Konzerte Von Reutlingen bis Buenos Aires

Von Bach bis Britten: das Jahr 2017 bei capella vocalis.
Von Bach bis Britten: das Jahr 2017 bei capella vocalis. © Foto: pr/capella
OTTO PAUL BURKHARDT 26.01.2017

Die Stimme – was für ein wunderbares Instrument: Das ist, kurz gesagt, „das, was uns antreibt: unsere Philosophie“. So steht’s im druckfrisch erschienenen neuen Programmheft des Reutlinger Knabenchors capella vocalis. Die Anfänge des Chores liegen schon im Jahr 1992, die Gründung erfolgte dann 1993.

Und richtig, wer nachrechnet, wird bemerken: Bei capella vocalis steht ein rundes Jubiläum an. Gefeiert wird dies aber erst 2018, unter anderem mit Konzerten in den Kirchen mit der wohl bedeutendsten Chortradition: in der Leipziger Thomas- und der Dresdner Kreuzkirche. Auch „das Thema Mahler“ steht eventuell dann an, wie Bonath andeutet, womöglich in Kooperation mit der Württembergischen Philharmonie unter ihrem neuen Chefdirigenten Fawzi Haimor.

Aber bis dahin ist noch Zeit. Und bevor Chorleiter Christian Bonath dieser Tage das Jahresprogramm 2017 vorstellte, warf er einen kleinen Blick zurück. Im Jahr 2016 war capella vocalis mal wieder regional und international unterwegs, konzertierte sozusagen zwischen Reutlingen und Buenos Aires, sang unter namhaften Dirigenten wie Noam Sheriff, machte durch Telemann-Ersteinspielungen auf sich aufmerksam, aber auch mit der Uraufführung eines von Bonath komponierten Chorwerks „our_vater_noster“.

Der Chor umfasst derzeit im Kern 100 Knaben, die Mädchenfraktion ist inzwischen 35 Stimmen stark, hinzu kommen etwa 50 Wolfgangsschüler. Mit fast 200 Aktiven ist capella vocalis somit „der größte Anbieter“ seiner Art in der Region, wie Bonath meint.

Das Jahresprogramm 2017 umfasst rund 40 Konzerte – das erste ist kürzlich in der Kusterdinger Marienkirche über die Bühne gegangen. Bereits am 4. Februar steht ein größeres Projekt an: capella vocalis wird bei den Tübinger Silcher-Tagen auftreten, wo es um die „Macht der Liebe“ geht. Vor genau 200 Jahren hat Friedrich Silcher die Stelle eines Tübinger Universitätsmusikdirektors angetreten.

Der Chor, berichtet Bonath, wird übers Jahr noch – unter anderem – in Bremen, Donaueschingen, Göppingen, im Kloster Andechs, in Fürstenfeldbruck, Offenbach und in Pistoia (Italien) auftreten. Weltersteinspielungen, erneut mit dem Sender SWR 2, sind auch dieses Jahr vorgesehen: Bonath will Pfingstkantaten des Bach-Zeitgenossen und Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner aufnehmen (9. bis 12. März in Reutlingen). Die Tonsprache Graupners gilt als barock, enthält aber bereits Anklänge des galanten Stils.

Die capellani wirken ferner bei Brittens „War Requiem“ in der Stiftskirche Tübingen mit (7. Mai). Dann knöpft sich der Chor Händels „Messias“ vor. Das Oratorium, in der Originalsprache „Messiah“, wird in der Martinskirche Metzingen erklingen (9. April). Es folgt in der Kreissparkasse Reutlingen von Telemann „Der Schulmeister“ (14. Mai), eine „wunderbare weltliche Kantate“, schwärmt Bonath, rüber das „nicht ganz unentspannte Verhältnis von Lehrern und Schülern“. Zwar ist die Autorschaft Telemanns nach wie vor umstritten, doch der durchaus humoristische, theatralische Zuschnitt des Werks rechtfertigt eine Aufführung in jedem Fall.

Die Macht der Liebe

Im Herbst plant Bonath dann Brahmsens „Liebesliederwalzer“, zunächst am zweiten Chor-Standort Besigheim und dann hier in der Region, in der Schillerhalle Dettingen (21. Oktober). Fortgesetzt wird schließlich auch die Reihe „music of our time“ mit zeitgenössischen Klängen – in diesem Jahr soll die mittlerweile vierte Auftragskomposition in der St.-Wolfgang-Kirche Reutlingen aufgeführt werden, sie wird dem Thema „Dona nobis pacem“ gewidmet sein (12. November).

Das Jahr klingt aus mit dem Duruflé-Requiem in Offenbach (26. November) und Bachs Weihnachtsoratorium in der Stadthalle Reutlingen (26. Dezember). Als Motto für das laufende Jahr des großen Reformations-Jubiläums hat Christian Bonath auch noch ein passendes Luther-Wort gefunden: „Singen ist eine edle Kunst und Übung.“

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