Das Timing ist perfekt: Gerade jetzt, da der Winter eisige Kälte und imposante Schneemassen über uns ausbreitet, öffnet in Reutlingen die Vesperkirche ihre Pforten. Ab Sonntag können Bedürftige, aber auch Solidaresser vier Wochen lang in die Nikolaikirche, die im Herzen der Stadt steht, kommen.

Vor allem diejenigen, die kein Zuhause haben, die sich über jede Stunde freuen, die sie nicht frierend im Freien verbringen müssen und die sonst kaum Tag für Tag die Chance auf eine warme Mahlzeit hätten, werden die Vesperkirche herbeisehnen – die übrigens  eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe stemmt, wie sie kaum wichtiger sein könnte. Weit über 200 Ehrenamtliche und einige Profis nehmen eine Verantwortung wahr, die in der Alltagshektik gerne mal vergessen wird. Sozial schwache Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt leben, brauchen zwar das ganze Jahr unsere Unterstützung, gerade in den harten Wintermonaten wird die Hilfe aber noch dringender benötigt – was allein schon die Zahl der Essen zeigt, die in der Nikolaikirche Jahr für Jahr über den Tresen gehen. Bis zu 10 000 Mahlzeiten sind es in den vier Öffnungs-Wochen. Der große Andrang lässt ahnen, wie viele Obdachlose es auch in Reutlingen und seinem Umland  gibt. Menschen, die  – sei’s aus freien Stücken, sei’s gezwungenermaßen – auf der Straße leben. Dass sie in eisigen Zeiten dort nicht auch noch nächtigen müssen, ist das Verdienst der Arbeiterwohlfahrt, die Notunterkünfte anbietet und die, wie die Vesperkirche, davon zehrt, dass Leute ehrenamtlich für andere aktiv werden. Von ihnen gibt‘s zum Glück in unserer Region viele. Und ihnen sei an dieser Stelle ein dickes Kompliment dafür ausgesprochen, dass Verlass ist auf sie und ihr soziales Gewissen.