Gestern haben sie stolz das Ergebnis von wochenlanger Tüftelei vorgestellt: 62 angehende Techniker und Technikerinnen präsentierten den ganzen Vormittag über ihre Abschlussarbeiten in der Aula der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule.

Nunmehr im dritten Jahrzehnt gibt es an der Steinbeis-Schule die Möglichkeit, den Techniker zu machen. Das bedeutet: Zwei Jahre Vollzeitschule, die dann mit einer Abschlussarbeit und Prüfungen enden. Die Fachschulen für Automatisierungstechnik, Metalltechnik und Elektrotechnik haben dabei meist gleich viele Schüler, sagt Lehrer Hans Richter-Dunitza. 1640 Euro kostet die vier Semester dauernde Weiterbildung – Bafög kann man dafür auch beantragen. Mit der Versetzung in das zweite Schuljahr wird ein dem Realschulabschluss gleichwertiger Bildungsstand erworben, nach der Abschlussprüfung darf man sich schließlich „staatlich geprüfter Techniker“ nennen – und hat auch gleich noch die Fachhochschulreife erworben.

Drei Techniker-Klassen

Die drei Techniker-Klassen bekomme man eigentlich kontinuierlich voll, sagt Lehrer Richter-Dunitza. Nur die Frauenquote, die ist halt noch immer ziemlich niedrig. Die 25-jährige Sandra Roller ist an diesem Mittag die einzige Frau in der Aula. Sie hat als Abschlussarbeit die Elektronik des Eninger Feuerwehrhauses auf dessen Erweiterung angepasst. Jüngst war dort der Spatenstich: Das Gerätehaus bekommt einen Anbau, der alte Teil wird generalsaniert. Roller hat nun also in – das hat sie extra ausgerechnet – 200 Tagen ausgetüftelt, wie man Alt- und Neubau in puncto Elektronik verbinden kann.

„Verstehen, wie es funktioniert“

Die junge Frau aus Sonnenbühl war zunächst Elektrofachverkäuferin, dann hat sie die Ausbildung zur Elektronikern gemacht: „Ich wollte nicht nur verkaufen, ich wollte auch wissen, wie das funktioniert.“ Der Techniker hat ihr geholfen, noch mehr zu verstehen, sagt sie. Auch wenn es zugegebenermaßen dann doch ziemlich anstrengend war, im Unterricht und im Unternehmen insgesamt zwölf Programme neu zu lernen.

Gegenüber von Sandra Roller stehen zwei junge Männer mit ihrem Projekt. Die Technikerarbeit von Denis Baisch (26) und Markus Ammon (30) hat mit der Trinkwasserversorgung zu tun: Die beiden haben einen Hochbehälter aus dem Jahr 1966 elektrotechnisch modernisiert. Der Behälter, der in Pfullingen steht, war durchgängig in Betrieb – allerdings mit einer ziemlich veralteten Technik.

Die Pegelschalter waren beispielsweise noch manuell zu bedienen, und dazu noch so alt, dass es mit den Ersatzteilen auch schwer geworden wäre – denn die gibt es schon lange nicht mehr im Handel.

Baisch und Ammon kennen sich schon lange: Die beiden haben bei der selben Firma gearbeitet, dort durften sie auch ihre Technikerarbeit machen. Einige Technikerschüler wechseln nach bestandener Prüfung den Betrieb, andere werden beim Unternehmen freigestellt und steigen als Techniker danach wieder ein (und meist auch auf), erklärt Lehrer Richter-Dunitza.

Schule als Auftraggeber

Ein paar Schüler haben auch die Steinbeis-Schule selbst als Auftraggeber für ihre Technikerarbeit. Marco Talmann zum Beispiel: Der 27-Jährige hat den Schulroboter sozusagen aufgemotzt, indem er ein neues Roboter- und ein Steuerungsprogramm entwickelt hat. Die meisten Schüler aus dem aktuellen Jahrgang haben schon eine Zusage für eine neue Stelle beziehungsweise eine Weiterbeschäftigung beim alten Arbeitgeber, sagt Lehrer Richter-Dunitza. Davor müssen sie nur noch die Englischprüfung bei ihm (und vielleicht noch die mündliche Prüfung) bestehen.

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angehende Techniker und Technikerinnen verlassen bald die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule. Sie haben ihre Abschlussarbeiten alleine oder in Zweierteams erstellt.