Reutlingen Vorrang für die Bildung

Dr. Christian Schneider, der im OB-Wahlkampf von der CDU unterstützt wird, will Nachfolger von Barbara Bosch werden.
Dr. Christian Schneider, der im OB-Wahlkampf von der CDU unterstützt wird, will Nachfolger von Barbara Bosch werden. © Foto: Thomas Kiehl
Von Ralph Bausinger 12.01.2019

Er ist der Marathonläufer unter den fünf Bewerbern um den Posten des Reutlinger Oberbürgermeisters: Seit seiner Vorstellung am 11. Oktober ist Dr. Christian Schneider im Wahlkampf unterwegs, hat seither ungezählte Gespräche an Infoständen in der Innenstadt und in den Stadtbezirken absolviert. „Im Wahlkampf ist mir der direkte Kontakt mit den Menschen das Wichtigste. Hören, wo der Schuh drückt“, betont er im Gespräch. Er nehme sehr viel Positives aus den vergangenen drei Monaten mit, berichtet der von der CDU unterstützte Kandidat. Dabei ist ihm aufgefallen, dass die Leute sehr differenziert argumentieren, dass sie (an-)erkennen, dass es keine einfachen Lösungen gibt, dass Kompromisse nötig sind Schneider weiß: „Ein Oberbürgermeister muss Mehrheiten finden, im Gemeinderat und in der Bevölkerung“.

Der Kandidat setzt in seinem Wahlkampf auf fünf Schwerpunktthemen: An erster Stelle steht für den 54-Jährigen die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. „Wir müssen von der Planung schneller in die Umsetzung kommen“, fordert Schneider. Das gelte nicht nur für Bauen: Generell wünsche er sich eine „entscheidungsfreudige Verwaltung“, um Themen rasch und praktikabel umzusetzen. Weiter spricht er sich für eine städtische Baulandbevorratungspolitik aus und will auch urbane Quartiere („Quartiere der kurzen Wege“) voranbringen. Die 30-Prozent-Quote an sozial gefördertem Wohnraum hält er für „sinnvoll“, warnt jedoch davor, potenzielle Bauträger mit zu vielen Auflage zu verschrecken.

Sein zweites großes Thema ist die Stärkung der Wirtschaftskraft. „Wir brauchen eine Willkommenskultur für Investoren“, sagt Schneider, der Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen möchte. Gemeinsam mit der IHK und der Hochschule will er erreichen, dass Unternehmen gerne nach Reutlingen  kommen. Aus seiner Sicht wäre es ebenfalls wünschenswert, wenn die Hochschule eine Forschungseinrichtung auf dem früheren Willi-Betz-Areal (jetzt RT unlimited“) bekommen könnte. Die Achalmstadt benötige ebenfalls weitere Gewerbeflächen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. „Wachstum ist kein Selbstzweck“, unterstreicht Schneider. Wachstum sei vielmehr notwendig, um die Standards zu halten und neue Projekte angehen zu können.

Eine moderne Verkehrs- und Wirtschaftsinfrastruktur nennt er als drittes großes Thema. Man dürfe das Auto weder verteufeln, noch glorifizieren. Aber: „Wir müssen Dieselfahrverbote auf jeden Fall vermeiden“, postuliert Schneider. Umgesetzte, aber auch beschlossene Maßnahmen – vom Scheibengipfeltunnel über das Radwegenetz, das 365-Euro-Ticket, bis hin hin zum Stadtbusnetz, das im Herbst startet. müssten die Möglichkeit erhalten, zu wirken. Schneider spricht sich auch dafür aus, Geld in die Hand zu nehmen und den kommunalen Fuhrpark auf Euro-6-Diesel oder Hybridfahrzeuge umzustellen. Auf jeden Fall wolle er sich, bevor es zu Fahrverboten komme, mit dem Regierungspräsidium zusammensetzen und gemeinsam entwickeln, wie sich der Verkehr verflüssigen lasse.

Die Stadt müsse, viertens, über eine ausreichende Zahl von Kinderbetreuungsplätzen verfügen. „Da müssen wir nachlegen“, sagt Schneider mit Blick auf rund 400 fehlende Plätze. Auch hier will er Gas geben und setzt dabei auf Modularbauweise bei neue Kitas. Den SPD-Vorstoß für eine kostenfreie Kinderbetreuung lehnt Schneider ab, spricht sich aber für die soziale Staffelung bei den Elterngebühren aus. Das Geld des Landes sollte seiner Meinung nach eher in eine bessere Qualität investiert werden. Dass Betreuung Geld koste, sei auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit der Erzieherinnen.

Gute Bildungseinrichtungen sind Schneiders fünfter Themenschwerpunkt. Eine Großstadt wie Reutlingen benötige ein breitgefächertes Bildungsangebot mit gut ausgestatteten Schulen – gerade auch mit Blick auf die Digitalisierung. Die anstehenden Sanierungen sind für ihn eine „Investition in die Zukunft“: „Dieses Geld müssen wir in die Hand nehmen. sonst werden wir abgehängt“, konstatiert er. Bildung müsse Priorität haben. „Wir brauchen heute ein Gesamtstrukturpaket für eine attraktive Stadt.“

Schneider glaubt, dass die Wähler auf das schauen, was die Kandidaten bislang in ihrem beruflichen Leben gemacht haben. Und er ist überzeugt, dass Führungs- und Personalerfahrung dringend benötigt wird, um ein großes Rathaus zu leiten. Als stellvertretender Regierungspräsident in Tübingen und Stuttgart habe er die gesamte Bandbreite aller kommunalpolitischen Themen mitbetreut.

Auskreisung

Welche Position nimmt der Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion in Sachen Auskreisung/Stadtkreisbildung ein? Der Landtag habe am 20. Dezember mehrheitlich gegen eine Stadtkreisbildung gestimmt. Das müsse man akzeptieren, sagt Schneider. Auf der anderen Seite habe der Gemeinderat noch am selben Tag entschieden, Verfassungsbeschwerde einzulegen. Das müsse man annehmen. „Jedes Stadtoberhaupt muss diese Entscheidungslage mit Tatkraft umsetzen.“ Im Klartext: Ein Oberbürgermeister Schneider wird die Doppelstrategie von Klage und Verhandlungen mit dem Landkreis fortsetzen. Schneider strebt ein „gutes Miteinander“ mit den Nachbarkommunen und dem Landkreis an. Dabei gelte es jedoch, die anderen Bedürfnisse einzufordern, die eine Großstadt nun einmal habe.

Christian Schneider: Daten und Fakten

Christian Schneider, am  5. März 1964 in Mülheim an der Ruhr geboren, lebt seit fast zwei Jahrzehnten in Baden-Württemberg. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Luisa ist zwölf, Pauline zweieinhalb Jahre alt.

Der promovierte Jurist arbeitet als Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion in Stuttgart. Zuvor war er Regierungsvizepräsident in Stuttgart und Tübingen. Zwischen zwölf und 14 Stunden täglich wendet Schneider für den Wahlkampf auf.

Als jemand, der ein Herz fürs Ehrenamt hat, gilt seine große Leidenschaft der Freiwilligen Feuerwehr Waldenbuch, wo er momentan auch wohnt. rab

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