgebung - von ocker über braun bis gelb - soll das Besondere des Areals widerspiegeln. Geplant wurde das Projekt, das Ende des Jahres bezugsfertig sein wird, vom Architekturbüro e+k in der Tübinger Straße.