Intern läuft es für den Reutlinger AfD-Kreisverband, das freute Hansjörg Schrade schon mal, den Sprecher des Verbandes. Zum sechsten Mal richtete die AfD ihren Neujahrsempfang aus: „Und noch nie sind so viele gekommen.“ Gut 100 Menschen waren am Freitagabend im Spitalhofsaal, überwiegend männlich, überwiegend älter.  Schwieriger war es mit den Außenbedingungen: Eine Gegendemonstration (wie berichtet) hatte zu einem Einlass-Slalom über Nebengassen gezwungen. „Terror“, sagte Schrade und mutmaßte: „Die Polizei hat offensichtlich Anweisung, das für die Besucher zum Spießrutenlauf werden lassen.“ Am Eingang lag ein Hefter aus mit Fotos und Namen von Gegendemonstranten. „Wir müssen ja vorbereitet sein“, sagte ein junger Mann mit dunklem Hemd und einer markanten Binde am linken Oberarm.

Aber Ruben Neugebauer, einer der Sea-Watch-Gründer, war dann doch im Saal. Und rief gleich dazwischen, als Schrade das Thema Migration anschnitt (das an diesem Abend übrigens fast keine Rolle spielte). Flugs wurden er und seine Begleiterin aus dem Saal gedrängt. Aber eine Partei in der Konfrontation zu sein, schadet auch – das weiß Hansjörg Schrade nur zu gut. Bei der Kommunalwahl könnte sie fett absahnen, ist seine Prognose, wird es aber wahrscheinlich nicht: „Uns gehen Stimmen verloren, weil wir die 40 Listenplätze bei Weitem nicht voll bekommen. Wir haben 13 Kandidaten, wenn überhaupt.“ Trotzdem bleibe das Ziel: „Wir wollen mindestens drei Mandate.“

Als Gastredner war Bernhard Seitz gekommen. Er ist ein Verfechter der Direkten Demokratie. Die Griechenland-Rettungsschirme, so seine feste Überzeugung, wären bei einem Volksentscheid nie durchgekommen. Mit dieser wirtschaftlichen Motivation ist Bernhard Seitz auch einer der 18 Männer gewesen, die im Februar 2013 die AfD gegründet haben. Wie damals gibt es für ihn immer noch einen Hauptgegner: „Das sind nicht die Gegner auf der Straße, sondern die CDU. Diese Partei trägt Verantwortung dafür, wo wir heute stehen.“ Um das zu ändern, brauche man eine Mehrheit: „Deshalb muss die AfD aufpassen, sich nicht zu weit in eine Ecke zurückzuziehen.“ Und deshalb „sollten wir versuchen, Leute einzubinden, egal wo sie stehen.“ Mit Blick auf die Gegendemonstranten heißt das für Bernhard Seitz, der sogar Gandhi als Vorbild pries: „Wir sollten auch den Widerstand integrieren.“

Was nicht jeder so sah. Die Diskussion, in der Kritik an Stuttgart 21 ein Schwerpunkt war, brachte unterschiedlichste Beiträge. Und einen Appell zur Einigkeit. „Ja, den kann die AfD gut brauchen“, sagte Schrade.