Was technologisch und strategisch zusammenpasse, wachse nun zusammen: Die Maschinenbauer Gehring aus Ostfildern und Wafios aus Reutlingen bündeln ihr Know-how, um gemeinsam der weltweiten Automobilindustrie komplette Fertigungslinien anzubieten. Der erste Schritt zu diesem neuen mittelständischen Netzwerk wurde nach Unternehmensangaben bereits im November 2020 getan, als die familiengeführte Nürtinger Nagel-Gruppe mit 1850 Mitarbeitern an 26 Standorten – Weltmarktführer für Feinbearbeitung und Spezialist für Statormontagelinien – im November 2020 den Anlagen- und Maschinenhersteller Gehring aus Ostfildern übernahm, und so seine Rolle als Technologiepartner für Produktionssysteme zur Elektromobilität stärkte. Seit mehr als 90 Jahren entwickelt Gehring unter anderem Technologien für hocheffiziente konventionelle und elektrifizierte Antriebsstränge.
Der nächste Schritt sei nun die intensive Kooperation mit dem Umformspezialisten Wafios, der langjähriges Know-how im Umformen von Kupferdraht zu Steckspulen, den sogenannten Hairpins, mitbringt. Wafios zählt mit rund 1100 Mitarbeitern weltweit zu den führenden Unternehmen des Spezialmaschinenbaus.
So entstehe im Großraum Stuttgart, einem der wichtigsten Standorte der Automobilbranche in Deutschland, ein Verbund von zwei starken Mittelständlern mit insgesamt fast 3000 Mitarbeitern. „Gemeinsam werden Gehring und Wafios Statormontagelinien für alle wichtigen Automobilstandorte weltweit von der Idee bis zur Inbetriebnahme realisieren“, heißt es in der Pressemitteilung.
„Wafios und Gehring formen einen Verbund, mit dem wir schlagkräftig bei Fertigungssystemen für die Statorenproduktion am Markt auftreten können“, ist Gehring-CTO Wolfram Lohse überzeugt. „Die Kooperation kann die gesamte Prozesskette effizienter aufbauen, weil wir die Technologien übergreifend betrachten und uns nicht nur auf Einzelprozesse konzentrieren.“ Die Kooperation biete also alles aus einer Hand – von der Prototypenfertigung bis hin zu Anlagen für die Serienproduktion.

Nur noch ein Ansprechpartner

Damit hätten die Fahrzeughersteller für die gesamte Prozesskette künftig nur einen Ansprechpartner. Sie profitierten vom „umfangreichen, jahrelang erarbeiteten Know-how, das alle unnötigen Schnittstellen und Reibungspunkte von Einzellösungen beseitigt“, erklärt Tobias Single, der Leiter E-Mobility bei Wafios. „Wir entwickeln gemeinsam schnell und kundengerecht sichere Prozesse. Jeder von uns steuert dabei das Know-how rund um seine Kerntechnologien bei.“
Die Kooperation bündle die jahrzehntelange Erfahrung von Gehring bei der Auslegung von Anlagen für die automobile Serienfertigung und die Technologieführerschaft von Wafios im Bereich der Richttechnologie und Drahtumformung. Das hohe Tempo der Großserie-Produktion, bei der im Takt unter einer Minute E-Motoren entstehen, sei eine Herausforderung für die komplexen Drahtbiegeprozesse. „Wir beherrschen diese Komplexität und können effiziente, prozessfähige und zukunftssichere Gesamtlösungen anbieten“, betont Single hierzu. Dazu gehe die Kooperation neue Entwicklungen an, um Leistungsfähigkeit und Wirkungsgrad von Elektromotoren zu verbessern.
Da kommt das Böblinger Startup-Unternehmen Copaltec ins Spiel: Als Partner der Nagel-Gruppe entwickelt es spezielle Gießharze auf Polyurethan-Basis, die Motoren vor externen Einflüssen und Überhitzung schützen. Das könne die Leistung von Elektromotoren um bis zu 20 Prozent steigern, meint Copaltec-Ingenieur Jochen Nahl. Mit Gehring erarbeite man Maschinen für die Industrialisierung im elektrischen Antriebsstrang.
Das Netzwerk könne nun alle wichtigen Kerntechnologien – vom Biegen zum Imprägnieren und abschließenden Vergießen mit Copaltec-Harz – anbieten. „Wir entwickeln gemeinsam skalierbare und modulare Lösungen, die sich an der Produktionsphilosophie unserer Kunden orientieren“, erklärt  Bernd Nagel, der Geschäftsführer von Nagel und der neu erworbenen Gehring-Gruppe. Diese Anlagen wachsen bei Bedarf mit. Und Weigmann betont: „Dank der Kooperation stimmen die Partner alle Verfahren prozessübergreifend ab und verbessern so den gesamten Herstellungsprozess ganzheitlich über die gesamte Technologiekette.“
Mit der Auslieferung ende die Kooperation aber noch nicht: Die Kombination der beiden langjährig im Praxiseinsatz erprobten Servicenetzwerke sorge für raschen Support in allen wichtigen Ländern.