Pfullingen Von Böhmenknödeln und West-Sachsen - Glück auf!

JÜRGEN HERDIN 02.10.2012
Warmherzig wurden die 180 Pfullinger aufgenommen, die ihre sächsische Partnerstadt Lichtenstein besuchten. "Die Förderung intensiver Beziehungen" stand in der Urkunde, und die gabs ganz real und zuhauf

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Glück auf! Das Pendant zum "Grüß Gott" der Schwaben ist in der traditionellen Bergbauregion am Fuße des Erzgebirges an jeder Straßenecke zu hören. Und daran gewöhnten sich die Gäste aus Pfullingen ebenso schnell wie an den guten Geschmack des Bieres, dessen Brauerei, keine sechs Kilometer vom Lichtensteiner Altmarkt entfernt, wie könnte es anders sein, ebenfalls "Glückauf" heißt. Gerstensaft war reichlich vorhanden, so dass es sich Pfullingens Bürgermeister Rudolf Heß auch erlauben konnte, den Freibier-Fassanstich am Sonntag zu versemmeln.

Semmeln heißen in diesem Teil Sachsens die Wecken, und eine "Speckfettbemme" ist ein Griebenschmalzbrot. Besonders gut gemundet aber hat den Besuchern aus dem Echaztal gleich am ersten Abend im benachbarten Zwickau die "Uzené s krenovou omáckou", die kleine böhmische Rauchhaxe mit Knödeln. Das gabs gleich am ersten Abend am Fuße des Doms St. Marien - und dazu Bier von Staropramen aus Prag, meterweise serviert auf tragbaren Holzregalen. Wie überhaupt die Gastronomie, auch die in Lichtenstein eine sehr böhmische Prägung hat. Erstes Haus am Platz dort ist der Ratskeller, der auch von einem Tschechen betrieben wird.

Zwickau, Chemnitz, Glauchau und das 32 Kilometer entfernt gelegene Hartmannsdorf: Die Umgebung der 12 600 Einwohner zählenden Partnerstadt haben die Pfullinger auch genießen dürfen, was ganz praktische Gründe hatte. Hotels und Unterkünfte in Lichtenstein waren ausgebucht, weil auf dem Sachsenring wieder ein Rennen war. Bürgermeister Rudolf Heß hatte dort früher auch schon einen heißen Reifen gefahren.

Holz vor der Hütte hat Lichtenstein eine Menge, mithin in der kunstvollsten Variante überhaupt. Das "Daetz-Centrum" im Schlosspalais oberhalb der Altstadt beherbergt die größte Ausstellung internationaler Holzbildhauerkunst in Europa. Der 82-jährige Stifter Peter Daetz ließ es sich nicht nehmen, sein Haus für den Städtepartnerschafts-Festakt zur Verfügung zu stellen.

Eiffelturm, Völkerschlachtdenkmal, das Weiße Haus, der Münchner Flughafen und Dresdens Frauenkirche haben mit dem Schönbergturm, der "Unterhos", eines gemeinsam: Verkleinert finden sich diese Bauwerke in der Parkanlage "Miniwelt" wieder. Den Besuch ließ kaum ein Echazstädter aus. Denn bei dieser prominenten Nachbarschaft kam jede Menge lokalpatriotische Freude auf.

Hemme heißt in Westsachsen so viel wie nach Hause (gehen). Das taten die vom Ausflug begeisterten Pfullinger nur ungern. Doch es gibt da Anknüpfungspunkte fürs baldige Wiedersehen. Am ersten Adventswochenende ist Pfullinger Weihnachtsmarkt, eine Woche darauf der in Lichtenstein. Bilaterale Trips ließen sich verbinden mit dem Nürnberger Christkindlesmärkt - und dem in Dresden, nur 100 Kilometer von Lichtenstein entfernt.