Den Auftakt macht Schuldirektor a.D. Rudolf Renz, der am 24. September über den Metzinger „Uniformschneider“ Hugo Boss während des „Dritten Reichs“ sprechen wird. In dem Vortrag wird einleitend auch auf die Grundzüge der NS-Wirtschaftspolitik und die Rolle des Unternehmers im Nationalsozialismus eingegangen. Für den Abschluss sorgt dann der Historiker Friedemann Rincke vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, der im Dezember das im Vorjahr eröffnete „Hotel Silber“ in Stuttgart und dessen Bezüge nach Reutlingen vorstellen wird. An diesem eindrücklichen Gedenkort, während der NS-Zeit Zentrale der württembergischen Gestapo, kreuzen sich die Linien von Tätern und Opfern auch aus Reutlingen. Zur Sprache kommen etwa der Gestapo-Beamte und spätere Kurator in Reutlingen und Albstadt, Alfred Hagenlocher und die aus einer jüdischen Familie stammende Künstlerin Alice Haarburger.

Suizid durch fremde Hand?

Auf ganz andere Felder führen zwei weitere Vorträge: An der Universität Basel hat sich die Historikerin Isa Zeder mit Reutlinger Hexenprozessen befasst. Sie stieß dabei auf das merkwürdige Phänomen freiwilliger Selbstbezichtigung. Von der Forschung bisher kaum beachtet, eröffnen die Akten dieses Prozesses einen anderen Blick auf das Denken und Handeln der Menschen in jener Zeit. Verbirgt sich dahinter etwa der Versuch eines „Suizids durch fremde Hand“? Isa Zeder hat zu diesem Thema ihre Masterarbeit geschrieben und spricht am 16. Oktober in Reutlingen.

Anordnungen der Obrigkeit in Befehlsbüchern

Den Ertrag einer ehrenamtlichen Erschließungsarbeit im Stadtarchiv stellt Gerald Kronberger im November vor. Reutlinger Stadtgeschichte zwischen 1803 und 1864 wird dabei im Spiegel obrigkeitlicher Anordnungen anschaulich. Der Vortrag zeigt an ausgewählten Beispielen den Quellenwert sogenannter Befehlsbücher des 19. Jahrhunderts, die sowohl epochale Phänomene wie den Beginn des württembergischen Verfassungsstaates als auch Leben und Alltag einer noch weitgehend landwirtschaftlich geprägten, vorindustriellen Stadtgesellschaft berühren.

Ausstellungsbesuch in Rottenburg

Schließlich werden wie gewohnt gemeinsam mit der Volkshochschule vorbereitete Ausfahrten angeboten. Zum Auftakt geht es am 18. September nach Rottenburg zur Mechthildausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, wo es eine Kuratorenführung mit dem Mittelalterspezialisten Dr. Erwin Frauenknecht geben wird. Weitere Fahrten gehen ins Elsass und in die Weinberge um den Stromberg. Die beliebten Erkundungen der näheren Region unter der Führung von Vereinsmitgliedern werden ebenfalls fortgesetzt. Mit Dr. Frieder Klein geht es zu keltischen Stätten und mit Kreisarchivarin i.R. Irmtraud Betz-Wischnath schließlich ins ehemalige Zwiefalter Klostergebiet.

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Weitere Veranstaltungen des Vereins


In diesem Jahr beteiligt sich der Geschichtsverein auch am Tag des offenen Denkmals (8. September) mit dem Thema Oberamteistraße, außerdem auch mit einem Schülerprojekt an der Kulturnacht (21. September). Das Programm gibt’s bei der Geschäftsstelle im Stadtarchiv, Telefon (0 71 21) 3 03 23 86.